„Der Mensch ist dem Weltlauf gegenüber nicht ein müßiger Zuschauer, der innerhalb seines Geistes das bildlich wiederholt, was sich ohne sein Zutun im Kosmos vollzieht, sondern der tätige Mitschöpfer des Weltprozesses; und das Erkennen ist das vollendetste Glied im Organismus des Universums.“

– Rudolf Steiner

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Freitags-Gedanken am 1. November: Aktuelles Lernziel – Unser Umgang mit dem Bösen

Nach den Erkenntnissen der Anthroposophie befindet sich die Menschheit in einem ständigen geistigen Evolutionsprozess. Erkenntnisse und Verhaltensweisen, die für uns Heutige selbstverständlich erscheinen, waren den Menschen in früheren Zeiten teilweise noch gar nicht möglich. Andererseits haben wir heute auch Fähigkeiten, über die frühere Menschen verfügten, verloren. Demnach ist es ein großer Irrtum, dass wir nicht zuletzt in unserer Geschichtsschreibung davon ausgehen, dass die Menschen immer so gewesen seien, wie in unserer Gegenwart. Was uns heute böse erscheinen mag, war früher möglicherweise angemessen. Mit der großen Flutkatastrophe, die wir in den Mythen aller Völker dieser Erde beschrieben finden und die auch aus naturwissenschaftlicher Sicht mit dem Ende der Eiszeit übereinstimmt, ging der Kontinent und die Kultur von Atlantis unter. In unserer Jüdisch/Christlichen Tradition war es Noah, der diese Katstrophe überlebte und in einer anderen Ecke der Welt mit den seinigen eine neue Kultur begründete.

Heute leben wir im fünften Zeitalter nach dieser großen Flut, mit anderen Worten im fünften nachatlantischen Zeitalter. Nach der Altindischen, der Altpersischen, der Altägyptisch-Chaldäischen und der Griechisch-Römischen Kulturepoche, obliegt nun seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts den germanischen Völkern die Leitung der Weltgeschicke. Neben den Deutsch sprachigen Ländern in Mitteleuropa sind dies vor allem die Skandinavischen und die Angel-Sächsischen Länder, also Großbritannien und Nordamerika. Letzteren fällt die Aufgabe zu, das Wesensglied der Bewusstseinsseele zu entwickeln, während dem Deutschsprachigen Raum die Entwicklung des Ich auf der Grundlage des Wirkens des J.esus Ch.ristus für die Welt anvertraut wurde. So kommt es nicht von ungefähr, dass die Initialen dieser göttlichen Wesenheit sich in unserer Sprache als jener Name wiederfindet, den wir nennen, wenn wir von uns selber sprechen und der ungeachtet aller Verschiedenheit zwischen uns Menschen dasjenige bezeichnet, das einen jeden von uns als gleichwertige und dennoch einzigartige Individualität kennzeichnet.

Eine weitere Aufgabe, die es in dieser fünften Kulturepoche zu bewältigen gilt, ist es, einen angemessenen Umgang mit dem Bösen zu entwickeln. Die Voraussetzung, um dieser Aufgabe gerecht werden zu können, ist es, dass unsere beiden Wesensglieder Bewusstseinsseele und  Ich bereits bis zu einem bestimmten Grat ausgebildet wurden.

Erst einmal müssen wir anerkennen, dass es das Böse überhaupt gibt. Das dürfte den meisten nicht gerade schwerfallen, denn schließlich werden wir unentwegt mit seinen Auswirkungen konfrontiert. Streitigkeiten, Hass und Krieg begegnen uns in den Massenmedien ebenso wie in den alternativen Informationskanälen. Die Existenz des Bösen in der Welt zu leugnen, käme demnach einer gewaltigen Ignoranz gleich.

Wenn es allerdings darum geht, das „Böse“ auch in uns selbst zu erkennen, tun wir uns gewöhnlich schon etwas schwerer. Es ist sehr viel einfacher, anderen die Schuld für bestimmte Entwicklungen zuzuschreiben als auch einmal nach unserem eigenen Anteil an einer unerwünschten Entwicklung zu fahnden. Wenn ein jeder Mensch auf der Welt das Böse in sich selbst überwindet, ist es für die gesamte Welt überwunden, eigentlich eine Binsenweisheit, mit der wir uns dennoch immer wieder schwer tun. Schon allein der Begriff überwinden ist in diesem Zusammenhang nicht einfach. Er impliziert, dass wir aus unserer Komfortzone heraustreten und aktiv werden müssen, allerdings nicht mit dem Ziel, etwas zu bekämpfen, sondern es zu verwandeln. Wie uns alte Volksweisheit schon in vielen  Märchen überliefert hat, können wir das Böse in uns nur erlösen, wenn wir es anerkennen und in ein Gutes verwandeln. Denken wir nur an Die Schöne und das Biest. Es kostet Überwindung, sich dem (vermeintlich) Bösen in Liebe hinzuwenden. Den damit verbundenen Wandlungsprozess bezeichnen wir als Metanoia.

Wir sollten anerkennen, dass in jedem von uns ein Zu-Erlösendes schlummert. Goethes Selbsterkenntnis führte ihn gar zu der Feststellung: Es gibt kein Verbrechen, das ich mir nicht unter bestimmten Voraussetzungen selbst zutrauen würde…

Wenn man einen Verbrecher sieht, das heißt jemanden, der eine böse Tat verübt, dann wird sich ein Pharisäer absolut von ihm distanzieren, da er sich besser dünkt, aus dem einfachen Grund, weil bei ihm nur die Neigung zu diesem Verbrechen besteht, die er aber geflissentlich ignoriert, obwohl sie eigentlich die Hauptsache ist. Anstelle des sich besser Dünkens, könnte sich der Betrachter sagen: Warum hast du diese Handlung nicht selbst begangen? Vielleicht lag es doch einzig an einer besseren Erziehung oder an besseren Umständen, die dich davor bewahrt haben, die Neigung zur Tat werden zu lassen, nicht an dem Fehlen der Neigung selbst. (Aus: Der Europäer, Jg.23, Oktober 2019: Thomas Meyer: Vom Sinn des Bösen)

Einer noch größeren Herausforderung als der Selbsterkenntnis stehen wir gegenüber, wenn es darum geht, das eigentliche Wesen des Bösen zu durchschauen und seine Existenzberechtigung, ja möglicherweise sogar seinen Nutzen für das große Ganze anzuerkennen. Letztere Einsicht setzt voraus, dass wir unsere Perspektive auf unser Leben und das Weltgeschehen entschieden erweitern, denn meist überblicken wir nicht mehr als unser eigenes Erdenleben und in Ansätzen das, was gerade während dieser Zeit in der Welt geschieht. Nur selten haben wir dagegen den gesamten Weltenplan vor unserem geistigen Auge und erweitert sich unser Blickfeld auf die Gesamtheit unserer wiederholten Erdenleben (auch unser großes Leben genannt) und die Evolution der Menschheit als ganzem. Je mehr es uns gelingt, mit letzterer Betrachtungsweise an die aktuellen Geschehnisse in unserem persönlichen Leben ebenso wie an die großen  in der Welt heranzutreten, um so eher lernen wir Zusammenhänge zu verstehen und erheben uns letztlich aus dem Materiellen empor, ins Geistige hinein. Denn was im Geistigen heute vorbereitet wird, zeigt sich zu einem späteren Zeitpunkt auf der Erde. Und auch das ist zutreffend: was wir heute durch unsere Gedanken, Gefühle und Handlungen auf der Erde bewirken, geht in das Geistige ein und fällt irgendwann einmal auf karmische Weise auf uns zurück. Aus diesem Grund ist es so wichtig, das Wesen des Bösen zu durchdringen und einen angemessenen Umgang mit ihm zu entwickeln, denn die Pflöcke, die wir heute einschlagen, werden unsere späteren Wege vorzeichnen, in positiver ebenso wie in negativer Hinsicht.

Die Aufgabe des Bösen ist es, dass wir an ihr wachsen und uns weiterentwickeln:

Und ganz entsprechend müssen wir denken im Bezug auf das Prinzip des Bösen. Wenn man den Schienenvergleich [durch den Eisenbahnverkehr werden die Schienen abgenutzt] nimmt, könnte es scheinen: Das Böse in der Welt hat die bösen Handlungen zum Zweck. Doch wie der physische Tod des Menschen nur Nebeneffekt der Todeskräfte ist, so sind auch die bösen Handlungen nur Nebeneffekt des Wirkens der Kräfte des Bösen. Die bösen Kräfte sind nicht dazu da, um böse Handlungen hervorzubringen. Das bedeutet natürlich nicht, dass böse Handlungen nicht vermieden werden sollen oder, wo sie als „Nebeneffekt“ entstehen, klar als solche zu beurteilen sind. Nun stellt sich wiederum die Frage: Wenn böse Handlungen in Bezug auf böse Kräfte in der Welt nicht die Hauptsache sind, ebenso wenig wie die Abnutzung der Schienen die Hauptsache beim Eisenbahnfahren ist, was ist dann hier die Hauptsache? Und nun kommt der nächste frappierende Gesichtspunkt: Das Böse ist da – man kann sagen im Einklang mit dem Wort des Herrn, dass der zugelassene Mephisto den Menschen reizen soll, dass er nicht erschlaffe, und als Teufel wirken muss -, um nach der Bewusstseinsseele die nächst höhere Stufe in unserer Wesenheit auszubilden, und das ist das Geistselbst. Durch das Böse soll der Mensch ein spirituelles Bewusstsein entwickeln. (Aus: Der Europäer, Jg.23, Oktober 2019: Thomas Meyer: Vom Sinn des Bösen)

Wenn wir uns diese Sätze auf der Zunge zergehen lassen, müssen wir uns also eingestehen, dass das Böse letztlich einem höheren guten Zweck dient. Damit steht es dem Guten oder Göttlichen nicht ebenbürtig gegenüber, sondern dient ihm in einer unterordneten Funktion. So schwer es uns auch immer wieder fällt, dies zu akzeptieren: Das Böse wirkt im Auftrag des Göttlichen. Unsere Aufgabe besteht darin, uns ihm zu stellen und es Schritt für Schritt zu überwinden. Durch ein derartiges Wirken in der Welt können wir uns mehr und mehr der Vervollkommnung unseres Menschseins nähern.

Da haben wir uns ja mal wieder nicht gerade die leichteste Aufgabe ausgesucht 😉

 

Freitags-Gedanken am 25. Oktober: Verzicht und Fülle

Verzicht und Fülle? Der eine oder die andere wird sich sicher fragen, wie diese beiden zunächst so widersprüchlich erscheinenden Begriffe zueinander passen und hier gar in einem Atemzug genannt werden. Vielmehr entspricht es doch unserer Erfahrung, einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen unserer Willenskraft, dem, was wir auf- bzw. einbringen und dem, was wir dafür als Gegenwert erhalten, herzustellen. Je bessere Nahrungsmittel wir zu uns nehmen, je kräftiger und gesünder werden wir. Je mehr wir uns anstrengen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, je größer sind unsere Erfolgsaussichten. Je mehr wir arbeiten, umso mehr Geld verdienen wir. Je mehr Geld wir bezahlen, umso hochwertiger ist die Ware bzw. Dienstleistung, die wir dafür erwarten dürfen. Doch dieses Prinzip gilt offensichtlich nur für unsere physische Daseinsebene. Rudolf Steiner schreibt dazu das Folgende:

Nun ist das aber nur bis zu einem gewissen Grade richtig, daß wir, wenn wir unseren Willen verstärken, Großes in der Welt erreichen. Von einem gewissen Punkt an ist das nämlich nicht mehr der Fall. Gewisse Taten, die der Mensch tun kann, Taten, die sich vor allen Dingen auf die geistige Welt beziehen, hängen nun nicht ab von der Verstärkung unserer Willensimpulse, sonderbarerweise. Gewiß, in der physischen Welt, in der wir zunächst leben, wird die Größe der Tat abhängen von der Größe des Willensimpulses, denn wir müssen uns stärker anstrengen, wenn wir mehr erreichen wollen. Aber in der geistigen Welt ist das gar nicht so, sondern da tritt das Gegenteil von dem ein. Da ist es so, daß zu den größten Taten, zu den größten Wirkungen, können wir besser noch sagen, nicht eine Verstärkung des positiven Willensimpulses notwendig ist, sondern vielmehr eine gewisse Resignation, ein Verzicht. Wir können da schon von den kleinsten, rein geistigen Tatsachen ausgehen. Wir erreichen eine gewisse geistige Wirkung nicht dadurch, daß wir möglichst unsere Begehrlichkeit in Szene setzen, oder möglichst geschäftig sind, sondern in der geistigen Welt erreichen wir gewisse Wirkungen dadurch, daß wir unsere Wünsche und Begierden bezähmen und auf deren Befriedigung verzichten. Nehmen wir einmal an, ein Mensch habe es darauf abgesehen, durch innere geistige Wirkungen etwas in der Welt zu erreichen. Dann muß er sich dazu dadurch vorbereiten, daß er vor allen Dingen seine Wünsche, seine Begierden unterdrücken lernt. Und während man in der Welt des Physischen kräftiger wird, sagen wir, wenn man gut ißt, wenn man sich gut ernährt und dadurch mehr Kräfte hat, wird man – es ist das jetzt nur eine Schilderung, kein Rat! – in der geistigen Welt Bedeutsames in einer gewissen Weise gerade dann erreichen, wenn man fastet oder in einer anderen Weise etwas tut, um die Wünsche und Begierden zu unterdrücken, zu bezähmen. Und zu den größten geistigen Wirkungen, sagen wir zu magischen Wirkungen, gehört immer eine solche Vorbereitung, die zusammenhängt mit Verzicht auf Wünsche, Begierden, Willensimpulse, die in uns auftreten. Je weniger wir «wollen», je mehr wir uns sagen: Wir lassen das Leben an uns vorüberströmen und begehren nicht dies und begehren nicht jenes, sondern nehmen die Dinge, wie sie uns Karma zuwirft -, je mehr wir so Karma und seine Wirkungen hinnehmen und ruhig uns verhalten in einem Verzicht in bezug auf alles, was wir sonst im Leben erreichen wollen für dieses Leben, desto kräftiger werden wir zum Beispiel in bezug auf Gedankenwirkungen. (GA 132, 3. Vortrag)

Wie sonst wäre es auch erklärbar, dass uns manchmal in scheinbar ausweglosen Situationen von unerwarteter Seite etwas zufließt, mit dem wir nicht rechnen konnten und um dessen Erhalt wir uns auch in keiner Weise aktiv bemüht haben. Das scheint vor allem dann der Fall zu sein, wenn wir uns klar für einen bestimmten Weg entschieden haben, der für uns und andere förderlich ist und der in irgendeiner Weise der Fortentwicklung dient, allerdings der Fortentwicklung in einer nichtmateriellen Weise. Zum Beispiel haben wir den dringenden Wunsch, ein spirituelles Seminar zu besuchen, können uns dies aber finanziell nicht leisten. Wenn unser Wunsch stark genug ist und unsere Absichten rein und wahrhaftig sind, wird uns die geistige Welt Möglichkeiten eröffnen, unser Vorhaben umzusetzen. Vielleicht bekommen wir gerade dann eine Steuerrückzahlung vom Finanzamt oder eine unerwartete finanzielle Zuwendung von anderer Seite? Ich habe Ähnliches schon häufig erlebt und da bin ich sicher nicht die Einzige. Interessanterweise kam in diesen Situationen immer ein Geldbetrag auf mich zu, der sich genau auf die Höhe belief, die ich für meine jeweilige Unternehmung benötigte. Es blieb kein Überschuss, den ich für andere, weniger wichtige Dinge hätte verwenden können und der mich sicher nur von meinem eigentlichen Vorhaben abgelenkt hätte.

Auf diese Weise habe ich mir zum Beispiel die Erstanschaffung meiner Aura-Soma-Produkte leisten können und war es mir auch möglich, 2015 mein Geschäft/meine Praxis stilvoll einzurichten und termingerecht zu eröffnen. In beiden Fällen stand tatsächlich nicht mein Ego im Vordergrund, sondern mein Wunsch, den Menschen, die dafür empfänglich waren, etwas weiterzugeben, das ich selbst zuvor erfahren durfte und für das ich tiefe Dankbarkeit empfand.

Es kommt in diesen Fällen darauf an, dass wir konsequent unserer inneren Führung folgen und uns nicht von den Ratschlägen unserer meist materialistisch eingestellten Mitmenschen irritieren lassen. Ihre Ratschläge sind sicher auf dieser Ebene gut gemeint, unsere wahren Absichten können sie jedoch nicht nachvollziehen, weil sie sich jenseits ihres Blickfelds befinden. Wie sehr hat mir mein Umfeld damals davon abgeraten, dieses Geschäft zu eröffnen, noch dazu in einer Gegend, wo doch keinerlei Potenzial für derartig abgehobene Angebote zu erwarten war?! Das konnte doch nur ein Verlustgeschäft werden!

Meine eigene Bilanz fällt jedoch völlig anders, ja geradezu entgegengesetzt aus. Äußerlich mögen die warnenden Stimmen recht behalten haben, denn, wie erwartet, haben sich nur wenige für mein Angebot interessiert und finanziell konnte ich keine Gewinne erzielen. Doch darum war es niemals gegangen. Die wenigen, die ich erreichen konnte, haben davon profitiert und ich selbst natürlich auch. Was habe ich in dieser Zeit für wunderbare Gespräche führen dürfen und welchen wunderbaren Menschen durfte ich begegnen! Im Nachhinein bin ich davon überzeugt, dass ich einfach dem Ruf meines Karmas gefolgt bin und alles genauso geschehen sollte, wie es letztlich geschah. Doch das war mir zum Zeitpunkt der Eröffnung noch nicht bewusst. Tatsächlich habe ich auch viel investiert: Geld, Zeit und Kraft und mancher würde sagen, auf vieles verzichtet. Doch ich habe mindestens genauso viel zurück erhalten. Nicht einmal habe ich diesen Schritt bereut und nicht einmal hatte ich ernsthafte Bedenken, dass mich meine nicht immer gut frequentierte Praxis in den Ruin treiben könnte. Während der ganzen Zeit behielt ich das Vertrauen und die Zuversicht, dass mich die geistigen Kräfte davor bewahren würden. Und ich habe mich nicht in ihnen getäuscht.

Wie ist es möglich, dass uns heutigen Menschen so eine Gnade widerfahren kann?

Es ist möglich, durch den Verzicht, ja das Opfer höherer Wesen, die diesen Weg vor Äonen für uns geebnet haben. Die gesamte Geschichte der Entwicklung der Erde und ihrer Vorgängerinkarnationen (Saturn, Sonne und Mond) ist getragen von Opfern, die hohe geistige Wesen erbracht haben, zunächst damit der jeweils nächste Evolutionsschritt möglich wurde und letztlich damit wir Menschen uns so entwickeln konnten wie wir es bis heute getan haben.

Schon auf dem alten Saturn, der ersten durch Rudolf Steiner bekannt gewordenen Verkörperung der Erde, wirkten hohe geistige Wesenheiten wie die Archai, die Throne und die Cherubim miteinander und füreinander. Die Throne oder Zeitgeister opferten ihre Willenssubstanz in Form von Wärme an die Cherubim, die dadurch erst in die Zeitlichkeit eintraten. Durch diesen Vorgang wurde die Entwicklung unseres Planetensystems überhaupt erst in Gang gesetzt. Später entwickelten einige der Cherubim die Tugend, auf dieses Opfer der Throne zu verzichten (schöpferische Resignation). Dadurch hoben sie sich wieder aus der Zeitlichkeit heraus und traten in die Ewigkeit bzw. in die Unsterblichkeit ein. In ähnlicher Weise setzt sich das Wirken von schöpferischem Verzicht oder schöpferischer Resignation hoher Wesenheiten in den späteren Inkarnationen der Erde fort. Wie uns das Alte Testament der Bibel von einer vergleichsweise deutlich näher liegenden Vergangenheit berichtet, verzichtete der israelitische Gott Jahve auf das Opfer Abrahams in Gestalt seines erstgeborenen Sohnes Isaak. So konnte dieses Volk fortbestehen und schließlich diejenige Wesenheit hervorbringen, die das größte Opfer von allen gebracht hat: Jesus Christus.

Durch den Verzicht des Christus darauf, dem verräterischen Wirken Judas‘ Einhalt zu gebieten und seinem eigenen Tod zu entgehen, wurde die Auferstehung möglich. Dadurch legte Christus den Ewigkeitstropfen und die Möglichkeit der Unsterblichkeit auch in uns Menschen. Auch wir Menschen haben heute die Option, Verzicht zu üben. Wenn wir diese ergreifen, bewirken wir damit vielleicht Entwicklungen, die sich förderlich auf die  kosmischen Geschehnisse auswirken, auch wenn uns das im Moment unserer Entscheidung noch gar nicht bewusst sein mag.

 

Freitags-Gedanken am 18. Oktober: Dankbarkeit

Dankbarkeit ist nicht nur die größte aller Tugenden, sondern auch die Mutter aller anderen
(Cicero)

In dem Zitat von Cicero, einem Römischen Staatsmann und Philosophen aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert, wird die Dankbarkeit als eine Tugend bezeichnet. Der Begriff Tugend mag uns ein wenig antiquiert erscheinen und wird heute eher selten verwendet. Unter Tugenden verstehen wir die positiven Potenziale und Eigenschaften unserer Seele, die die Grundlage unseres Charakters bilden und uns Glück und Zufriedenheit bescheren können, wenn wir sie zur Entfaltung bringen. Müßig zu erwähnen, dass ein jeder von uns nicht nur Tugenden sondern auch Untugenden in sich trägt. Aber vielleicht können wir die letzteren ja mit der Zeit in Tugenden verwandeln? Die Dankbarkeit scheint mir ein wichtiger Schlüssel für diese Möglichkeit zu sein. Sie ist mit einem tiefen Gefühl verbunden, das aus einer inneren Grundhaltung erwächst bzw. erwachsen kann. Doch wodurch zeichnet sich diese Grundhaltung aus?

Wir alle wissen, dass es Menschen mit vergleichbaren Schicksalen und in vergleichbaren Lebenssituationen gibt, die damit völlig unterschiedlich umgehen. Während der eine den Fokus auf die negativen Dinge in seinem Leben legt, unzufrieden ist und sich vielleicht sogar in seinem vermeintlichen Elend häuslich einrichtet, gelingt es einem anderen einer zumindest von außen noch so ausweglos erscheinenden Situation noch etwas Positives abzugewinnen, für das er dann sogar noch Dankbarkeit entwickeln kann. Die Voraussetzung für Dankbarkeit ist die Fähigkeit, das Wahre, das Schöne und das Gute, das was uns förderlich ist in den Dingen, in der Natur, im Verhalten und den Handlungen anderer Menschen und in allem, was uns widerfährt, zu entdecken. Dankbare Menschen warten nicht auf das große Ereignis, durch das ihr Leben in eine positive Richtung gelenkt wird, nicht darauf, ihrem Traumpartner zu begegnen, den tollen Job zu ergattern oder sechs Richtige im Lotto zu bekommen. Sie sind vielmehr in der Lage, auch in ihrem ganz normalen Alltag Gefühle von Dankbarkeit entwickeln.

Wir können für eine gute Mahlzeit ebenso dankbar sein wie für eine liebevolle Geste eines Mitmenschen, für ein nährendes Gespräch unter Freunden ebenso wie für unser Lebens-Schicksal oder die gesamte Schöpfung, von der wir uns als Teil empfinden. Ja wir können selbst dann Dankbarkeit empfinden, wenn es uns einmal nicht so gut geht. Auch wir haben schließlich schon Schönes erlebt und vielleicht führt uns die momentane Durststrecke ja zu ganz neuen Erkenntnissen?! Hilfreich für das Aufkommen des Gefühls der Dankbarkeit könnte es sein, einmal (Zwischen-)Bilanz zu ziehen und darüber nachzudenken, was wir bis heute schon alles erreicht haben, auch wenn es mal nicht so läuft wie gewünscht. Sicher wird uns dann eine ganze Menge einfallen, wofür wir durchaus dankbar sein können.

Dankbarkeit ist keine isoliert zu betrachtende Tugend, sondern durchaus verwandt mit einigen anderen Eigenschaften, die wir manchmal gar nicht so genau von ihr abzugrenzen vermögen. In den Tugendkarten des „Virtues Project“ habe ich einige ähnliche Eigenschaften gefunden, die meiner Meinung nach  eng mit der Fähigkeit zur Dankbarkeit verbunden, ja vielleicht sogar Voraussetzung für diese sind. (Herausgegeben von Dr. Shima Poostchi. Shira Publishing, 2. Auflage, 2014). Die hier gewählte Reihenfolge der aufgelisteten Tugenden ist nicht willkürlich gewählt, sondern stellt eine Art Steigerung bis hin zur Dankbarkeit dar.

Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit bedeutet die Wahrnehmung auf die Umgebung zu richten und die Bedürfnisse im Hier und Jetzt zu erkennen. Wir sind konzentriert bei dem, was wir tun und beobachten genau, was in jeder Situation gefragt ist. Sie bedeutet ehrliches Interesse an Menschen, die uns begegnen, zu zeigen. Wir achten auf Vorlieben und Abneigungen und überlegen, wie unsere Worte und Handlungen auf andere wirken. Aufmerksamkeit hilft uns dabei, uns über unsere Ichbezogenheit zu erheben und Verbundenheit mit anderen zu fühlen. Kleine aufmerksame Zeichen oder Geschenke können den Tag eines Menschen erhellen. Lebenslange Aufmerksamkeit durchstrahlt unsere Beziehung mit anhaltender Freude und tiefem Vertrauen.

Man sieht oft etwas hundertmal, tausendmal, ehe man es zum ersten Mal richtig sieht. (Christian Morgenstern)

Achtsamkeit

Achtsamkeit bedeutet, aufmerksam und wach zu sein im Hier und Jetzt. Es gilt, die Aufgaben wahrzunehmen, vor die einen das Leben stellt. Wir denken über das Leben nach und sind uns unserer Handlungen, Worte und Gedanken bewusst. Wir betrachten unser Umfeld aufmerksam und nehmen es mit all unseren Sinnen wahr. Auf die Bedürfnisse anderer zu achten ist uns ebenso wichtig, wie uns für alle Dinge angemessen Zeit zu nehmen. Achtsamkeit hilft uns, die Emotionen zu spüren, aber uns nicht von ihnen steuern zu lassen. Wir verwandeln Ärger in Gerechtigkeit. Wir verwandeln Neid in Mitfreude. Wir fördern unser inneres Sehvermögen und nehmen die Lektionen, die unser Leben bereithält, an. Achtsamkeit verleiht uns Ausgeglichenheit und Selbstbewusstsein.

Achtsamkeit ist ein aufmerksames Beobachten, ein Gewahrsein, das völlig frei von Motiven oder Wünschen ist, ein Beobachten ohne jegliche Interpretation oder Verzerrung.
(Jiddu Krishnamurti)

Akzeptanz

Akzeptanz bedeutet, das Leben aus ganzem Herzen so anzunehmen, wie es ist. Wir sind dem Jetzt gegenüber offen, anstatt uns etwas anderes zu wünschen. In allen Lebenslagen stellen wir uns ehrlich und mutig den Tatsachen. Akzeptanz hilft uns, unbeirrt und flexibel auf Herausforderungen zu reagieren. Sie hilft uns, die Lektionen des Lebens zu lernen, um mit neu gewonnener Einsicht und gereiftem Bewusstsein voranzuschreiten. Wir akzeptieren andere und uns selbst mit all jenen Eigenschaften, die wir besitzen – und vermeiden es, das zu verurteilen oder zu kritisieren, was uns fremd ist. Erst sich selbst zu akzeptieren ermöglicht es, die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und sie für sich und andere einzusetzen.

Das größte Geschenk, das man anderen machen kann, ist das Geschenk bedingungsloser Liebe und Akzeptanz.  (Brian Tracey)

Anerkennung

Anerkennung bedeutet, das Gute im Leben zu schätzen. Wir erkennen die Geschenke, die wir erhalten, und sind dafür dankbar. Wenn wir anderen gegenüber eine Anerkennung ausdrücken, schätzen wir die Tugenden, die sie leben. Liebe gedeiht auf dem Boden der Anerkennung. Unsere Verbundenheit mit anderen wächst, wenn wir ehrlich wahrgenommen werden und Anerkennung spüren. Die geistige Entwicklung, die das Leben von uns fordert, verlangt sowohl die Wertschätzung unserer Bemühungen, als auch die Anerkennung unseres Fortschritts. Bei unangenehmen Dingen des Lebens würdigen wir die Lernerfahrungen – sogar in schmerzlichen Zeiten. Für die Schönheiten und Freuden des Lebens schärfen wir unsere Wahrnehmung und schätzen jeden einzelnen Tag.

Was ein Mensch an Gutem in die Welt hinausgibt, geht nicht verloren. (Albert Schweizer)

Zufriedenheit

Zufriedenheit ist eine Haltung der Dankbarkeit und die Grundlage unseres Seelenfriedens. Sie fördert eine grundlose Lebensfreude. Sie bedeutet ganz bei uns zu sein und uns nicht mit anderen zu vergleichen. Wir vertrauen darauf, dass wir genug haben und uns selbst genug sind. Wenn wir zufrieden sind, spüren wir keine Gier und Neid, sondern ein inneres Wohlbefinden. Wir erkennen das passende Maß bei allen Dingen. Zufriedenheit ist die beste Medizin gegen äußere Verlockungen. Wenn wir zufrieden sind, leben wir voll und ganz im Jetzt. Diese Haltung gibt uns die nötige Tatkraft, um unsere Träume und Ziele zu erreichen. Wir schätzen das Leben und alles, was es mit sich bringt.

Jeder kann glücklich sein, wenn er ohne Sorgen, wohlauf, gesund, erfolgreich, heiter und fröhlich ist; ist er aber in unruhigen und harten Zeiten und in Krankheitstagen glücklich und zufrieden, so zeugt das von Seelenadel.  (‚Abdu’l Bahá)

Staunen

Staunen bedeutet, für die Schönheit und die Mysterien des Lebens offen zu sein. In der Haltung der Achtsamkeit nehmen wir staunend die inneren und äußeren Wirklichkeiten wahr. Es ist die Wertschätzung, die unsere Seele demgegenüber empfindet, was kostbar und inspirierend ist. Betrachten wir die Erhabenheit der Schöpfung, können wir nur staunen und empfinden Dankbarkeit. Durch Reflexion können wir die Zeichen und die Wunder erkennen, die den Weg unseres Lebens säumen. Staunen ermöglicht uns, den Sinn des Lebens zu entschlüsseln und gewährt uns tiefe Einsichten in die Wahrheit. Staunen macht unser Leben aufregend und erfüllend.

Die wahre Lebensweisheit besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.
(Pearl Sydensticker Buck)

Und nun kommen wir zur Königsdisziplin oder –wie Cicero es ausgedrückt hat – zur Mutter aller Tugenden:

Der Dankbarkeit

Dankbarkeit bedeutet, Wertschätzung gegenüber dem Leben zu zeigen. Dank auszusprechen verbindet uns mit anderen und bringt uns und ihnen Freude. Jeden Tag nehmen wir uns die Zeit, uns Dinge ins Gedächtnis zu rufen, für die wir dankbar sind. Über diese Kostbarkeiten in unserem Leben nachzusinnen gibt uns Kraft und Energie. Dankbarkeit hilft uns, in schwierigen Situationen Hoffnung zu schöpfen und kann unsere Trauer lindern. Wir betrachten die Dinge in ihrer Verhältnismäßigkeit. Wenn wir Dankbarkeit üben, ziehen wir mehr und mehr Segnungen an, da uns der Ausdruck unserer Dankbarkeit für das Empfangen neuer Gaben öffnet. Dankbarkeit führt zu Zufriedenheit … und umgekehrt.

Für beides danken: Für das, was wir haben, und für das, was wir nicht brauchen. (Unbekannt)

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausfindig-Machen von Dingen, Situationen und Ereignissen, für die ihr euch in Dankbarkeit üben könnt J

Freitags-Gedanken am 11. Oktober: Der Hüter der Schwelle und die drei Tiere

Nach den Erkenntnissen Rudolf Steiners verfügten in früheren Zeiten alle Menschen über die Fähigkeit zum Hellsehen. Sie lebten vollkommen selbstverständlich im Bewusstsein der Geistigen Welt und ihrer Wesenheiten. Es bedurfte keiner Religionen, an die sie glauben sollten, denn sie erlebten die Geistige Welt ja selbst und allgegenwärtig. Diese Art des Hellsehens war jedoch verbunden mit einem dämmerhaften Bewusstseinszustand, einer Art Traumbewusstsein. Nach und nach ging diese Form des unmittelbaren Zusammenlebens mit „den Göttern“ verloren und nur noch einzelne Eingeweihte oder Schamanen – je nach Kultur – konnten den Blick in die geistige Welt bewahren oder durch das bewusste Sich-Hineinversetzen in bestimmte Bewusstseinszustände willentlich herbeiführen.

Spätestens in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten ist der westliche Mensch aus diesem Hellsehen gänzlich hinausgewachsen. Während seiner Fortentwicklung nahm das wache Tagesbewusstsein eine immer dominantere Stellung ein. Religionen erhielten die Erinnerung daran aufrecht, dass es eine Geistige Welt gibt. Doch die Menschen erlebten sie nicht mehr, sie mussten glauben, was ihnen die Kirchen und ihre Vertreter davon erzählten. Doch der moderne Mensch möchte wissen, statt glauben und so wundert es nicht, dass die Religionen immer mehr in den Hintergrund traten, zumindest in der westlichen Welt. An ihre Stelle trat die Erforschung des sinnlich Erlebbaren, der Natur bzw. Materie durch die modernen Naturwissenschaften. Wissen statt Glauben lautete nun die Devise.

Die angedeutete Entwicklung bis zu diesem Zeitpunkt ist gut und richtig und befindet sich vollkommen im Einklang mit dem Weltenplan und der vorgesehenen Evolution des Menschen. Doch der Mensch soll ein freies Wesen werden und so ist die Erfüllung des Weltenplans in der Zukunft nur eine Option. Eine andere, auf die wir jedoch an dieser Stelle nicht weiter eingehen möchten, wäre, dass die Menschheit vollkommen in der Materie versinkt, sich dem Transhumanismus mit allen seine technischen Möglichkeiten hingibt und sich damit endgültig von allem Geistigen abwendet. Diejenigen, die sich diesem Szenario anschließen, begeben sich vollständig in die Hände Ahrimans, dem großen Gegenspieler und Leugner allen Geistes.

Dagegen beinhaltet die zuerst genannte Option unseres weiteren Weges durch die Erdentwicklung, dass wir heute auf der Grundlage unseres klaren Wach- bzw. Tagesbewusstseins eine völlig neue Art der Hellsichtigkeit entwickeln, die es bisher auf dieser Erde noch nicht gegeben hat. Vermutlich erwerben nur wenige diese neue Gabe bereits in der jetzigen Inkarnation, doch können wir durchaus schon heute ganz bewusst mit den Vorbereitungen für den Erwerb dieser Fähigkeit beginnen, vorausgesetzt natürlich, dass wir uns für diesen Entwicklungsweg entscheiden wollen.

Im Rahmen der modernen Esoterik werden viele Methoden angeboten, die uns einen schnellen Erfolg versprechen. Sie wollen uns mit Hilfe von Luzifer dazu verführen, unvorbereitet in die Geistige Welt Einlass zu erbitten. Das ist ein gefährlicher Weg, denn wir könnten uns ohne entsprechende Schulung im Dschungel der außer- und übersinnlichen Kräfte verlieren. Wie auf der Erde gibt es auch in der Sphäre der Geisteswelt nicht nur wohlwollende Wesen, die es gut mit uns meinen. Deshalb ist es ratsam, einen geregelten Schulungsweg zu beschreiten, der vielleicht langsamer, dafür aber auf solider Grundlage zum ersehnten Ziel führt. Wenn wir ihn befolgen, bekommen wir es zunächst einmal mit dem Hüter der Schwelle zu tun, der uns erst dann ins Geistige schauen lässt, wenn wir die nötigen Vorbereitungen dazu getroffen haben. Ein Meilenstein dazu ist selbstverständlich die wahrhaftig angestrebte Selbsterkenntnis, die eine unbedingte Voraussetzung für alle Welterkenntnis darstellt. Selbsterkenntnis vollzieht sich im Allgemeinen in einem langen, oft lebenslangen Prozess. Immer wieder werden wir mit Krisensituationen konfrontiert, die diesen Prozess beschleunigen können. Schlüsselerlebnisse, egal ob positive oder negative lassen uns unseren bisherigen Weg überdenken und möglicherweise korrigieren.

Unterstützen kann uns dabei das Farb-Pflege System von Aura-Soma®. Die Farben, die wir wählen, sagen etwas über uns und unseren jeweiligen Standpunkt im Leben aus. Zusammen mit den in den Ölen enthaltenen Informationen der Pflanzen- und Mineralwesen helfen sie uns, das, was im Unbewussten in uns schlummert, ins Bewusstsein zu heben. Vicky Wall, die diese Lichtwesen (Aura=Licht, Soma=Wesen) mit Hilfe der Geistigen Welt auf die Erde geholt hat, drückte es so aus:

Du bist die Farben, die du wählst und diese reflektieren die Bedürfnisse deines inneren Wesens.

Die Anwendung der Körperöle kann beschleunigte und nicht immer sanft verlaufende Erkenntnisprozesse in uns auslösen. Doch dieser Weg kann nicht mehr und nicht weniger als eine Unterstützung sein und enthebt uns keinesfalls der oft so anstrengenden Arbeit an uns selbst.

Rudolf Steiner machte drei Wesen in uns ausfindig, die die drei in uns wirkenden Kräfte Denken, Fühlen und Wollen daran hindern können, sich zum Geistigen hin auszurichten. Es sind die drei Widersacherwesen  Zweifel, Hass und Angst, die mit den genannten, uns innewohnenden Kräften korrespondieren. Anschaulich beschreibt der durch Rudolf Steiner sprechende Hüter der Schwelle diese Hemmnisse als ziemlich unsympathische Tiere:

Doch du musst den Abgrund achten,
Sonst verschlingen seine Tiere
Dich, wenn Du an mir vorübereilt’st.
Sie hat deine Weltenzeit in dir
Als Erkenntnisfeinde hingestellt.

Schau das erste Tier, den Rücken krumm,
Knochenhaft das Haupt, von dürrem Leib,
Ganz von stumpfem Blau ist seine Haut;
Deine Furcht vor Geistes-Schöpfer-Sein
Schuf das Ungetüm in deinem Willen;
Dein Erkenntnismut nur überwindet es.

Schau das Zweite Tier, es zeigt die Zähne
Im verzerrten Angesicht, es lügt im Spotten,
Gelb mit grauem Einschlag ist sein Leib;
Dein Hass auf Geistes-Offenbarung
Schuf den Schwächling dir im Fühlen;
Dein Erkenntnisfeuer muss ihn zähmen.

Schau das dritte Tier mit gespalt‘nem Maul,
glasig ist sein Auge, schlaff die Haltung
Schmutzigrot erscheint dir die Gestalt;
Dein Zweifel an Geistes-Licht-Gewalt
Schuf dir dies Gespenst in deinem Denken;
Dem Erkenntnisschaffen muss es weichen.

Erst wenn die drei von dir besiegt,
Werden Flügel deiner Seele wachsen,
Um den Abgrund zu übersetzen,
Der dich trennet vom Erkenntnisfelde,
Dem sich deine Herzenssehnsucht
Heilerstrebend weihen möchte.

In der zweiten Strophe wird das erste Tier, die Angst vor allem Geistigen, charakterisiert, die sich in den Willen einschleicht. Ihr sollen wir mit Erkenntnismut entgegen treten. Das zweite Tier, der Hass auf das Geistige hemmt unsere Seele, unser Fühlen. Hier hilft als Gegenmittel das Erkenntnisfeuer und schließlich hindert uns das dritte Tier, der Zweifel an der Gewalt des Geisteslichtes, daran, unser Denken dem Geistigen gegenüber zu öffnen. Nur das Erkenntnisschaffen vermag uns über den Abgrund zu tragen. Erst wenn wir diese Widersacherkräfte in uns gemeistert haben, kann uns also die Überwindung des Abgrunds zwischen physischer und geistiger Welt in angemessener Art und Weise gelingen. Dann kann uns der Hüter der Schwelle die Gnade erweisen, uns hinüber zu lassen.

Die Kehrseite der Freiheit ist also, dass wir uns nicht wie in früheren Zeiten bequem und ganz ohne Eigenanstrengung auf die Geistigen Wesen verlassen können. Heute sind wir selbst in der Verantwortung, die positiven Kräfte in uns, die als Erkenntnismut, Erkenntnisfeuer und Erkenntnisschaffen beschrieben werden, zu aktivieren. Nur so kann die erwachsen werdende Menschheit zu einer ganzheitlichen Selbst- und Welterkenntnis gelangen.

Freitags-Gedanken am 4. Oktober: Reiseimpressionen zur Michaelszeit

Über den Michaeli-Tag am 29. September unternehme ich eine kleine Reise nach Basel, eine hübsche Stadt am Rhein mit einem ganz eigenen Flair. Auf der einen Seite empfinde ich sie durchaus als  lebendig und quirlig, auf der anderen Seite aber auch als beschaulich und eine gewisse Ruhe ausstrahlend. So, als ob die Welt hier noch ganz in Ordnung wäre. Marktstände mit kulinarischen Spezialitäten finde ich ebenso wie Kitschläden und hochpreisige Boutiquen. Ich höre viel Italienisch, Französisch und Schwitzer Dütsch, sehe zahlreiche Inder und Afrikaner im Straßenbild. Die Menschen, die mir auf der Reise begegnen, sind allesamt freundlich und hilfsbereit.

Basel und Dornach in unmittelbarer Umgebung sind jedenfalls sehr geeignete Orte, um ein wenig auf den Spuren Michaels und gleichzeitig Rudolf Steiners zu wandeln. Wieder einmal wird mir bewusst, wie eng doch diese beiden Wesen – der Mensch Rudolf Steiner und das hohe Geistwesen Michael (mittlerweile kein Erzengel mehr, sondern schon auf der Stufe eines Zeitgeistes stehend) – miteinander verbunden sind. Ja man kann sagen, Rudolf Steiner hat die bis dahin ausschließlich im Geistigen wirksame Michaelschule durch die Begründung der Anthroposophie auf die Erde geholt.

So sind denn auch die insgesamt vier verschiedenen Phasen dieser Michaelschule Thema der Buchvernissage von Thomas Meyer, die ich am Michaelstag besuchen darf. Thomas Meyer ist ein bekannter Autor und Verlagsleiter des Baseler Perseus Verlags, der sich mit zahlreichen Veröffentlichungen und Vorträgen um die Verbreitung der Wissenschaft vom Geist verdient gemacht hat. Wie Axel Burkart und Hans Bonneval zählt er zu jenen Urgesteinen, die den wahren Geist der Wesenheit Anthroposophia gegen alle Widerstände anderer Strömungen bewahrt haben. Schon allein dadurch beweisen die Genannten wahrhaft Michaelischen Geist, der sich ja gerade im Mut zur Geisterkenntnis und in der Tatkraft, diese mit Entschlossenheit umzusetzen, ausdrückt.

Wer ein wenig mehr über Michael und diese gerade heute für uns alle so wichtige Kraft zum Erkenntnismut sowie diese ganz besondere Jahreszeit, in der wir alljährlich mit unserem inneren Drachen zu kämpfen haben, wissen möchte, dem seien diese beiden Vorträge von Axel Burkart empfohlen:

https://www.youtube.com/watch?v=2PLQhRzp1xE

https://www.youtube.com/watch?v=SeHxthpaB7s

Wer sich für die angesprochene Michaelschule und die Rolle, die Rudolf Steiner darin spielt, interessiert, dem empfehle ich das neu erschienen Büchlein von Thomas Meyer:

Wie Zwerge auf den Schultern von Riesen. Die Michaelschule und ihre vier bisherigen Phasen vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart und nahe Zukunft. Basel, 2020.

Der Titel entspricht einem Zitat von Bernhard von Chartres, einem der Lehrer der berühmten Schule von Chartres, die im Hochmittelalter, etwa von 1000 bis 1200, das Geistesleben Europas entscheidend prägte. Es wurde zu einem geflügelten Wort, das voller Demut auf die großen Geister hinweist, die vor den Chartres-Lehrern und erst recht vor uns Heutigen die Menschheit mit ihren Impulsen befruchteten. Damals waren es vor allem Platon und Aristoteles, bis heute sind noch ein paar weitere hinzugekommen, die uns auf ihre Schultern nehmen, wenn wir dazu bereit sind. Im Hinblick auf das Thema des Buches werden diese Riesen nicht zuletzt durch Michael und Rudolf Steiner repräsentiert. Und wieder begegnen mir jene wunderbaren Glasfenster aus der Kathedrale von Chartres, die ich bei zwei Besuchen der Kathedrale auch schon Life bewundern durfte. Sie stellen die Evangelisten dar, die auf den Schultern von Propheten sitzen. Diesmal kommen die Lazarettfenster unterhalb der Südrose in Form von Abbildungen im Buch zu mir. Wie großartig sich doch wieder alles zusammenfügt!

Am Montag danach besuche ich das zweite Goetheanum in Dornach, einem kleinen Ort bei Basel. Es handelt sich um den 1928 fertig gestellten Nachfolgebau des ersten Goetheanums, einem großartigen Holzbau mit zwei Kuppeln, der in der Silvesternacht 1922/1923 durch Brandstiftung zerstört wurde. Das Bauwerk sollte schon durch seine äußere Gestalt das Wesen der Anthroposophie verkörpern und gleichzeitig als Bildungsstätte, Theater- und Kunststätte dienen. Seine Maße griffen die bereits zuvor in der Kathedrale von Chartres und im Tempel des Salomon angewendeten Maße der Heiligen Geometrie auf, die im Hinblick auf ihre Größenverhältnisse ein Abbild des Menschen darstellen.

Der heutige Betonbau beruht ebenfalls auf Entwürfen von Rudolf Steiner, wurde jedoch erst nach seinem Tod, im Jahr 1928 vollendet. Wir finden hier den Sitz der Freien Hochschule sowie der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft AAG. Von beiden Institutionen hört man nicht nur Positives. Immer wieder geht es um Äußerungen und Aktivitäten der Verantwortlichen, die dem Geist Rudolf Steiners und der von ihm gegründeten Anthroposophie entgegenwirken. Doch diese Querelen blende ich als Besucherin aus.

Mir geht es an diesem Tag einzig und allein darum, das Goetheanum, die vielen ebenfalls im organischen Baustil gestalteten Gebäude der Umgebung sowie die liebliche Hügellandschaft auf mich wirken zu lassen. Die strahlende Herbstsonne meint es gut und macht es mir leicht, meine Eindrücke im rechten Licht zu empfangen. Ich setze mich mal auf diese, mal auf jene Bank und genieße den Ausblick auf das imposante Bauwerk und die Schönheit der Umgebung. Am heutigen Montag geht das völlig ungestört, denn es gibt weder Führungen noch Besuchergruppen, die meiner Andacht im Wege ständen. Die Stille, das Sonnenlicht, die wohlige Wärme des Herbstes, die Ästhetik der mich umgebenden Gebäude (Heizhaus, Glaserei, Schreinerei, Haus Duldeck…), all das lasse ich auf mich wirken. Meine Gedanken gleiten zu Rudolf Steiner: Wo hat er zu den Arbeitern gesprochen? Wie ist er leichtfüßig und mit wehendem Gehrock den Hügel hinauf gestürmt?  Welche Anweisungen hat er den vielen Künstlern gegeben, die damals am Bau des ersten Goetheanums mitgewirkt haben? Mitten im ersten Weltkrieg haben hier Menschen aus allen möglichen Nationen friedlich zusammengearbeitet, getragen von dem gemeinsamen Willen etwas Großartiges zu erschaffen, das sich über all den irdischen Zwist und die Kleingeisterei zu erheben vermag. Diese Gedanken dringen in meine Seele und verursachen eine tiefe Freude. In diesem Moment trage ich die innere Gewissheit in mir: Ja, es finden sich auch heute und in Zukunft Menschen, die diesen Erkenntnisweg beschreiten werden, den Rudolf Steiner uns ganz im Sinne Michaels ermöglicht hat.

Jeweils eine Stunde lang, nutze ich die Gelegenheit, den großen Saal und die 9 Meter große Holzstatue Der Menschheitsrepräsentant zu besichtigen. Im Saal haben etwa 1000 Zuschauer Platz, um Theater- und Eurythmievorstellungen zu erleben. Ihn zieren 8 riesige in strahlenden Farben gestaltete Glasfenster, zwei grüne, zwei blaue, zwei violette und zwei Korallfarbige. Im Treppenhaus dann das leuchtend rote Tryptichon. Die gewölbte Decke ist mit verschiedenen Szenen des Erkenntnisweges nach den Entwürfen Rudolf Steiners bemalt. Ich blicke staunend auf das, was sich meinem Auge darbietet und freue mich einmal mehr über die ungestörte Atmosphäre. Nur hinter der Bühne kommt Betriebsamkeit auf, vermutlich laufen dort Vorbereitungen für eine baldige Aufführung. Doch der dunkelrote Samtvorhang verbirgt den Blick auf die dort ablaufenden Aktivitäten. Das Treppenhaus erlebe ich lichtdurchflutet in Pastelltönen bemalt, hier und da ein Symbol in den Gips der Wand gedrückt, u. a. die Siegelbilder der vier Mysteriendramen Rudolf Steiners. Der Menscheitsrepräsentant steht im Mittelpunkt der gleichnamigen Holzstatue, Jesus Christus in ähnlicher Haltung wie der Magier auf der zweiten Tarot-Karte. Mit einem Arm gen Himmel und einem gen Boden gerichtet weist er auf die Doppelnatur des Menschen hin und auf die Gefahren die ihm von Luzifer von oben und von Ahriman von unten lauern, jenen beiden Widersacherkräften, die oft allzu sehr an uns zerren und uns aus unserer Mitte zu bringen trachten. Ein großartiger Anblick! Vor meinem geistigen Auge sehe ich Rudolf Steiner auf einer Leiter stehend an einem Detail der Holzplastik schnitzen, so wie ich es einmal auf einem alten Foto gesehen habe.

In Ehrfurcht verabschiede ich mich von dem großartigen Bauwerk und trete den Rückweg an. Dort begegnen mir noch eine Schafherde, deren Präsenz mir auf dem Hinweg ganz entgangen war und ein freundliches Gespräch mit einem Eurythmisten, der zu seiner Arbeit in der Gegenrichtung unterwegs ist. In stillem Einverständnis tauschen wir uns über die Weltlage, die jüngsten politische Entwicklungen und das Wesen der Anthroposophie aus. Es stellt sich heraus, dass er der Gründer oder Mitbegründer einer neuen Partei namens Partei für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ist. Ich erzähle von unserem Projekt Zukunft-s-imPuls und unseren diesbezüglichen Plänen. Beflügelt und uns der Existenz Gleichgesinnter voll bewusst geht ein jeder von uns seiner Wege. Wenn da nicht Michael seine „Finger“ im Spiel hatte 😉

Was für zwei wunderbare, bereichernde Urlaubstage! Voller Dankbarkeit für das Erlebte trete ich am Dienstagmorgen die Rückreise in die Kölner Heimat an.

 

 

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