„Der Mensch ist dem Weltlauf gegenüber nicht ein müßiger Zuschauer, der innerhalb seines Geistes das bildlich wiederholt, was sich ohne sein Zutun im Kosmos vollzieht, sondern der tätige Mitschöpfer des Weltprozesses; und das Erkennen ist das vollendetste Glied im Organismus des Universums.“

– Rudolf Steiner

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Freitags-Gedanken am 23. August: Türme

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang

(Rainer Maria Rilke)

Auch in diesem Gedicht erscheint der Turm als wichtiges Symbol, wie es uns immer wieder in alten Schriften, in der Mythologie und in der Literatur begegnet. Offensichtlich steht er für etwas Bedeutsames, für etwas großes, das der Mensch anstrebt, über das er sich Klarheit verschaffen möchte und um das er ringen muss. Nicht immer scheint es ihm innerhalb der Zeitspanne eines Erdenlebens zu gelingen, seine eigene Position und Rolle im Verhältnis zu diesem Turm zu durchschauen. Der Turm ist ein Symbol für Entscheidendes und für Entscheidungen.

Eine der bekanntesten Turm-Geschichten finden wir im dem Alten Testament: Den Turmbau zu Babel, der untrennbar mit der Babylonischen Sprachverwirrung verbunden ist.

1 Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. 2 Als sie nun nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. 3 Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel 4 und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. 5 Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. 6 Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. 7 Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! 8 So zerstreute sie der HERR von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. 9 Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder. (Gen 11, 1-9)

In früher, vorbabylonischer Zeit empfand der Mensch sich im Einklang mit dem Weltenall, mit allem Geistigen. Bauwerke wurden nach den Maßen des Kosmos bzw. des menschlichen Körperbaus errichtet, was im Grunde auf dasselbe hinausläuft, da der Mensch sich als Mikrokosmus und damit als Abbild des Makrokosmos verstand. Überall, im Großen wie im Kleinen, finden wir daher dieselben heiligen Größenverhältnisse. Die Aufgabe der Babylonier im Weltenplan war es nun, das Göttlich-Geistige auf die Erde, sprich auf die Ebene der Persönlichkeit herunter zu holen. Dies war ein bedeutsamer und notwendiger Schritt in der Menschheitsentwicklung, der sich in der dritten nachatlantischen Kulturepoche (2907-747 v. Chr.) vollziehen musste. Der Mensch empfand sich erstmals als individuelle Persönlichkeit in der physischen Welt, getrennt von den anderen Individuen und getrennt von Gott. Die babylonische Sprachverwirrung führte dazu, dass die Menschen verstreut wurden und sich nicht mehr untereinander verstanden bzw. verständigen konnten. Vor diesem Hintergrund konnte der Turmbau nicht zum Erfolg führen, denn das Bauwerk sollte ein Ausdruck und Wahrzeichen für die ewigen heiligen Wahrheiten sein. Ziel der weiteren Menschheitsevolution ist es nun, dass es uns zunehmend gelingen mag, das Göttlich-Geistige auch im Materiellen auf der Erde zu erkennen bzw. die Materie wieder zu durch- und vergeistigen.  Dies kann  nicht von heute auf morgen geschehen, sondern nur als Ergebnis eines langen, schmerzhaften Prozesses durch mehrere, jeweils 2.160 Jahre dauernde Kulturepochen hindurch, zur Verwirklichung gelangen.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass wir uns im Moment in einer besonderen Phase der Entscheidung befinden. Auf der einen Seite scheint die Polarisierung, die Spaltung der Meinungen, Völker und Religionen so groß wie nie zuvor, auf der anderen Seite keimen aber auch die ersten zarten Pflänzchen der Rückkehr zur Einheit auf und versuchen, sich ihren Weg durch das noch so feste Erdreich zu bahnen. Diese Einheit wird jedoch eine andere sein als die der vorbabylonischen Zeit, denn sie hat die Erfahrung der Trennung, der Vereinzelung durchlaufen und diese zu etwas Neuem, zuvor nie Dagewesenen veredelt. Wenn dieser Prozess zumindest für einen Teil der Menschheit erfolgreich verläuft, wenn wir uns also auf der Grundlage unserer Individualität wieder auf unsere göttlich-geistige Herkunft und Substanz zurückbesinnen, können wir uns an einen neuen Turmbau heranwagen. Doch es wird kein physisches Bauwerk mehr sein müssen, denn der Mensch trägt nach erfolgreicher Vollendung dieses Prozesses die Weisheit um das Göttlich-Geistige in sich. Religion und ihre äußeren Zeichen werden in diesem Moment überflüssig. Müßig, darauf hinzuweisen, dass wir wohl noch lange nicht am Ende dieser Entwicklung angelangt sind.

In der großen Arkana des Tarot treffen wir den Turm auf der 16. Etappe des Weges des Narren, des Helden, an. Die Karte zeigt einen vom Blitz getroffenen brennenden Turm, aus dem zwei Menschen hinabstürzen. Das Geschehen wirkt dramatisch und signalisiert einen erzwungenen Umsturz, einen radikalen Wandel. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel trifft uns dieses Ereignis, das in uns einen Schock auslösen kann. Es stellt sich die Frage, wie gehen wir damit um: wehren wir uns dagegen oder stellen wir uns der Herausforderung? Begleitet werden die herunterstürzenden Menschen auf der Karte von 22 Feuerfunken, die die Form des Hebräischen Buchstaben Yod haben, ein Hinweis darauf, dass das dramatische Geschehen vielleicht nicht nur negativ zu bewerten ist. Yod ist im Hebräischen der erste Buchstabe des heiligen Namens Gottes, der uns wachrüttelt, wenn wir einen Weg eingeschlagen haben, der uns allzu sehr in die Irre führt. Das gilt sowohl für unser individuelles Leben als auch für die Menschheit als Ganzes. Im speziellen Tarot von Aura-Soma gibt es für alle Karten der großen Arkana eine Rückwegs-Karte. Diejenige für den Turm zeigt Erzengel Michael vor dem Hintergrund des Tor auf dem Hügel von Avalon. Michael hat den ahrimanischen Drachen besiegt und ihn auf die Erde verbannt. Jetzt sind wir Menschen es, die sich mit dem Widersacherprinzip auseinander zu setzen haben. Diese Herausforderung  ist heftig, doch sie birgt gleichzeitig die Chance der Meisterung in sich. Michael überlässt uns in Freiheit unserem Schicksal, doch er steht uns auch zur Seite, wenn wir bereit für einen neuen, nunmehr inneren Turmbau sind.

In diesem Zusammenhang naheliegend ist die Assoziation mit dem Einsturz der Zwillingstürme in New York City, jenem Ereignis, das sich als 9/11 in unsere Herzen eingebrannt hat. Ein weiteres Gebäude des aus sieben Bauwerken bestehenden World-Trade-Center-Komplexes stürzte ebenfalls ein, die vier übrigen waren so stark beschädigt, dass sie später eingerissen werden mussten. Das WTC galt als Zentrum der Finanz- und Geschäftswelt, sozusagen als Tempel des Materialismus und der Globalisierten Welt, manche würden vielleicht sagen, es war ein Sinnbild für die Dekadenz der westlichen Zivilisation.

Was will uns diese Symbolik sagen? Was bedeutet es, dass gerade das Zentrum des modernen Babylon (New York) in sich zusammengestürzt ist, ja geradezu atomisiert wurde? Was hat dieser Schock, der damals um die Welt ging, in uns ausgelöst und bewirkt? Haben wir die Botschaft verstanden? Haben wir uns daraufhin gewandelt oder leben wir seither einfach so weiter wie zuvor, nur mit beschleunigten Globalisierungsbestrebungen, noch konzentrierter Finanz-Herrschaft und noch mehr Kriegen, die durch 9/11 ihre scheinheilige Rechtfertigung gewannen? Welche Macht ist damals entfesselt worden und welche Chance haben wir, darauf zu reagieren?

Diese unbequemen Fragen sollen das Ereignis in keiner Weise bewerten, sondern lediglich Denkanstöße geben. Beantworten mag sie ein jeder für sich selbst.

Freitags-Gedanken am 16. August: Gedanken über das Glück

In unserem normalen Sprachgebrauch unterscheiden wir Glück haben und glücklich sein. Mit ersterem bewerten wir ein Ereignis, während das letztere einen Seelenzustand beschreibt.

Nicht immer ist es etwas Besonderes, was wir mit Glück haben bezeichnen. Wir beziehen diese Redewendung auch auf gewöhnliche Alltagssituationen, zum Beispiel wenn wir den Bus gerade noch erwischt haben oder kurz vor einem heftigen Regenschauer noch im Trockenen zu Hause angekommen sind, kleine alltägliche Ereignisse, die für eine kurze Zeit ein Gefühl der Freude in uns hervorrufen können. Meist ohne länger darüber nachzudenken, gehen wir danach schnell wieder zur Tagesordnung über.

Doch manchmal geht es auch um etwas Größeres, etwas, das unser Leben nachhaltig in eine bestimmte Richtung lenkt, das Weichen stellen kann für unsere Zukunft und unsere weitere Entwicklung.  Ob es sich nun um den gewünschten Studienplatz, den begehrten Job, die berufliche Beförderung oder den neuen Lebenspartner handelt, wir reden immer dann von „Glück haben“, wenn uns das jeweilige Ereignis gelegen kommt, wenn es unseren Plänen zu entsprechen und unser Leben in eine positive Richtung zu bewegen scheint. Wenn der gewünschte Erfolg eintritt, freuen wir uns, sind begeistert und schmieden detaillierte Zukunftspläne.

Wenn wir das, was wir uns vorgenommen haben, dagegen nicht erreichen, sind wir enttäuscht, empfinden je nach Veranlagung Wut, Trauer, Resignation oder ein Gefühl des Zurückgestoßen- und Abgewiesen-Worden-Seins, negative Empfindungen, die an unserem Selbstwertgefühl  nagen können. Erst später fragen wir uns nach den Ursachen für die Niederlage und meist erst im zweiten Schritt, wofür sie wohl gut sein mag, was wir daraus lernen können und wovor sie uns möglicherweise sogar bewahrt haben mag.

Nicht immer entsprechen unsere vermeintlichen Wünsche unserem Lebensplan, denn an dessen Erstellung haben wir zwar selbst einst mitgewirkt, ihn jedoch später nach unserer physischen Geburt in die Welt hinein wieder vergessen. So konnten die Konditionierungen und Erwartungen unseres Erdendaseins Besitz von uns ergreifen und wir meinten, dass sie die unsrigen seien. Doch manchmal haben wir noch eine Ahnung, eine dumpfe Erinnerung an unser Leben in jener anderen Welt, in der wir uns zwischen dem vergangenen Tod und unserer letzten Geburt bewegt haben. Tief in unserem Inneren spüren wir dann, dass an dem, was wir vordergründig für unser Glück halten, etwas nicht stimmig ist und so arbeiten wir auf unbewusster Ebene an der Erfüllung unseres Lebensplans und damit gleichzeitig gegen unseren vermeintlichen Erfolg. Neben uns selbst haben auch noch andere Wesen an unserem Karma und unserem Plan für dieses Erdenleben mitgewirkt. Wenn diese hohen Wesenheiten wahrnehmen, dass wir uns allzu weit von unserem Lebensplan entfernen, helfen sie mitunter etwas nach und schubsen uns wieder in die richtige Richtung.

Das Ziel ist also nicht in erster Linie, möglichst viel Glück zu haben, sondern gerade auch aus dem Unglück zu lernen und daran zu wachsen. Wir schaffen uns unsere Herausforderungen, unser Glück und unser Unglück also selbst, und zwar in dem Maße, wie sie uns dienlich für unsere Weiterentwicklung sind.

Glücklich-Sein dagegen ist unabhängig vom äußeren Geschehen. Um dieses tiefe Gefühl von Harmonie im Innern empfinden zu können, muss nicht unbedingt ein besonders positiver Umstand in der physischen Welt eingetreten sein. Es reicht, wenn wir mit uns selbst im Einklang und uns in Harmonie mit dem Kosmos befinden. Im Unterschied zur Freude, bei der unser Herz regelrechte Hüpfer machen kann, erleben wir diese tiefe Empfindung der Glückseligkeit wie einen ruhigen, weiten Ozean in unserem Inneren. Es ist wie ein Erkennen unseres Selbst und gleichzeitig des gesamten Universums, grenzenlose Verbundenheit beseelt uns. In diesem Moment strömt die Weisheit in unsere Seele Du bist alles und alles ist in dir.

Wir können diesen Zustand der Glückseligkeit leicht erleben, wenn wir in der Natur weilen, im Wald, vor einem Bergpanorama, an einem See oder am Strand. Wir können ihn auch erleben, wenn wir ein fröhliches Kinderstimmchen hören, beobachten, wie zwei Menschen sich liebevoll umarmen oder wie ein Vater mit seinen Kindern Fußball spielt, Klänge schöner Musik, die Betrachtung eines Kunstwerks – all das wirkt förderlich auf eine solche Erfahrung von Glück und doch bedarf es dieser Sinneseindrücke nicht.  Vielmehr kommt es darauf an, dass wir diese Fähigkeit zum Erleben von Glückseligkeit aus uns selbst heraus entwickeln lernen, auch ohne Input von außen. Und wie großartig kann es sein, auch im Kleinen, ganz Alltäglichen das Wunderbare zu entdecken! Diese Fähigkeit ist eng mit dem Zugang zur Göttlichen Liebe und –  nach dem Aura-Soma- Farbverständnis – mit der Farbe Magenta verknüpft. Magenta steht für unseren Seelenstern, das achte Chakra oberhalb unseres Scheitels, der unser höheres Selbst und unsere Verbundenheit mit dem Göttlichen repräsentiert.

Wie schön wäre es, wenn wir dieses Verbundenheitsgefühl nicht nur ab und zu einmal für kurze Zeit erleben dürften, sondern dauerhaft in uns zum Erblühen bringen könnten! Dann würde es uns durch unser gesamtes Leben leiten, alle unsere Gedanken, Gefühle und Taten liebevoll durchdringen. Zugegeben, ein hoher Anspruch, dem heute allenfalls einige wenige Meister genügen! Doch wir sollten uns nicht entmutigen lassen und uns bewusst immer wieder und wieder in einen Zustand von Gleichmut hineinversetzen. Damit vermeiden wir die gefühlsmäßgen Ausnahmezustände von „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“ und arbeiten gleichzeitig an unserem Schulungsweg, dessen siebente und damit höchste Stufe als „Gottseligkeit“ bezeichnet wird. Üben können wir das ganz besonders an den Herausforderungen unseres Alltagslebens, z. B. mit Hilfe der dritten Nebenübung von Rudolf Steiner, die er Gelassenheitsübung genannt hat.

Bei der dritten Nebenübung, dem Ausgleich zwischen Freud und Leid, sollen wir uns ganz hineinfinden und hineinfügen in alles Geschehen. Dann wird sich allmählich unser Ätherleib ausdehnen bis in die Himmelsweiten hinein. Wir werden uns dann nicht mehr in unserem Körper drinnen fühlen und die ganze Welt um uns herum, sondern wir fühlen unseren Körper in den ganzen Umkreis ausgebreitet; ausgeweitet und hineinergossen fühlen wir uns in die geistigen Welten. Man erfühlt, man «erweiß» sich in der geistigen Welt. (Rudolf Steiner, GA 266c)

Ich wünsche uns allen viel Freude beim Üben 🙂

 

 

Freitags-Gedanken am 26. Juli: Metamorphose der Menschheit

Es ist unverkennbar: die Welt, in der wir leben, ändert sich in rasantem Tempo. Globalisierung, Digitalisierung und Reglementierung bestimmen mehr und mehr unseren Alltag und dringen tief hinein in alle Lebensbereiche. Zunehmend entfernen wir uns von dem, was wir als menschengerechte Lebensbedingungen bezeichnen. Immer mehr Menschen haben keinen Zugang mehr zur Natur, zu ihren Mitmenschen und Mitgeschöpfen, ja nicht einmal zu sich selbst.  Ohne ihr Smartphone fühlen sie sich unvollständig und würden nicht einmal mehr im Park spazieren gehen. Sie machen sich und ihre Existenz geradezu abhängig von jener Technik, die uns doch eigentlich dienen sollte.

Die rasant zunehmende Technisierung der Welt und die damit verbundene ahrimanische Entfremdung des Menschen von allem Natürlichen, Lebendigen, Kulturellen und Geistigen ist jedoch nur eines unserer aktuellen Menschheitsprobleme. Hinzu kommen stark belastete Nahrungsmittel, Chemtrails am Himmel, Implantate in unseren Körpern, Plastik in den Meeren, Verelendung ganzer Erdregionen und Flüchtlingswellen, die jedes bisher gekannte Ausmaß zu sprengen drohen… und diese Liste ließe sich beliebig erweitern.

Es mag Zeitgenossen geben, die das alles bis heute nicht wahrnehmen oder nicht wahr haben wollen, doch es fällt von Tag zu Tag schwerer, die Augen vor diesen Entwicklungen zu verschließen. So wirken die nicht enden wollenden Hiobsbotschaften tatsächlich auch im großen Stil erweckend. Doch die Reaktionen der Erwachenden auf das Geschehen sind unterschiedlich. Fassungslosigkeit, Frustration, Angst, Wut und Hass sind da verständlicherweise keine Seltenheit. Verschwörungstheorien boomen und so mancher findet Gefallen daran, immer neue Unterdrückungsdetails ans Licht zu befördern. Das ist ein wichtiger Entwicklungsschritt auf dem Weg zum Erwachen und, wenn wir ehrlich sind, haben die meisten von uns diese Phase durchlebt und durchlitten.

Doch neben der Existenz von Schlafschafen und Erwachenden beginnt sich längst etwas Drittes, Neues zu formieren. Einige Menschen haben sich entschlossen, nicht mehr bloß gegen Missstände anzuwettern, sondern ihnen etwas Reales, Handfestes entgegenzusetzen. Zunächst sind es Einzelne oder kleine Gruppen, die ihrer Kreativität und ihrem Schaffensdrang Ausdruck verleihen, um neue Ideen zum Wohle unserer Erde und ihrer Bewohner in die Welt zu bringen. Wie der Wachstumsprozess eines solchen Werdens verläuft, unterliegt offensichtlich einer gewissen Gesetzmäßigkeit. Karl Gamper hat diesen Prozess in seinem Fernlehrgang Die Vision von NeuLand einmal am Beispiel der Metamorphose einer Raupe zum Schmetterling veranschaulicht:

Aus einer Raupe wird ein Schmetterling. Da uns dieser Vorgang

so geläufig ist, übersehen wir leicht die inneren Prozesse,

die aus einem kriechenden, gefräßigen Wurm einen bunten,

fliegenden Schmetterling werden lassen. Ein vollkommen

anderes Wesen. Um die darin verborgene Genialität besser zu

verstehen, hier ein Röntgenblick auf das innere Geschehen.

 

Welche Prozesse werden gestartet, damit aus einer Raupe ein

Schmetterling wird?

Das Ende der Lebenszeit einer Raupe wird durch neue Zellen

eingeläutet, die sich im Inneren der Raupe bilden. Eine Art

naturgegebener Aktivierungscode löst das Werden neuer

Zellen aus. Wichtig: Die neuen Zellen schwingen in einer

höheren Frequenz als der Rest des Raupenkörpers. Wissenschaftler

nennen diese höher schwingenden Zellen „imaginativ“

oder einfach „Imago-Zellen“. Die imaginativen Zellen

enthalten Strukturen und Informationen des Schmetterlings,

der sich in der Zukunft bilden soll. Imago-Zellen repräsentieren

sozusagen das Zukunfts-Selbst der Raupe.

In der Raupe wird das Immunsystem aktiviert. Dieses greift

die neuen Zellen an und bekämpft sie. Viele werden getötet.

Dabei gilt es deutlich zu sehen: Die Raupe erkennt die neuen

Zellen NICHT als Zellen aus ihrem eigenen Körper an,

sondern ordnet diese als etwas Raupenfremdes ein, das es zu

bekämpfen gilt. Tatsächlich werden viele Imago-Zellen der

ersten Generation getötet. Doch es bildet sich sogleich eine

zweite Generation von imaginativen Zellen, die sich schnell

vermehren. Diese werden auch angegriffen, doch mit einem

deutlich geringeren Ergebnis.

(!) Sehr spannend dabei ist, dass die Imago-Zellen die angreifenden

Immunzellen als Ihresgleichen erkennen. Dies

wiederum führt zu einem Sinneswandel bei den angreifenden

Immunzellen. (!)

Im Kern geht es in diesem Stadium noch um einen Kampf

zwischen dem Alten und den Neuen.

Wie geht es weiter?

Im Inneren der Raupe geschieht etwas höchst Erstaunliches.

Die ursprünglich isoliert agierenden Imago-Zellen beginnen,

sich untereinander zu erkennen und verbinden sich. Es entstehen

imaginative Klumpen.

Der nächste Schritt?

Im nächsten Schritt verbinden sich diese einzelnen imaginativen

Klumpen mit anderen, werden so größer, und es formen

sich imaginative Gruppen, ja sogar regelrechte Netzwerke.

Eines dieser neuartigen Netzwerke haben wir gerade mit www.jungelo.de gebildet und es wird nicht das einzige bleiben. Selbst wenn Youtube-Kanäle abgeschaltet werden,  Zensur und Kontrolle weiter um sich greifen, selbst wenn es den Widersacherkräften im ersten Anlauf gelingen sollte, uns zum Schweigen zu bringen, es wird ihnen auf Dauer nichts nützen. Denn die zweite Generation steht bereits in den Startlöchern, um aus dem erdgebundenen Raupen-Wesen ein geistiges Schmetterlings-Wesen werden zu lassen, das sich seiner Schöpferkraft voll bewusst ist.

Dieses Wesen nennen wir dann mit Fug und Recht: MENSCH.

Freitags-Gedanken am 19. Juli: Gut und Böse – ein Mysterium

Es scheint doch klar zu sein: Diebstahl, Betrug, Verrat, Intrigen und Verschwörungen, Gewalt gegenüber anderen Wesen und Mord sind böse. Das würde jeder sofort unterstreichen, ohne die Gesetze im Einzelnen zu kennen. Unser natürlicher Sinn für Moralität sagt uns, dass das eine Wahrheit ist. Wir mögen bereit sein, den Tätern mildernde Umstände zuzubilligen, je nachdem in welcher Situation sie sich gerade befinden. So halten wir einen Diebstahl von dringend für das eigene Überleben benötigten Nahrungsmitteln für weniger verwerflich als den professionell organisierten Raub von Wertgegenständen, bei dem auch vor etwaigen Gewalttaten nicht zurückgeschreckt wird.

Doch nicht immer liegen die Dinge so klar auf der Hand.

Wie und wodurch kann ein Mensch in eine solch verbrecherische Laufbahn hineingelangen? Welchen Anteil daran hat möglicherweise auch die Gesellschaft, also wir alle, dass der Betreffende sich so entwickelt hat. Welchen Anteil haben auch frühere Inkarnationen und vorgeburtliche Übereinkünfte zwischen heutigen Opfern und Tätern? All das ist aus der bloßen Kenntnis der Geschehnisse sicher nur unzureichend zu beantworten und soll hier auch gar nicht versucht werden.

Es ist eine andere Frage, die mich in diesem Zusammenhang umtreibt: manchmal können wir das Phänomen beobachten, dass jemand in bester Absicht handelt, um etwas Gutes zu bewirken und erreicht damit doch das Gegenteil. Dies gilt umgekehrt in gleicher Weise, jemand versucht einem anderen zu schaden, doch die Dinge entwickeln sich letztlich zu dessen Gunsten. Da wirkt dann offensichtlich ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

Ich denke da zum Beispiel an die tragische Figur des Judas, einem der zwölf Jünger Jesu. Es steht geschrieben, dass er Jesus Christus für ein paar Silberlinge verraten hat, so dass dieser von den Soldaten ergriffen, verurteilt und schließlich gekreuzigt wurde, aus unserem Verständnis heraus eine zutiefst verurteilungswürdige Tat, noch dazu aus niederen Beweggründen heraus. Der Schreiber des Markusevangeliums lässt Jesus Christus während des Abendmahls die Worte sprechen: Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre. Welch eine Rolle hat Judas da übernommen?! Er  war der Verräter, der dem schnöden Mammon zuliebe den Christus, dessen Freund und Diener er doch als Jünger hätte sein müssen, verraten und den Schergen ausgeliefert. Und doch, hätte er es nicht getan, hätte das Geschehen nicht seinen Lauf nehmen und Christus seine Opfertat nicht vollbringen können. Aus christlicher Sicht war dieses Leiden aber unbedingt notwendig, um einen entscheidenden Wandel in der Menschheitsentwicklung möglich zu machen. In gewisser Weise hat sich also auch Judas geopfert, als der ewige Böse zur Verfügung gestellt, um den Weg für den Fortgang des Weltenplans zu ebnen. Und mal ganz nebenbei: wie oft verrät ein jeder von uns den Christus in sich für einen vermeintlich Vorteil in der äußeren Welt? Deshalb denke ich, dass es uns nicht zusteht, den Judas einseitig zu verurteilen.

Und nun ein Beispiel für den umgekehrten Fall: Die mittelalterliche Mystikerin Margarete Porete (1250/60 bis 1310) hatte ein Buch mit dem Titel Der Spiegel der einfachen Seelen geschrieben, in dem sie für die damalige Zeit sehr ungewöhnliche, freiheitliche Gedanken äußerte. Ihrer Auffassung nach müsse die Seele sich immer mehr von „Tugenden“ befreien. Heute würde man vielleicht sagen von gesellschaftlichen Zwängen und Konditionierungen. Ganz modern war ihre Idee, dass die Seele in Freiheit aus sich selbst erkenne, was gut und moralisch sei,  quasi ohne äußere irdische Autorität. Bald erregte die Schrift die Aufmerksamkeit der Würdenträger der offiziellen Kirche und Margaretes Bücher wurden öffentlich verbrannt. Sie bekam Gelegenheit, ihre Aussagen zu revidieren, doch sie stand dazu, verbreitete ihr Buch weiter und erschien nicht zu den Vorladungen der Inquisition. Ihre Meinung, die sie auch im Buch vertreten hatte, war: „Eine freie Seele sei nicht anzutreffen, wenn man sie vorlade; ihre Feinde erhalten keinerlei Antwort von ihr.  In Folge wurde sie erwartungsgemäß der Häresie für schuldig befunden und 1310 auf der Place de Grève in Paris öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Die meisten würden Margaretes Verhalten sicher als aufrecht und mutig bezeichnen und sie sowohl für ihre Dichtung als auch für ihre Wahrhaftigkeit bewundern. Und das sicher zu Recht! Doch was hatte ihr Verhalten zur Folge? Es scheint sehr wahrscheinlich, dass ihr spektakulärer Fall dazu beigetragen hat, dass der Klerus auf dem Konzil von Vienne (1311-1312) härtere Regeln beschloss, sprich die Daumenschrauben der Inquisition weiter anzog. So wurde den organisierten Beginen, einer Bewegung von Frauen, die sich außerhalb des traditionellen Familien- und Klosterlebens betätigten fortan verboten, theologisch zu wirken. Das bis dahin durchaus übliche Umherziehen einzelner Beginen wurde vollständig verboten. Die Gemeinschaft der Brüder und Schwestern des freien Geistes wurde ab sofort verfolgt. Außerdem beschloss das Konzil die Auflösung des Templerordens und die Übertragung seines Vermögens auf den Johanniterorden. All diese Folgen hatte Margarete sicher nicht absehen können und auch sicher nicht gewollt … und doch hat sie diese mit verursacht. Zudem können wir davon ausgehen, dass auch die Verantwortlichen der Inquisition der Auffassung waren, sie handelten im Sinne des Guten. Vermutlich fühlten sie sich verpflichtet das zu schützen, was sie für den wahren Glauben hielten.

Auch in der heutigen Zeit lassen sich viele Beispiele für ungewollte Unterstützung von Kräften finden, die dem Guten entgegenwirken. Ich denke da an all die Gutmenschen, die sicher oft in gutem Glauben Ideologien unterstützen, die sich letztlich gegen die Bevölkerung richten. Sie lassen sich im Sinne der manipulierten öffentlichen Meinung missbrauchen, ohne davon überhaupt etwas zu bemerken, ein ebenfalls tragischer Vorgang.

Diese Beispiele zeigen, dass im Bösen offensichtlich auch ein Keim des Guten zu finden ist und umgekehrt. Demnach ist also nichts absolut böse oder absolut gut. Es kann immer das jeweilige Gegenteil daraus erwachsen. Außerdem kann das, was früher sinnvoll und angebracht erschien, heute von großem Nachteil sein. Die Dinge verändern sich eben im Laufe der Zeit. Die angedeutete Relativität von Gut und Böse ist eine schwierige Lektion, mit der wir immer wieder konfrontiert werden und mit der wir lernen müssen, umzugehen.

Wenn wir anerkennen, dass es auf der höchsten geistigen Ebene allein die dreifaltige Gottheit gibt, so ist die logische Konsequenz, dass das durch die Widersacherkräfte repräsentierte Böse Teil der Schöpfung Gottes ist und in unserer Welt eine bedeutsame Aufgabe erfüllt. Eine im dritten Jahrhundert nach Christus entstandene Religion, die von dem Perser Mani oder Manes unter Einbeziehung buddhistischer, zoreastischer und christlicher Elemente gegründet wurde, setzte sich in besonderer Weise mit der Thematik von Gut und Böse auseinander.

Der christliche Okkultismus geht zu einem bedeutenden Teil auf die Manichäer zurück, deren Überlieferung lebendig geblieben ist. Ihr Begründer Manes hat drei Jahrhunderte nach Christus gelebt. Auch Augustinus, der Kirchenvater, hatte ursprünglich der Gemeinschaft der Manichäer angehört. Ein Kernpunkt der manichäischen Lehre ist der Satz vom Guten und vom Bösen. Für die landläufige Anschauung bilden das Gute und das Böse zwei absolute, miteinander unvereinbare Gegensätze, von denen das eine das andere ausschließt. Dagegen ist das Böse nach der Ansicht der Manichäer ein integrierender Bestandteil des Kosmos, es arbeitet an dessen Evolution mit und muß zuletzt durch das Gute absorbiert, verwandelt werden. Den Sinn von Gut und Böse, von Lust und Schmerz in der Welt zu studieren, ist die große, einzigartige Mission der Manichäer. (Rudolf Steiner, GA 94)

Die Manichäer glaub(t)en, dass sich nach einer Zeit der Vermischung von Gut und Böse eine strikte Trennung zwischen beidem vollziehen werde,  aus der zukünftig rein gute und rein böse Menschen hervorgehen würden. Die Manichäer und ihre Nachfolger haben es sich zur Aufgabe gemacht, das von letzterer Menschenrasse der Zukunft ausgehende Böse in Gutes zu transformieren. Was für eine Mission!

Im Hinblick auf diese Entwickelung der Menschheit (zu einer separaten bösen Menschenrasse) sind nämlich schon vor Jahrhunderten Geheimorden gegründet worden, die sich die denkbar höchsten Aufgaben gestellt haben. Ein solcher Orden ist der Manichäerorden. Die Mitglieder dieses Ordens werden in ganz besonderer Weise für ihre große Aufgabe erzogen. Dieser Orden weiß, daß es Menschen geben wird, die im Karma kein Böses mehr haben werden, und daß es auch eine von Natur aus böse Rasse geben wird, bei der alles Böse noch in höherem Grade vorhanden sein wird als bei den wildesten Tieren, denn sie werden Böses tun bewußt, raffiniert, mit einem hoch ausgebildeten Verstande. Der Manichäerorden belehrt nun jetzt schon seine Mitglieder in solcher Weise, daß sie Umwandler des Bösen werden in späteren Geschlechtern. Das ungeheuer Schwierige dieser Aufgabe liegt darin, daß in jenen bösen Menschenrassen nicht etwa wie bei einem bösen Kinde neben dem Bösen noch Gutes ist, das sich durch Beispiel und Lehre höher entwickeln läßt. Jene von Natur aus ganz Bösen radikal umzugestalten, das lernt das Mitglied des Manichäerordens heute schon. Und dieses dann umgeschmolzene Böse wird nach gelungener Arbeit ein ganz besonders Gutes. Ein Zustand der Heiligkeit wird der sittliche Zustand auf Erden sein, und die Kraft der Umwandlung wird den Zustand der Heiligkeit bewirken. (Rudolf Steiner, GA 95)

Erkennen wir vielleicht schon heute erste Anzeichen der angekündigten Trennung zwischen gut und Böse? Auf jeden Fall dürfen wir gespannt sein, was uns die weitere Evolution der Menschheit noch so alles bringen wird 😉

Freitags-Gedanken am 12. Juli: Vertrauen in unser Wahrheitsgefühl

Unser Weltbild setzt sich aus unseren Glaubenssätzen zusammen, die sich im Laufe der Zeit aus verschiedenen Quellen bilden. Auf der einen Seite aus dem, was wir selbst beobachten und auf der anderen Seite aus dem, was aus unserer Umgebung an uns herangetragen wird. Das sind ebenso die Erfahrungen unserer Bekannten und Freunde wie Medienberichte und Expertenmeinungen, die uns heute auf Schritt und Tritt begegnen. Je weniger unmittelbare Erfahrungen wir selber machen und je weniger wir in direktem Austausch mit unseren Mitmenschen stehen, umso mehr Gewicht bekommt die dritte Quelle unserer Glaubenssätze, das Weltbild, das uns von Menschen übermittelt wird, die uns persönlich unbekannt sind, die sich jedoch den Anstrich verleihen, als wüssten sie über ein bestimmtes Thema bestens Bescheid. Häufig treffen wir sie in den Medien. Ihr Auftreten wirkt meist selbstbewusst und deshalb auf viele von uns überzeugend. Oft verweisen sie auf eine bestimmte Ausbildung oder Erfahrung, die sie für ihre Aussagen qualifiziert. Das lässt sie vertrauenswürdig erscheinen.

Doch häufig stimmt, das, was sie uns auf diese Weise vermitteln, nicht überein mit unseren eigenen Erfahrungen und Glaubenssätzen. In solchen Fällen fragen wir uns vielleicht, was wir von den neuen Informationen halten und wie wir damit umgehen sollen. Wie so oft ist dies eine Gradwanderung, in diesem Fall zwischen allzu ausgeprägter Bereitschaft, sich verunsichern zu lassen und Beharrungstendenzen bzw. fehlender Offenheit.

Die fünfte der sechs sogenannten Nebenübungen von Rudolf Steiner wird die Unbefangenheitsübung genannt. Sie schult unsere Offenheit auch gegenüber zunächst unstimmig erscheinenden Ideen und Konzepten und rät uns, diese erst einmal als möglich anzunehmen statt sie von vorne herein weit von uns zu weisen. In einem zweiten Schritt können wir dann unbefangen, also ohne Vorurteile prüfen, ob wir sie wirklich als wahr annehmen können.

Dazu gehört auch, dass wir sie mit unseren Erfahrungen und unserem bisherigen Wissen abgleichen. Mit unserem ganz normalen, gesunden Menschenverstand können wir prüfen, ob die neuen Informationen plausibel und folgerichtig erscheinen. Falls es sich um ein Thema handelt, in dem wir uns nicht so gut auskennen, gibt es heute genug Möglichkeiten, um uns wenigstens ansatzweise darüber zu informieren. Und natürlich können wir uns überlegen, wer diese neuen Ideen und Konzepte ins Feld geführt, was sie bewirken und für wen es nützlich sein könnte, dass wir sie übernehmen. All das zusammengenommen sollte uns Hinweise geben, ob es angebracht sein könnte, unsere bisherigen Glaubenssätze zu revidieren oder ob wir sie erst einmal beibehalten, zumindest solange, bis wir auf weitere Informationen stoßen, die in dieselbe Richtung weisen. Einfach etwas zu glauben oder nicht, nur weil es uns sympathisch oder unsympathisch erscheint, wäre jedenfalls ein schlechter Ratgeber.

Eine andere Falle kann die öffentliche Meinung sein, die uns täglich über Medien, Umfrageergebnisse und leichtgläubige Mitmenschen erreicht. Eine Unwahrheit wird nicht wahrer, wenn sie ständig wiederholt oder von noch so vielen Menschen geglaubt wird. Framing ist das moderne Zauberwort, mit Hilfe dessen uns vermeintliche Wahrheiten eingetrichtert werden sollen. Wir können leicht merken, wenn wieder „eine neue Sau durch’s Dorf getrieben wird“. Oft taucht plötzlich wie aus dem Nichts ein neues Thema auf, dass wir überall wiederfinden. In allen Zeitungen und auf allen Kanälen wird es diskutiert, wobei es sich häufig lediglich um Scheindiskussionen handelt, denn die Richtung in die sich diese entwickeln sollen, ist vorgegeben. Unterstützt wird diese Manipulation gern durch sprachliche Mittel. Es werden neue Begriffe und Redewendungen geschaffen, eine eindeutige Bewertung gleich mit inbegriffen. Die  Medien greifen diese auf und nutzen sie intensiv, damit sie sich bei den Hörern und Lesern einprägen. Wenn wir mit offenen Sinnen durch die Welt gehen, können wir diese Art von Beeinflussungsversuchen unseres freien Denkens leicht durchschauen. Nicht selten werden Dinge auf diese Weise sogar in ihr Gegenteil verkehrt, manchmal derart grotesk, dass wir es kaum für möglich halten können.

So las ich vor einiger Zeit eine Meldung im Zusammenhang mit dem darin propagierten menschengemachten Klimawandel, über die ich eigentlich nur noch lachen konnte. Darin wurden doch tatsächlich u. a. die kanadischen Wälder für die CO2-Belastung unserer Atmosphäre verantwortlich gemacht. Im Falle von Waldbränden stießen sie Unmengen an CO2 aus, war die Begründung. Da liegt die Frage nahe, sollte man sie nicht lieber vorsorglich abholzen? Dann wären gleich auch die Flächen verfügbar, auf denen man ungehindert Fracking betreiben könnte.

Aber Zynismus bei Seite, ganz so plump kommen derartige Angriffe auf unser natürliches Empfinden nur selten daher. Dennoch begegnen uns immer wieder Meldungen, die das Gegenteil von dem auszusagen scheinen, was unsere Beobachtung, unsere Erfahrung und unser gesunder Menschenverstand uns mitteilen. Von solchen Fake-News sollten wir uns nicht verunsichern lassen, sondern getrost darauf vertrauen, was uns unser innerer Wahrheitskompass dazu anzeigt. Wie schön, dass wir diese Instanz in uns finden und im Laufe unseres Lebens immer weiter ausbilden können: unser Wahrheitsgefühl! Denn …

…Kenne ich mein Verhältnis zu mir selbst und zur Außenwelt, so heiß‘ ich’s Wahrheit. Und so kann jeder seine eigene Wahrheit haben, und es ist doch immer dieselbige. (Johann Wolfgang von Goethe)

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