„Der Mensch ist dem Weltlauf gegenüber nicht ein müßiger Zuschauer, der innerhalb seines Geistes das bildlich wiederholt, was sich ohne sein Zutun im Kosmos vollzieht, sondern der tätige Mitschöpfer des Weltprozesses; und das Erkennen ist das vollendetste Glied im Organismus des Universums.“

– Rudolf Steiner

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Freitags-Gedanken am 22. Februar: Wachstumsschmerzen

Siegel zum zweiten von vier Mysteriendramen Steiners Die Prüfung der Seelen

Wie gut kann ich mich noch daran erinnern, dass ich als Kind häufig ein heftiges Ziehen in den Gelenken, Bändern und Sehnen, insbesondere an Kniekehlen und Ellenbeugen verspürte. Meine Mutter versicherte mir, das seien ganz normale Wachstumsschmerzen, also kein Grund zur Beunruhigung. Und so war es offensichtlich auch, denn nach einer solchen Schmerzphase hatte ich meist einen sichtbaren Schub getan und ein paar Zentimeterchen an Länge zugelegt. Der Weg, bis wir endlich erwachsen sind, ist eben auch manchmal schmerzhaft.

Natürlich wächst nicht nur unser physischer Körper, sondern auch unser Innenleben, unsere Seele. Im Laufe unseres Lebens entwickelt sie sich immer weiter und wächst dabei mit zunehmendem Alter immer mehr weg vom Körperlichen und ins Geistige hinein.

Aber was bedeutet Seele eigentlich genau?

Obwohl wir diesen Begriff doch so häufig benutzen, sind unsere Vorstellungen über die Seele durchaus uneinheitlich und häufig eher diffus. Unsere Seele ist als mittleres Wesensglied eingebettet zwischen Körper und Geist. Sie ist der Raum für unsere ganz persönlichen Empfindungen, Triebe, Begierden, Wünsche und Gefühle. Träger der Seele ist unser Astralkörper, eine Substanz, die Kraft und Stoff zugleich ist und dennoch über die normalen Sinne nicht wahrnehmbar ist. Hellsichtige können jedoch Form und Farben des über den physischen und ätherischen Körper hinausragenden Astralkörpers wahrnehmen. Laut Dr. Rudolf Steiner, dem Begründer der spirituellen Wissenschaft, besteht unsere Seele aus drei Wesensgliedern: der Empfindungsseele, der Verstandes- und/oder Gemütsseele und der Bewusstseinsseele.

Unsere persönliche Entwicklung während unseres Erdenlebens vollzieht sich in Sieben-Jahres-Schritten. Die 3 x 7 Jahre, in denen sich die im Keim bereits in uns angelegten Seelenglieder vollständig entfalten, erleben wir zwischen dem 21. und dem 42. Lebensjahr. Das heißt natürlich nicht, dass wir als Kinder und Jugendliche keine Seele hätten, sondern nur, dass der Schwerpunkt unserer Entwicklung zuvor auf dem Körperlichen lag. Mit sieben Jahren steht der Zahnwechsel an, mit 14 die Erlangung der Geschlechtsreife und alle die mit diesen wesentlichen Entwicklungsschritten verbundenen inneren und äußeren Prozesse. Damit ist unser Organismus schon ganz schön gefordert!

Wie der einzelne Mensch, so erlebt auch die Menschheit als Ganzes einen kollektiven Entwicklungs- und Reifungsprozess. Heute befinden wir uns in einer Zeit eines entscheidenden Übergangs, des Heraustretens aus der Verstandes- und Gemütsseele und Hineintretens in die Bewusstseinsseele. Bezogen auf unser persönliches Leben entspräche dieser Übergang einem jungen Erwachsenen im 28. Lebensjahr.

Nun vollzieht sich ein Übergang selten plötzlich. In der Regel wird er von langer Hand vorbereitet, zunächst gibt es einige wenige, die einen ersten Blick in eine neue Zeitqualität riskieren, diesen folgen dann immer mehr Menschen und ihre Einblicke werden tiefer, es ereignen sich Rückschritte, vielleicht sogar Rückschläge, bis schließlich das Neue überwiegt und sich letztlich flächendeckend ausbreiten kann. Und natürlich steht auch jedes Individuum, jeder einzelne von uns an seinem ganz bestimmten Platz innerhalb dieses globalen Geschehens.

Das Zeitalter der Verstandes- und Gemütsseele begann im Jahr 747 vor Christus und endete 1413 mit dem Beginn der Neuzeit. Diese Epoche deckt sich mit dem Widderzeitalter, der griechisch-römischen Kulturepoche und ihren Aus- und Nachwirkungen. Zunächst bis etwa 600 nach Christus sprechen wir von der Antike, danach folgt das sogenannte Mittelalter. Das Aufblühen der Verstandesseele bedeutete gegenüber früheren Zeitaltern einen gravierenden Fortschritt. Zuvor, im Stier-Zeitalter der Empfindungsseele war das menschliche Dasein vorwiegend durch seine Bedürfnisse, Triebe und Begierden geprägt gewesen. Zwar war das Zusammenleben damals streng geregelt, damit sich funktionsfähige Gemeinschaften bilden konnten und nicht das Faustrecht überwog. Doch geschah dies noch sehr stark unter der Führung „der Götter“ bzw. geistiger Wesen. Der Mensch lebte in festen Strukturen von Familie, Sippe oder Volk und erlebte sich viel mehr als Teil dieser Gemeinschaften als als einzelnes oder gar freies Individuum. Rudolf Steiner beschreibt diesen Entwicklungsschritt hin zum mittleren Seelenglied des Menschen in einem seiner Werke so:

Was wir Verstandes- oder Gemütsseele nennen, arbeitet sich erst heraus aus der Empfindungsseele, ist schon in gewisser Beziehung etwas Abgeklärteres als die Empfindungsseele. In der Verstandesseele sitzen schon die Fähigkeiten, dasjenige in Vorstellungen zu kleiden, was in der Empfindungsseele empfunden ist, dasjenige, was als Instinkte, als Affekte erlebt wird, zu einer menschlicheren Form des Seelenlebens abzuklären. Wenn zum Beispiel Affekte, die sonst nur auf Selbsterhaltung gehen, abgeklärt werden zum Wohlwollen, ja sogar zum liebevollen Verhalten zur Umwelt, haben wir es schon zu tun mit der Verstandes- oder Gemütsseele. In der Verstandesseele geht uns das Ich auf, der eigentliche Mittelpunkt unseres Seelenlebens. 

In dieser griechisch-römischen Epoche traten bereits große Denker auf wie Aristotheles, der Begründer der Logik und Euklid, der Begründer der Mathematik. Erst durch sie wurden die modernen Naturwissenschaften, wie wir sie heute kennen, möglich. Allenthalben begann das Denken die Empfindungsseele der Menschen zu durchdringen und ihr zu dienen. Gemäß dieser Entwicklungsstufe der Menschheit wurde und wird bis heute ein Großteil der Denkfähigkeit letztlich zur Befriedigung von Bedürfnissen der Empfindungsseele aufgebracht. Dazu gehören Erfindungen wie Telefon, Eisenbahn, Auto oder Smartphone, ohne Zweifel nützliche Gegenstände, die uns dienlich sein können, aber auch die Gefahr in sich bergen, dass wir unsere Aufmerksamkeit zu sehr daran  binden.

Seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts treten wir mehr und mehr aus den subjektiv empfundenen Bedürfnissen heraus. Wir setzen unsere Denkfähigkeit weniger für eigennützige Zwecke ein als für Objektives, für Ziele, die von universellem Wert sind. Das Streben nach objektiver Wahrheit, die nicht unbedingt einem bestimmtem Zweck dient und nicht nur zeitlich begrenzt gültig ist, sondern ihren Wert in sich selbst hat, tritt in die Welt. Zumindest ist das die große Aufgabe, der wir in diesem Zeitalter gegenüber stehen. Doch noch tun wir uns schwer damit. Mehr denn je wird die Welt durch Lüge und Irrtum dominiert und die Wahrheit hat einen schweren Stand. Gerade darin liegt die Herausforderung! Unmissverständlich werden wir aufgefordert, dieses Streben nach Wahrheit immer mehr zu verstärken. Es wird immer schwieriger und schließlich unmöglich, dass wir uns nur auf unsere eigenen Bedürfnisse beschränken. In Zeiten, in denen die Menschheit mehr und mehr zusammenwächst, kommt es darauf an, das Verbindende, das Gemeinsame zu betonen. Und doch werden wir gleichzeitig immer individueller, treten als einzigartige Individuen aus der Masse heraus, ein jeder auf seine Weise. Es gibt keinen anderen unserer Art – im wahrsten Sinne des Wortes ist jeder von uns einzigartig.

Nun gilt es, diese beiden Entwicklungsstränge unter einen Hut zu bringen – welch eine Aufgabe! Dagegen nehmen sich die Wachstumsschmerzen unserer Jugend geradezu harmlos aus. Zurzeit erleben wir eine Vielfalt von Meinungen und das teilweise hasserfüllte Bekämpfen Anders-Denkender. Es ertönt die Forderung nach Toleranz gegenüber Flüchtlingen, Andersgläubigen, Homo- und Transsexuellen und sonstigen Bevölkerungsgruppen bei gleichzeitig extremer Intoleranz gegenüber denen, die lieber engere Grenzen setzen möchten. Man könnte sagen: Jeder wettert gegen jeden und alle kämpfen gegen alle. All dieser Hickhack erwächst aus persönlichen Sympathien und Antipathien, aus der Angst heraus, etwas zu verlieren oder der Unfähigkeit zu erkennen, was zumutbar und angemessen ist. Angesichts solcher Auseinandersetzungen verlieren wir das Streben nach universeller Wahrheit nur allzu leicht  aus den Augen. Wir laufen Gefahr, uns in einem der Entweder-Oder-Pole zu verbeißen. Dabei gäbe es doch gewiss auch die Möglichkeit eines Sowohl-Als-Auch, einer angemessenen Lösung im Sinne aller Beteiligten?!

Aber so ist es eben, wenn man in eine neue Zeitqualität hineintritt! Offensichtlich geht es nicht ohne Reibung, ohne Ziehen und Drücken an allen Ecken und Enden, kurz ohne Wachstumsschmerzen! Es gibt sie, die Rufer in der Wüste, Menschen, die die Zeichen der Zeit erkennen und zur Besinnung aufrufen. Doch ihre Mahnungen werden bisher nur von wenigen gehört. Inzwischen ist es etwa 100 Jahre her, dass Rudolf Steiner uns das lockende Ziel unserer Entwicklung vor Augen hielt:

Denn in Zukunftszeiten müssen die Menschen füreinander sein und nicht einer durch den anderen. Nur so wird das Weltenziel erreicht, wenn jeder in sich selber ruht und jedem gibt, was keiner fordern will.

Was spricht eigentlich dagegen, uns diese wunderbaren Worte j e t z t auf die Fahne unseres Wirkens zu schreiben und damit das Zeitalter der Brüderlichkeit schon heute einzuläuten?!

Freitags-Gedanken am 15. Februar: Zusammenspiel der Organismen

Es ist immer eine gute Idee, erst einmal bei sich selbst anzufangen, in diesem Fall beim menschlichen Organismus.

Da haben wir zunächst unseren physischen Körper, ohne Zweifel ein großartiger, bis ins Kleinste durchdachte, Organismus. Hier arbeitet jedes einzelne System, unsere Nerven, unser Blutkreislauf, unsere Atmung, unsere Verdauung – was immer wir auch betrachten mögen – einerseits für sich selbst und in sich selbst nach funktionalen Gesetzmäßigkeiten, andererseits sind aber auch alle diese Funktionskreise miteinander verbunden. Auf körperlicher Ebene sind die Verbindungen physisch nachweisbar. Es handelt sich um elektrische Impulse, Hormone, Transmitter, Botenstoffe jeglicher Art, um Fauna und Flora in unserem Darm. Allein unser physischer Körper ist ein mit Weisheit durchdrungenes Wunderwerk der Natur. Mit diesem unserem Wesensglied sind wir Menschen ganz und gar ein Bestandteil der physischen Welt, der Naturreiche.

In dieser Hinsicht teilen wir uns die Welt mit dem Mineralreich, jener Ebene, die wir mithilfe wissenschaftlicher Methoden bereits weitgehend erforscht haben.

Doch unser Körper ist nicht funktionsfähig ohne die nächste Ebene, unseren Ätherkörper. Er bildet eine enge Verbindung mit dem physischen Körper, durchdringt diesen und ist u. a. dafür zuständig, dass dieser sich ständig regenerieren und erneuern kann. Er liefert die eigentliche Lebenskraft, die wir aus anderen Kulturkreisen auch unter den Bezeichnungen Prana oder Chi kennen. Er ist durch Meridiane (Energielinien) und Chakren mit dem physischen Körper über das Drüsensystem verbunden. Schon auf dieser Ebene endet die rein materielle Betrachtungsweise des Lebens. Rein stofflich ist der Ätherkörper nicht nachweisbar. Allerdings zeigen die Erfolge von Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM), Licht- und Klangtherapien, dass diese Zusammenhänge eindeutig bestehen und die Akzeptanz dieser Tatsache nimmt in breiten Kreisen der Bevölkerung kontinuierlich zu.

Den Ätherleib haben wir mit den Pflanzen gemeinsam. Er ermöglicht das, was wir als biologisches Leben bezeichnen. Bis zu dieser Stufe können wir uns mit Fug und Recht als ein Naturwesen betrachten, ganz eingebunden in die organischen Wachstum- und Verfalls-Prozesse des Lebens, des Werdens und des wieder Vergehens.

Die nächste Ebene unseres Seins wird durch den Astralleib bestimmt. Er durchdringt den physischen  Leib und umhüllt ihn in Form einer feinstofflichen eiförmige Hülle, die Hellsichtige als farbige Aura wahrnehmen können. Der Astralleib gilt als der Sitz der Seele. Hier werden unsere Sinneseindrücke verarbeitet, wohnen unsere Triebe und Begierden und entstehen unsere Empfindungen und Gefühle. Auf dieser Ebene bilden wir unsere Sympathien und Antipathien, den Sinn für das Schöne. Naturbetrachtung und Kunstsinn haben hier ihr Zuhause.

Dieses Wesensglied haben wir weitgehend mit den Tieren gemeinsam. Jeder, der sie beobachtet oder gar mit einem Haustier zusammenlebt, weiß, dass sie eine Seele haben, allerdings eine Gruppenseele wie sie auch dem frühen Menschen bzw. Menschenanwärter zu Eigen war. Doch die Evolution ist vorangeschritten.

Das, was uns heute zu unverwechselbaren Individuen macht, ist unser Ich, unser Bewusstsein über unser Selbst. Dieses Ich ist ein zweischneidiges Schwert, denn es kann uns zum Egoismus führen oder zur tiefen Erkenntnis der Wahrheit, der Freiheit und schließlich der Liebe. Letzteres ist uns durch das Wirken Jesu Christi auf der Erde möglich geworden. Er erschien genau in der Mitte der vierten nachatlantischen Kulturepoche und damit gleichzeitig in der Mitte des gesamten aus sieben Kulturepochen bestehenden nachatlantischen Zeitalters. Diese Tatsache weist uns darauf hin, dass auch unsere Erde ein lebender Organismus ist, der sich in verschiedenen Seins-Zuständen immer wieder verkörpert und ebenfalls verschiedenen Zyklen durchläuft.

Es ist kein Zufall, dass das kosmische Christus-Ereignis zu genau diesem Entwicklungszeitpunkt von Erde und Menschheit geschah. Alles im Universum und auf der Erde muss erst einen gewissen Reifegrad erreichen, damit bestimmte Ereignisse eintreten können. Dieses Christus-Ereignis bedeutet eine völlig neue Dimension für unsere Entwicklung hin zum vollwertigen Menschen. Jenseits aller Religionen haben wir jetzt die Möglichkeit frei zu werden. Religionen wurden eher erschaffen, um dieses Freiwerden des individuellen Menschenwesens zu verhindern … aber das ist eine andere Geschichte. Nun stehen wir an der Schwelle, dass unser Potenzial sich entfalten darf und wir zu wahrhaft kosmischen Wesen heranwachsen. Unser entwickeltes Ich ist das Bindeglied zu jener kosmischen Dimension unseres Seins. Unsere Bestimmung ist es, uns zu freien Wesen zu entwickeln. Nur am Rande sei bemerkt, dass sich die Entwicklung der Menschheit als Ganzem in jedem einzelnen Menschenleben wiederspiegelt. Alle sieben Jahre erleben wir eine Zäsur in unserem ganz persönlichen Entwicklungsplan.

Was wir zurzeit in der Welt erleben, ist ein geistiger Kampf um diese Freiheit des Einzelnen. Die Widersacherkräfte tun alles, aber auch alles, um uns diesen Zugang zum Geistigen zu erschweren. Eines ihrer wirksamsten Mittel ist es, uns im Materialismus festzuhalten, uns einzureden, dass wir nur ein höheres Tier und damit ausschließlich Wesen der naturalistischen Welt seien. Dieser Erziehungsprozess (zutreffender: Manipulationsprozess) beginnt spätestens in der Schule, setzt sich fort in höheren Bildungseinrichtungen und Universitäten, gipfelt im Hamsterrad eines geistfeindlichen Berufslebens und endet mit unserem physischen Tod, indem der Ablösungsprozess unserer höheren Wesensglieder während des Sterbeprozesses gestört wird.

Es ist kein einfacher Weg, sich durch alle diese Widrigkeiten hindurch, dennoch zur Wahrheit und Freiheit vorzuarbeiten und uns Zugang zur geistigen Welt zu verschaffen. Verständlicherweise möchte sich nicht jeder dieser Anstrengung, all diese Hindernisse zu überwinden, aussetzen. Unsere Freiheit liegt darin, dies zu tun oder eben auch zu unterlassen. Sollten wir uns für die Überwindung der inneren und äußeren Hindernisse entscheiden, erwarten uns völlig neue Erfahrungsreiche.

Wir erleben den Kontakt zu geistigen Wesen. Gemäß uraltem Menschheitswissen befinden sich zwischen uns Menschen und dem, was wir die Gottheit nennen, neun verschiedenartige Wesen mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen und Fähigkeiten, im katholischen Christentum auch als die neun Engelchöre bekannt. Am nächsten stehen uns die Wesen der dritten Hierarchiestufe, zu der die Engel, die Erzengel und die Archai gehören. Unser Schutzengel aus der Welt der Engel ist uns am vertrautesten und so können wir an seinem Beispiel am besten nachvollziehen, wie wir uns unser Zusammenwirken mit der geistigen Welt vorstellen können. Oft meinen wir, dass unser Schutzengel auf uns aufpasst, dass er uns vor unüberlegten Handlungen bewahrt, uns in eine Richtung lenkt, die uns förderlich ist. Das trifft auch durchaus zu, doch ist dies keine Einbahnstraße. Auch wir sind verantwortlich für seine Entwicklung. Er wird genährt durch unsere Gedanken, und zwar ausschließlich durch diejenigen, die sich jenseits des Materiellen bewegen. Alles, was wir im Laufe des Tages an Liebevollem, Mitfühlendem, Selbstlosem – kurz Nicht-Egoistischem – denken, fördert die Entwicklung unseres Schutzengels und führt dazu, dass er uns unterstützen kann, wie es seiner Aufgabe entspricht. Analog geschieht es mit den Erzengeln auf der Gefühlsebene und mit den Archai auf der Ebene des Handelns. Wir geben der geistigen Welt während unseres Tagesbewusstseins und wir empfangen von ihr während des Schlafs.

Ebenso wie in unserem Körper und auf unserem Heimatplaneten alle Zyklen, Rhythmen und Prozesse wesenhaft einander bedingen und voneinander abhängen, so ist es eben auch bei dem ganz großen, kosmischen Organismus. Nichts geschieht zufällig, keine Wirkung ist ohne Ursache, wie es im Kleinen ist, so ist es im Großen. Wir Menschen stehen mitten drin, als Vermittler zwischen den Welten, der stofflichen und der geistigen Welt. Mögen wir unser Ich ergreifen und unsere Aufgabe im großen Weltenplan würdig erfüllen. Dann steht unserem Aufstieg in die geistige Welt zur zehnten Hierarchiestufe, den Geistern der Freiheit, nichts mehr im Wege.

Dazu gibt es eine interessante Videoaufnahme einer Radiosendung mit Axel Burkart, die ich euch sehr empfehlen kann: https://www.youtube.com/watch?v=tjKWbre-gl4

Viel Freude beim Anschauen des Videos und vor allem beim Freiwerden 🙂

 

Freitags-Gedanken am 8. Februar: Unsere Sprache – zwischen Evolution und Manipulation

Laut dem Evangelium des Johannes sind wir durch den Logos, das großartige Schöpferwort der Exousiai (Hebräisch: Elohim) erschaffen worden: Im Urbeginne war das Wort und das Wort war bei Gott und ein Gott war das Wort. Dasselbe war im Urbeginne bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. (Joh. 1, 1-3)

Im Laufe der Menschheitsentwicklung wurde uns die Sprache übermittelt, und sie wurde in alten Zeiten aus dem Geistigen, durch göttliche Wesen gegeben, von uns empfangen. Mit der Zeit bildeten sich auf der Erde verschiedene Kulturen und mit ihnen verschiedene Sprachen heraus. Heute zeichnet sich eine bestimmte Volksgemeinschaft vor allem durch eine gemeinsame Sprache aus. Die Sprache schafft ein wichtiges Bindeglied und Zusammengehörigkeitsgefühl für ein Volk, selbst wenn dieses nicht in einem Staatsgebilde räumlich zusammenlebt. Die Sprache ist also Ausdruck des Volksgeistes, der die Besonderheit und Einzigartigkeit des jeweiligen Volkes prägt. In Mitteleuropa sind die D-A-CH-Nationen (Deutschland, Österreich, Schweiz) durch die deutsche Sprache verbunden und bilden einen gemeinsamen Kulturkreis. Auch wenn die D-A-CH- Staaten politisch eigenständige Einheiten darstellen, bilden sie doch in diesem Sinne eine Volksgemeinschaft, für die eine bestimmte Wesenheit aus der Hierarchiestufe der Erzengel zuständig ist.

Neben dieser hohen Wesenheit wirkt ein noch höheres Geistwesen für die ganze Menschheit, der sogenannte Zeitgeist oder Archai. Er begleitet die Völker dieser Welt  in einem übergeordneten, alle Menschen umfassenden Sinne, was hinunter wirkt bis in die Wesensarten und die Sprachen der einzelnen Völker und diesen neben ihren individuellen Besonderheiten auch einen gewissen gemeinsamen Nimbus aufprägt. Im Zeitalter der Globalisierung  zeigt sich das heute auf internationaler und europäischer Ebene. Hier gilt Englisch als die maßgebliche Sprache, die in der Welt gesprochen und verstanden wird. Interessanterweise haben sich Versuche, eine internationale Kunstsprache wie Esperanto zu etablieren, nicht durchsetzen können. Als Wirtschafts- und Wissenschaftssprache scheint das pragmatische Englisch durchaus geeignet und hat sich auf diesem Feld bestens bewährt. Es bildet die Klammer für die Völker dieser Welt, wenn es um globale Belange geht.

Auf der Ebene, auf der es um Individuelles, um Seelisches oder Geistiges geht, können wir uns jedoch besser in unserer Muttersprache verständlich machen. Sie erlaubt es ebenso diffizile Zusammenhänge darzustellen, in denen es auf feinstes Unterscheidungsvermögen ankommt, als auch die verschiedendsten Gemütsverfassungen und Geisteshaltungen in Worte zu fassen. Die deutsche Sprache ist flexibel, offen für neue Wortschöpfungen und basiert in erster Linie auf dem Vorrang von Verben, nicht wie die englische auf demjenigen von Substantiven. Sie ist ein Ausdruck einer bestimmten Geisteshaltung. Nicht von ungefähr sind viele Geistesgrößen aus dem deutschen Sprachraum hervor gegangen, ganz besonders zu Zeiten des deutschen Idealismus (etwa 1780 bis 1830) mit Persönlichkeiten wie Kant, Fichte, Schelling und Hegel und der Weimarer Klassik mit Goethe, Schiller, Wieland und Herder. Die deutsche Sprache gilt bis heute in aller Welt als die Sprache der Dichter und Denker.

Aus diesem Grund wäre es wünschenswert, wenn diese Sprache entsprechend kultiviert und gepflegt würde. Doch manchmal können wir uns des Eindrucks nicht erwehren, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Selbstverständlich verändert sich jede Sprache im Laufe der Zeit, entstehen eigene Abwandlungen für verschiedene Subkulturen, wie zum Beispiel die Jugendsprache oder die sogenannte Kanak-Sprak, eine vor allem in deutsch-türkischen Kreisen gesprochene Kiezsprache. Das Komiker-Duo Erkan und Stefan hat letztere Sprache einer ausgeprägten Subkultur vor Jahren populär gemacht, doch Kostproben derartiger Kommunikationsversuche können wir bereits auf jeder Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erhaschen.

Doch die massive Durchsetzung mit Amerikanismen entspricht nicht unbedingt einer normalen Sprachentwicklung, sondern wird gezielt vorangetrieben.  Abgesehen von anglo-amerikanischen Ausdrücken, die sich längst in unseren Alltag eingeschlichen haben (Coffee to go, Safe the date…), haben wir auch zahlreiche Muster englischsprachiger Formulierungen bzw. Sprachwendungen übernommen. Einige sind mittlerweile so verbreitet, dass sie uns schon gar nicht mehr als fremdartig auffallen. „Das macht Sinn“ statt „das ergibt Sinn“, „in 2018“ statt „im Jahr 2018“ oder „das ist machbar“ statt „das können wir machen“ mögen als Beispiele dafür dienen. Wenn wir diese Redewendungen nur oft genug hören, tun sie unseren Ohren bald nicht mehr weh und wir selbst laufen Gefahr, sie in unseren aktiven Sprachschatz aufzunehmen.

Auch von Seiten der öffentlichen Medien und speziell der Werbung kommen massive Angriffe auf alles, was einem halbwegs gesunden Sprachempfinden entspricht. Wir erinnern uns an Sprüche wie „Geiz ist geil“, die zudem noch ein höchst zweifelhaftes Lebensgefühl vermitteln. Um fragwürdige Alliterationen zu schaffen, werden manchmal gar bewusst Wörter falsch geschrieben oder so zusammengestellt, dass es weh tut. Selbst die Kirche ist sich nicht zu schade, Sprüche wie „Kirche kann Karriere“ abzusondern, wie wir kürzlich auf einem Werbeplakat des Bistums Essen lesen konnten. Sehr verbreitet ist auch das Weglassen von Verben oder zu Substantiven gehörigen Artikeln, eine Anleihe aus der zitierten Kanak-Sprak. Gegen all das erscheint der viel beklagte Rückzug des Genitivs geradezu harmlos.

Müßig zu erwähnen, dass mehrere Hunderttausend Flüchtlinge oder sonstige Einwanderer jährlich aus diversen Ländern dieser Welt nicht gerade dazu geeignet sind, das Niveau unserer Sprachkultur wieder anzuheben, zumindest nicht zu Beginn ihres Aufenthalts innerhalb unseres Kulturkreises. Nicht nur deshalb wäre es wünschenswert, dass jeder, der hier langfristig leben möchte, auch unsere Sprache erlernt. Das wäre sicherlich auch eine Bereicherung für die Betroffenen, denn es würde ihnen den Aufenthalt in unserem Land  erleichtern und möglicherweise sogar neue geistige Horizonte eröffnen.

Vielleicht erscheint es dem einen oder der anderen ein wenig kleinkariert, so viel Wert auf die richtige und möglichst auch ansprechende Anwendung der deutschen Sprache zu legen. Doch meiner Überzeugung nach hat dies eine weitreichendere Bedeutung, als wir vielleicht manchmal meinen mögen. Wie oben angedeutet, ist Sprache Ausdruck des Kultur- und Geisteslebens einer Nation. Und das ist keine Einbahnstraße, denn umgekehrt beeinflusst sie dieses auch von außen. So empfinde ich es als eine mir selbst auferlegte  Verpflichtung, dazu beizutragen, dass die deutsche Sprache auch in Zukunft ihrem Auftrag gerecht werden kann. Dieser Auftrag ist kein geringerer als dieser: das Bewusstsein über das Geistig-Göttliche in der Welt zu verbreiten, von der wir Menschen ein Teil sind.

Den Verdiensten für die Sprachgestaltung von Rudolf und Marie Steiner verdanken wir wesentliche Impulse für einen neuen künstlerischen und geistgemäßen Zugang zur Sprache. Steiner äußerte sich dazu in seiner so unverwechselbaren, geistdurchdrungenen Sprache folgendermaßen:

Man muss sich ein starkes Bewusstsein dafür aneignen, dass artikuliertes Sprechen menschliches Eigentum ist. Der Mensch muss sich auch zum Bewusstsein bringen, wie er in der Welt den anderen drei Reichen der Natur gegenübersteht. Wenn er sich dessen bewusst ist, weiss er, dass sein Ich wesentlich mitbedingt ist durch alles, was Sprache ist … Glauben, dass der Sprachgenius in dem Aufbau der Sprache wirkt, das ist von einer grossen Bedeutung … Indem man sich bewusst hineinlebt in das Gefüge der Sprache, lernt man von dem Sprachgenius selbst sehr viel. Und etwas Konkretes empfinden lernen von dem Wirken und Weben des Sprachgeistes, das ist von ausserordentlicher Wichtigkeit … Wir verdanken vieles in unserem Ichgefühl, dass wir uns als Persönlichkeit fühlen, gerade der Sprache. Und es kann sich schon im Menschen sogar bis zu etwas wie Gebetsstimmung das Gefühl erheben: «Ich höre sprechen in der Sprache um mich her; da fliesst die Kraft der Sprache in mich herein!“

In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Freude bei der Kultivierung unserer eigentlich doch so gemütvollen und ausdrucksstarken Sprache 🙂

 

 

Freitags-Gedanken am 1. Februar: Der Weg entsteht beim Gehen

 

                                                                            Der Weg von Renate Bayer

 

Entschlusskraft und Schöpfung gibt es eine grundlegende Wahrheit. Die Unkenntnis davon zerstört unzählige Ideen und großartige Pläne und das ist es, dass in dem Moment, da jemand sich endgültig verpflichtet, dann auch die göttliche Vorsehung Einzug hält.

Alle möglichen Dinge ereignen sich, um diesem zu helfen, Dinge, die sich sonst nie ereignet hätten. Ein ganzer Strom von Ereignissen ergibt sich aus der Entscheidung.

Sie ruft für jeden, der die Entscheidung getroffen hat, alle möglichen Vorkommnisse und Zusammenkünfte und stoffliche Hilfe hervor, von der kein Mensch sich hätte träumen lassen, dass sie auf diese Weise eintreffen  würden.

Was immer du tun kannst, oder wovon du träumst, du könntest es tun: beginne damit.

Kühnheit trägt Genius, Macht und Zauber in sich.

Beginne es jetzt.

Dieses bekannte Goethewort weist uns darauf hin, dass wir durch unsere Entscheidung eine Lawine von uns förderlichen Ereignissen in Gang setzen können. Voraus geht in der Regel ein Prozess in unserem Innern, der letztlich zu dieser Entscheidung geführt hat. Wir überlegen, wägen ab und malen uns die Folgen einer möglichen Entscheidung aus, die positiven wie die negativen. Das ist menschlich und bis zu einem gewissen Grad sicher auch erforderlich. Blauäugig sollten wir uns sicher nicht in irgendein Abenteuer stürzen.

Doch sollten wir es mit unserer Vorsicht auch nicht übertreiben. Zu viele Bedenken hemmen und blockieren die in dem Goethewort angesprochene kraftvolle Willensenergie.

Die Notwendigkeit zur Entscheidung kann auf unterschiedliche Art und Weise an uns heran treten. Manchmal kommt sie vermeintlich von außen. Wir arbeiten zum Beispiel jahrelang mehr oder weniger zufrieden in einem bestimmten Beruf, ohne jedoch eine besondere Perspektive vor Augen zu haben und vor allem, ohne dass uns diese Tätigkeit im Inneren erfüllen würde. Wir haben zwar unser geregeltes Einkommen, empfinden unsere Arbeit jedoch oft als eintönig, wenig innovativ. Plötzlich tritt ein Ereignis in unser Leben, das uns dazu zwingt, alles Bisherige einschließlich unserer beruflichen Tätigkeit auf den Prüfstand zu stellen. Das kann zum Beispiel der Umzug unseres Unternehmens, eine Krankheit oder die Trennung von unserem Partner sein. In solchen Fällen stellt sich die Frage, sind wir wirklich völlig unbeteiligt an solchen vermeintlichen Schicksalsschlägen, die in unser Leben treten? Oder haben wir sie auf unbewusste Weise etwa selbst mit vorbereitet und sogar provoziert? Vielleicht haben wir tief in unserem Inneren eine entsprechende Ahnung, spüren, dass es so sein könnte. Im Außen sind Entwicklungen dieser Art schwer greifbar, denn sie spielen sich auf geistiger Ebene ab. Unsere Gedanken und Gefühle sind daran beteiligt und auch unser im Unbewussten wirkender Wille. Vielleicht haben wir uns ganz einfach nicht getraut, ganz offen aus den gewohnten Strukturen auszubrechen, um neue Wege zu gehen. So haben wir möglicherweise unbewusst dazu beigetragen, dass etwas im Äußeren eintreten konnte, das uns zu einer Entscheidung zwingt. Das mag ein Umweg sein, doch es ist für unsere Neuorientierung nicht zu spät. Wir haben jetzt immer noch die Chance, diese Entscheidung zur Veränderung unserer Lebensumstände klar zu treffen und damit all die unterstützenden Kräfte auf den Plan zu rufen, die Goethe in seinem kleinen, und doch so bedeutsamen Text anspricht.

Wenn uns der Wunsch, unserem Leben eine neue Richtung zu geben, bewusst ist, liegen die Dinge klar auf der Hand. Dann kommt es nur noch auf unsere Willenskraft an, denn wir alle wissen, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Jetzt besteht die Kunst darin, auf der einen Seite nicht allzu verbissen nach Möglichkeiten zu suchen und zu starre Vorstellungen zu entwickeln, auf der anderen Seite aber doch zielstrebig voran zu schreiten. Mit der ersten Taktik würden wir unseren Handlungsspielraum und denjenigen unserer geistigen Helfer zu sehr einschränken. Wir würden vielleicht mit Scheuklappen an guten Gelegenheiten vorüber gehen, weil wir zu sehr auf eine bestimmte Ausprägung unserer Vorstellung fixiert  und nicht offen genug wären. Wenn wir allerdings alles einfach laufen ließen, ohne selbst aktiv zu werden, können wir auch nicht damit rechnen, dass sich die Dinge in unserem Sinne fügen werden.

Zur Veranschaulichung, wie ein solcher Prozess im täglichen Leben ablaufen kann, möchte ich eine Geschichte aus meinem eigenen Leben erzählen, die sich tatsächlich genauso zugetragen hat:

In meinem Inneren reifte etwas, das ich zunächst nicht benennen konnte. Es entwickelte sich eine Ahnung in mir, die sich langsam zum Wunsch verdichtete und schließlich wusste ich, ich wollte mich sichtbar machen, mit meinen Aura-Soma-Produkten, Lichtbehandlungen und spirituellen Massagetechniken, heraus treten aus den Kellerräumen meines Privathauses. Zwar hatte ich diese erst kürzlich für diese Angebote umgebaut und ansprechend gestaltet, doch jetzt war es an der Zeit, den nächsten Schritt zu tun und an eine breitere Öffentlichkeit heranzutreten. Nachdem ich den klaren Entschluss dazu gefasst hatte, begann ich mehr und mehr für das Projekt einer eigenen Praxis zu brennen, ohne mich dabei jedoch unter Zeitdruck zu setzen. Mein Plan war, mich zunächst in Ruhe nach einem geeigneten Ladenlokal umzuschauen. Ich begann meine Suche im ansprechenden Teil des Stadtteils Mühlheim. Tatsächlich fand ich ein freies Ladenlokal, das möglicherweise in Frage gekommen wäre. Ich besitze kein Auto und so nahm ich zurück nach Hause den Bus, die direkteste Verbindung in meinen Stadtteil. Oh je, ich hatte die Fahrtzeit total unterschätzt! Während der mir endlos erscheinenden Fahrt wurde mir klar, dass Mühlheim schon aus logistischen Gründen keine Option darstellte. Kurz entschlossen stieg ich nicht dort aus, wo es am nächsten nach Hause gewesen wäre, sondern fuhr, einer plötzlichen Eingebung folgend, noch eine Station weiter. Es konnte ja nichts schaden, mal ein Stück die Salmstraße entlang zu schlendern! Nach ein paar Schritten stieß ich auf ein frei stehendes Ladenlokal. Ich glaubte meinen Augen kaum zu trauen: es war ideal für meine Zwecke geeignet! Zwei Räume: einer für Beratungen und Verkauf, einer für Behandlungen. Während ich damit beschäftigt war, mir die im Fenster liegende Telefonnummer zu notieren, sprach mich eine Frau von hinten an. Es war die Vermieterin. So ergab ein Wort das andere und nach zwei intensiven und vor allem kreativen Monaten war ich stolze Mieterin meiner eigenen Praxis. Trotz der Kürze der Zeit von der ersten Planung, über die Renovierungsarbeiten samt Bodenbelag, Feng-Shui-Gutachten, Möbelbeschaffung und, und, und… verliefen diese Wochen erstaunlich stressfrei. Ich fühlte mich in dieser Zeit von guten Geistern getragen und hegte nicht den geringsten Zweifel daran, dass alles glatt gehen würde. Und tatsächlich klappte alles absolut reibungslos: ich fand einen Handwerker, der sich als Allround-Genie entpuppte, meine beiden Feng-Shui-Damen hatten auch gleich eine Architektin an der Hand, die noch wertvolle Hinweise gab und die Möbel wurden fristgerecht geliefert. So stand der Einweihungsparty an dem mir selbst gesetzten Termin nichts mehr entgegen.

Ich habe diese Zeit in wunderbarer Erinnerung, denn ich lebte in absolutem Vertrauen darauf, dass sich alles zu meinem Besten fügen würde. Etwas Ähnliches habe ich zuvor nur während meiner Schwangerschaften erlebt. In diesen zweimal neun Monaten hatte ich mich ebenfalls völlig unverwundbar gefühlt, so als seien unsichtbare Kräfte eigens damit beauftragt, mich vor allen denkbaren Angriffen der Welt schützend zu bewahren. Heute weiß ich, dass es genau so gewesen ist!

Also, ihr Lieben, fühlt euch ermuntert, eure ganz individuelle Entscheidung zu treffen, seid schöpferisch, macht Pläne, doch vor allem vertraut darauf, dass sich alles zu eurem Besten fügen wird J

Freitags-Gedanken am 25. Januar: Krönung der Schöpfung?

Unbestritten verstehen viele die Aufforderung Gottes an den Menschen Machet euch die Erde Untertan als Freibrief für deren hemmungslose Ausbeutung aus Profit- und Machtgier und aus sonstigen egoistischen Motiven.

Andere bezweifeln, dass der Mensch etwas grundsätzlich anderes sei als ein höher entwickeltes Tier und sprechen ihm damit jeglichen Führungsanspruch und jedwede Führungsqualität gegenüber anderen Lebewesen ab. Der Glaubenssatz, der Mensch habe sich aus der Tierwelt heraus entwickelt, ist heute in weiten Teilen der Bevölkerung verbreitet. Zugegeben, der eine oder andere Vertreter unserer Spezies legt diesen Schluss nahe, verhält sich tatsächlich nicht viel anders als ein ungezähmtes Tier. So mancher gibt sich ungefiltert seinen astralen Bedürfnissen und Begierden hin. Dabei sind wir Menschen mit Wesensgliedern ausgestattet,  die uns doch gerade vom Tier unterscheiden könnten, unseren Verstand, unser Bewusstsein und vor allem unser freies Ich.

Wie so häufig liegt die Wahrheit in der Mitte. Nein, wir sind keine höheren Tiere, auch wenn sich mancher Zeitgenosse so benehmen mag. So merkwürdig das für all jene klingen mag, die mit dem Dogma der Evolutionstheorie eines Charles Darwin aufgewachsen sind, uns Menschen gibt es schon viel länger als die Tiere und Pflanzen auf dieser Welt. Tatsächlich wurde unsere Erde dazu geschaffen, dass wir die Verantwortung für sie und alles, was auf ihr kreucht und fleucht, übernehmen sollen. Doch offensichtlich sind wir mehrheitlich noch nicht an dem Punkt angekommen, an dem wir dieser Aufgabe auch tatsächlich gewachsen wären. Welche Irrtümer haben wir nicht schon alle begangen?! Und es ist kein Ende abzusehen. Mehr denn je versuchen wir heute, uns Kräfte nutzbar zu machen, die sich unserer Kontrolle nur allzu leicht entziehen könnten. Atomkraft, gentechnische Experimente und Künstliche Intelligenz entspringen einem intelligenten Menschenverstand, dem jedoch die Qualitäten eines weisen Einsatzes dieser Kräfte noch nicht in ausreichendem Maß zu Eigen sind. Wir sind schlichtweg noch nicht reif dafür, diese Kräfte zu beherrschen und jeder, der es versucht, droht von ihnen beherrscht zu werden. Wenn wir diesen  verhängnisvollen Weg weiter gehen, werden diese Kräfte sich gegen das Leben richten, gegen Tiere und Pflanzen, gegen die Erde und den Kosmos und schließlich gegen uns selbst. Es sind Ahrimanische Kräfte, die wir da auf den Plan gerufen haben und nun stehen wir vor der großen Herausforderung, sie wieder in ihre Schranken zu weisen.

Doch das ist der Fluch der Freiheit. Wir können uns dazu entscheiden, dieses kontraproduktive, ja zerstörerische Werk mit Hilfe Ahrimans und seiner Verbündeten fortzusetzen oder uns eines Besseren zu besinnen. Vergleichsweise sind es wenige, die aktiv gegen die Entfesselung dieser Geister streiten. Wen sollte das auch wundern, denn nicht selten werden diese Rufer in der Wüste diffamiert, verhöhnt und letztlich kalt gestellt. Schon Mahatma Gandhi wusste:

Erst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.

Der Ausklang dieses Spruches klingt tröstlich, doch der Weg dorthin scheint den meisten von uns nicht wirklich attraktiv. Und so bleibt es bei jenem kleinen Häuflein der Aufrechten, die sich gegen die fortschreitende Entfernung von allem Lebendigen und Wesenhaften unserer Welt erheben, die nach anderen Wegen suchen, sich die Welt Untertan zu machen, nach Wegen, die im Einklang mit der Schöpfung und ihrer kosmischen Ordnung stehen.

Der größte Teil der Menschheit aber schweigt, erduldet, meckert und beklagt sich allenfalls oder schläft schlichtweg den Schlaf der Ahnungslosen. Doch es kommt auf uns an, auf jeden einzelnen. Was tun wir für eine bessere Welt? Wofür setzen wir uns ein? Wofür brennen wir in der Tiefe unserer Seele? Wer bisher noch nicht zum Häuflein der Erwachten gehört, der bekommt immer neue Weckrufe. In näherer Zukunft wird vieles offenbar werden, was wir nicht für möglich gehalten hätten. Ob wir wollen oder nicht, wir werden mit Wahrheiten konfrontiert werden, die wir lieber nicht erfahren hätten und dieser Prozess hat längst begonnen. In unserer Kulturepoche erleben wir die Auseinandersetzung mit dem Bösen als unsere große Herausforderung. Daran gilt es zu wachsen. Unsere Aufgabe ist es, das Böse als das zu erkennen und – noch schwerer – sogar zu akzeptieren, was es ist. Es nicht zu verteufeln, sondern es als Möglichkeit zu betrachten, zu erwachen aus unserem Dornröschenschlaf und uns in Freiheit zu entscheiden, an der Erschaffung einer neuen, Lebens und Menschen würdigen Welt mitzuwirken.

Das bedeutet anstrengende Arbeit, zunächst einmal an uns selbst. Da gilt es Irrtümer zu erkennen, lieb gewordene Glaubenssätze herauszufinden und möglicherweise ganze Weltbilder zu korrigieren, immer und immer wieder. Bequemlichkeit ist etwas anderes!

Und es gibt viel zu tun, auch und gerade im praktischen Alltagsleben. Sei es nun das Bildungswesen, das Gesundheitswesen, die Justiz oder die Politik, viele Lebensbereiche bedürfen einer grundlegenden Erneuerung. Es gilt Visionen zu entwickeln, wie wir unsere Welt Menschen würdig, wirklich am Menschen orientiert,  gestalten können. Technik kann uns als ein willkommenes Hilfsmittel dienen, solange sie uns bei unserem Ziel unterstützt. Achtgeben sollten wir, dass sie nicht zum Selbstzweck verkommt, der dazu führt, dass wir uns immer mehr und mehr von uns selbst entfernen.

Nicht immer müssen wir das Rad neu erfinden, denn vieles wurde schon erdacht. Bereits vor 100 Jahren entwickelte Dr. Rudolf Steiner zum Beispiel Ideen für

  • eine Kind gerechte Pädagogik, Schulen frei von den Vorgaben irgendeiner Obrigkeit, orientiert allein an den Bedürfnissen des einzelnen Schülers,
  • eine Medizin, die den ganzen Menschen ins Auge fasst und nicht die isolierte Betrachtung eines erkrankten Körperorgans,
  • eine Landwirtschaft, die den Bedürfnissen von Pflanzen und Tieren gerecht wird und uns gesundheitserhaltende Nahrung liefert (Demeter),
  • die Idee der sozialen Dreigliederung für den Aufbau einer gerechten Gesellschaft mit Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben, Gleichheit vor dem Gesetz und  Freiheit im Geistes- und Kulturleben.

Für praktisch alle Lebensbereiche hat Steiner Vorschläge in die Welt gebracht, die bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben. Nun ist es an uns, diese Vorschläge aufzugreifen, ggf. an moderne Verhältnisse anzupassen und endlich umzusetzen, denn sie haben das Potenzial, uns wieder unseren Auftrag und unsere Verantwortung für diese Welt in Erinnerung zu rufen. Wenn wir diesem Ruf folgen, kann die Welt von der Führung durch uns Menschen profitieren und zu einem lebens- und liebenswerten Ort für uns und alle, die sie mit uns teilen, erblühen.

Und noch einmal: Packen wir’s an!

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