Es gibt zwei Wege das Leben zu leben: Alles selbstverständlich zu nehmen, oder die ganze Welt als Wunder zu betrachten.
Ich glaube an Letzteres.

 

– Albert Einstein

„Der Mensch ist dem Weltlauf gegenüber nicht ein müßiger Zuschauer, der innerhalb seines Geistes das bildlich wiederholt, was sich ohne sein Zutun im Kosmos vollzieht, sondern der tätige Mitschöpfer des Weltprozesses; und das Erkennen ist das vollendetste Glied im Organismus des Universums.“

– Rudolf Steiner

„So etwas wie Dunkelheit gibt es nicht.
Es gibt nur die Abwesenheit von Licht“

– Vicky Wall

Freitags-Gedanken am 5. Juli: Bewegtes Mittelalter

Auf der Suche nach meinem Karma und meiner Identität in früheren Inkarnationen bekomme ich seit Jahren immer mal wieder einen Hinweis. Mit der Zeit hat sich die eine oder andere Fährte offenbart und es haben sich schon einige Puzzleteilchen eingefunden. Vor allem aber bin ich auf Zusammenhänge gestoßen, die auch über mein persönliches Schicksal hinaus ausgesprochen spannend sind.

Schon seit einigen Jahren faszinieren mich in diesem Zusammenhang die gotischen Kathedralen in Frankreich und in erster Linie diejenige von Chartres, die ich schon zweimal auf jeweils mehrtägigen Reisen besuchen durfte. Ihre Maße sind exakt denjenigen des Tempels des Salomon nachempfunden, jenes denkwürdigen Bauwerks des großen Baumeisters Hiram. Ein tiefes Mysterium ist mit der Tempellegende verbunden, das auch Rudolf Steiner immer wieder und vor allem in seinem Vortragszyklus, den er 1904 in Berlin hielt (veröffentlicht in GA 93), aufgegriffen hat. In ihrer heutigen Form wurde die Kathedrale in nur 66 Jahren von 1194 bis 1260 auf den Grundmauern diverser sakraler Vorgängerbauten bis hin zu vorchristlichen druidischen Heiligtümern erbaut. Wie die kürzlich durch den spektakulären Brand ihres Dachstuhls ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit geratene Notre-Dame von Paris gehört sie zu den großen Marienkathedralen Frankreichs. Die Jungfrau Maria, immer wieder auch als Sophia=die Weisheit bezeichnet, steht für den reinen jungfräulichen Astralleib, den zum Geistselbst (Manas) gewandelten Astralleib des nach Erkenntnis strebenden Menschen. An der Westfassade der Kathedrale finden wir vor allem die Darstellung der Menschwerdung Christi, jedoch auch eine kleine Aristotelesfigur, Anspielung auf die sieben Künste, die artes liberales (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie), die an der Schule von Chartres bereits seit Beginn des zweiten Jahrtausends gelehrt wurden.

In der Schule von Chartres versammelten sich für etwa 200 Jahre die maßgeblichen Gelehrten der damaligen Zeit: Fulbertus von Chartres, Johannes von Selisbury und Alanus ab Insulis, um nur einige wenige zu erwähnen. Inhaltlich fußte diese geistige Strömung auf den antiken Mysterienschulen und der Philosophie Platons. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts ging diese Geistesströmung mehr und mehr in die eher Vernunft betonte Lehre des Aristoteles über, die sich in der vorwiegend von den Dominikanern getragenen Scholastik ausdrückte. In welcher Weise die noch nicht wiedergeborenen Aristoteliker aus der geistigen Welt mit den bereits verkörperten Anhängern des Platon auf der Erde zusammenwirkten, beschreibt Rudolf Steiner auf eindrucksvolle Weise in seinem Vortragszyklus über die Esoterischen Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Band 6 (GA 240). Darin legt er auch dar, in wie weit das physische Zusammenwirken dieser geistigen Strömungen für das 20. Jahrhundert von außerordentlicher Bedeutung ist bzw. war:

Und nach dieser Abmachung muß aus dem, was anthroposophische Bewegung ist, etwas hervorgehen, was seine Vollendung vor dem Ablaufe dieses Jahrhunderts finden muß. Denn über der Anthroposophischen Gesellschaft schwebt ein Schicksal: das Schicksal, daß viele von denjenigen, die heute in der Anthroposophischen Gesellschaft sind, bis zu dem Ablaufe des 20. Jahrhunderts wieder herunterkommen müssen auf die Erde, dann aber vereinigt mit jenen auch, die entweder selbst führend waren in der Schule von Chartres oder die Schüler von Chartres waren. So daß vor dem Ablaufe des 20. Jahrhunderts, wenn die Zivilisation nicht in die völlige Dekadenz kommen soll, auf der Erde die Platoniker von Chartres und die späteren Aristoteliker zusammenwirken müssen. (Rudolf Steiner, GA 240)

Im Zuge meiner Recherche bin ich noch auf weitere interessante philosophisch-religiöse Strömungen und Einzelpersönlichkeiten des Mittelalters gestoßen. Es ist verblüffend, was diese oft als dunkles Mittelalter bezeichnete Zeitepoche so alles an Ideenreichtum hervorgebracht hat. Vieles davon spielte sich am Rande oder gar außerhalb der offiziellen Kirchenlehre ab, die bekanntermaßen strengstens über die Einhaltung ihrer Dogmen wachte. So beschuldigte die Inquisition etliche der damaligen Freigeister der Häresie und in Folge wurden nicht wenige unter den Augen der Öffentlichkeit auf Scheiterhaufen verbrannt.

In die Gefahr ein solches Schicksal zu erleiden kamen z. B. Die Brüder und Schwestern des freien Geistes, bei denen es sich wohl weniger um eine geschlossene Bewegung handelte. Gemeinsam war ihnen, dass sie sich nicht an von Menschen gemachte Gesetze gebunden fühlten, was ihnen vielfach den Ruf eines unmoralischen Lebenswandels einbrachte. Doch ging es ihnen eher darum, die Moralität im inneren, aus ihrer eigenen Freiheit heraus zu entwickeln, was automatisch und ohne gesetzliche Vorschriften ein rechtschaffenes Verhalten hervorrufen würde. Diese Auffassung vertrat auch die nordfranzösische Mystikerin Margarete Porete (1250/60-1310). Mit ihrem Buch Der Spiegel der einfachen Seelen. Mystik der Freiheit wirbelte die außergewöhnlich gebildete Begine reichlich Staub auf. Es wurde verboten und bereits um die Jahrhundertwende öffentlich verbrannt. Doch Margarete ließ sich nicht mundtot machen, veröffentlichte ihr Werk anonym weiter und erschien auch nicht zu den Vorladungen der Kirchenoberen. So folgte sie ihrem unerwünschten Werk am 1. Juni 1310 auf den Scheiterhaufen, wo sie auf einem öffentlichen Platz in Paris verbrannt wurde.

Dieses Schicksal blieb der sächsischen Mystikerin Mechthild von Magdeburg erspart, obgleich auch sie zeitweise in Gefahr geriet. Auch sie gehörte der Beginen-Bewegung an, in der Frauen außerhalb von der damals für sie vorgesehenen Familienrolle und auch außerhalb des Klosterlebens eine alternative Lebensform anstrebten. Teilweise hatten sie sich frei und ohne kirchliches Gelübde der Armut verschrieben und zogen über Land. Das zahlenmäßig geringere männliche Pendant der Beginen nannte sich Begarden. Margaretes siebenbändiges Werk Das fließende Licht der Gottheit ist voll von Zwiegesprächen der beiden „Liebespartner“ Seele und der dreifaltigen Gottheit. Mystikerinnen und Mystiker strebten nach unmittelbaren Gotteserfahrungen, ohne dass es einer Vermittlung durch Priester oder sonstigen kirchlichen Personals bedurft hätte, was der Kirche naturgemäß missfiel. Beide Frauen, Margarete und Mechthild, werden wegen ihrer lyrischen Dichtungen auch als Minnesängerinnen oder Troubadouras bezeichnet. Die Troubadour-Tradition war vor allem in Südfrankreich und in Verbindung mit den Katharern verbreitet. Sie sahen Gott als die reine Liebe und wollten das Göttliche von keinem Dogma erfasst wissen. Das brachten sie in ihren lyrischen Minnegesängen vor allem während des 12. Und 13. Jahrhunderts zum Ausdruck.

Über den großen, aus Thüringen stammenden Philosophen und Prediger Meister Eckhard (1260-1327) schrieb Rudolf Steiner:

Wenn Eckhart an das Wort des Paulus erinnert: «Ziehet euch Jesum Christum an», so will er diesem Worte den Sinn unterlegen: versenket euch in euch, tauchet hinunter in die Selbstbeschauung: und aus den Tiefen eures Wesens wird euch der Gott entgegenleuchten; er überstrahlet euch alle Dinge; ihr habt ihn in euch gefunden; ihr seid einig geworden mit Gottes Wesenheit. «Gott ist Mensch geworden, daß ich Gott werde.»“ (Rudolf Steiner, GA 007)

Meister Eckhards Werk wurde in Teilen als Irrlehre bezeichnet. Allerdings starb der berühmte Dominikaner eines natürlichen Todes, ehe er den Schergen der Inquisition übergeben werden konnte. Wie Albertus Magnus lehrte Meister Eckhard u. a. in Paris und Köln.

Viele der spirituellen Menschen machten sich schon lange vor Luthers Bibelübersetzung um die jeweiligen Landessprachen verdient. Die kirchlichen Rituale wurden in der damals schon toten Sprache Latein vollzogen, die das einfache Volk nicht verstand und die auch wenig geeignet war, um Innerlich-Seelisches zum Ausdruck zu bringen. So war Mechthilds Werk in Mittelhochdeutsch, Margaretes Werk in Mittelfranzösisch verfasst und wurde später ins Alemannische bzw. Englische übersetzt. Auch Meister Eckhard leistete einen wichtigen Beitrag zur Bildung einer deutschen Fachsprache für Philosophie.

Albertus Magnus (1193-1280) und sein Schüler Thomas von Aquin (1225-1274) waren wohl die berühmtesten Vertreter  des christlichen Aristotelismus und der Scholastik. Sie lehrten in Paris und Köln und wurden später von der offiziellen Kirche Heiliggesprochen und in den Rang eines Kirchenvaters erhoben.

Es war also einiges los im mittelalterlichen Kultur- und Geistesleben. Einige der damals vertretenen Lehren erscheinen recht modern und gar nicht so weit entfernt von dem, was wir uns heute jenseits der offiziellen Kirchenlehre unter einem freien und liebenden Christenleben vorstellen. Offensichtlich waren diejenigen, die diese Ideen in die Welt gebracht haben, ihrer Zeit voraus, wurden nicht verstanden und/oder nicht geduldet.

Und wie sieht es heute aus? Auch wenn den geistigen Vorreitern unserer Zeit nicht gerade der Scheiterhaufen droht, so werden auch sie oft ignoriert, verhöhnt, diffamiert und  bekämpft. Doch die Bewusstseinsentwicklung der Menschheit schreitet voran, wenn wir uns auch manchmal ein schnelleres Tempo für diesen Vorgang wünschen würden. So können wir hoffen, dass irgendwann einmal die Zeit kommt, in der sich die letzten drei Worte von Mahatma Gandhis berühmtem Spruch bewahrheiten werden:

Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.

Freitags-Gedanken am 28. Juni: (Un)erwünschte Individualität

Im Vergleich zu früheren Zeiten genießen wir Freiheiten, die es uns erlauben, unsere Individualität zu entfalten und unser Leben weitgehend nach unseren eigenen Vorstellungen und Wünschen zu gestalten. Zumindest in Mitteleuropa können wir unseren Beruf und unsere Lebensgestaltung frei wählen, so scheint ist. Weder unser Geschlecht noch unsere Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion, Familie oder Gesellschaftsschicht können uns vorschreiben, ob wir z. B. eine Familie gründen, wie wir unsere Kinder erziehen (wenn wir sie denn gezeugt/geboren haben sollten), welchem Beruf und welchen Freizeitaktivitäten wir nachgehen. Bekanntermaßen trifft das nicht auf alle Menschen weltweit zu und auch nicht auf alle Mitbürger, die ursprünglich aus anderen Kulturen stammen und in diesen teilweise noch stark verhaftet sind. In unterschiedlichem Maße fühlen wir alle uns an das gebunden, was uns durch unsere Konditionierung mit auf den Weg gegeben wurde und in unterschiedlichem Maße fühlen wir in uns das Bedürfnis, einen davon unabhängigen Weg einzuschlagen. Auch heute noch trägt so mancher Zeitgenosse Konflikte mit sich herum, die mit der Beziehung seiner Prägung zu seinen eigenen Bedürfnissen zusammenhängen.

Die Menschheit strebt im Anfange der Kulturzustände nach Entstehung sozialer Verbände; dem Interesse dieser Verbände wird zunächst das Interesse des Individuums geopfert; die weitere Entwicklung führt zur Befreiung des Individuums von dem Interesse der Verbände und zur freien Entfaltung der Bedürfnisse und Kräfte des Einzelnen. (Rudolf Steiner, GA 31)

Diese Aussage deckt sich mit unseren Beobachtungen, dass wir unser Leben heute freier gestalten können, als in früheren Zeiten, in denen die Vorgaben von Gesellschaft, Stamm, Sippe und Familie Priorität genossen. Die Anerkennung unserer Individualität ist also eine Errungenschaft der Menschheitsevolution, Ausdruck eines höher stehenden Bewusstseins.

Vor diesem Hintergrund ist es interessant, einmal zu beleuchten, wo und von wem unser Streben nach individueller Entfaltung gefördert und wo es vielleicht eher unterdrückt wird.

Beginnen wir unsere Betrachtungen mit dem Eintritt in dieses Erdenleben, mit unserer physischen Geburt. Geburt und Tod sind die beiden Tore des Lebens, Geborenwerden und Sterben gehören wohl zu den tief greifendsten Erlebnissen unseres Menschseins. Das gilt sowohl für die Betroffenen selbst als auch für deren Angehörige, im Falle der Geburt in erster Linie die Mutter. Nicht nur für sie ist die Geburt eine anstrengende und schmerzhafte Angelegenheit, auch der neue Erdenbürger erfährt durch den Geburtsvorgang eine gravierende Wandlung. Von allen Seiten gequetscht, gedrückt und gezogen muss er sich damit abfinden, dass die Zeit der Geborgenheit im mütterlichen Körper zu Ende geht. Mit der Durchtrennung der Nabelschnur wird die erste Stufe zur Unabhängigkeit von einem anderen Wesen eingeläutet, ab sofort haben Atmung und Nahrungsaufnahme selbständig zu funktionieren. Wie wünschenswert wäre es doch, wenn dieser große Moment unseres Lebens sich in liebevoller Atmosphäre vollzöge, wenn wir in vollem Bewusstsein der Einzigartigkeit und Heiligkeit dieses Vorgangs durch unsere Eltern und vielleicht eine Hebamme willkommen geheißen würden. Stattdessen erleben wir dieses Ereignis meist im seelenlosen Kreissaal eines Krankenhauses, umgeben von medizinischem Equipment und eiliger Geschäftigkeit. Etwa ein Drittel der in dieser Umgebung geborenen Kinder kommen zudem per Kaiserschnitt zur Welt, eine Prozedur, die eher einer medizinischen Operation als der Neugeburt eines Wesens gleicht und Mutter und Kind um das Erfahren der so wichtigen Übergangsphase bringt. Natürlich ist es ein Segen, dass ein solcher Eingriff im Falle von Problemen möglich ist, doch sollten wir inzwischen ein Drittel Problemgeburten haben? Unwahrscheinlich! Könnte es sein, dass der ein oder andere Kaiserschnitt vielleicht nur den mechanistischen Abläufen im Krankenhaus geschuldet ist oder dass das medizinische Personal auf diese Weise eine wasserdichte Absicherung für evtl. auftretende Komplikationen erhält? Das wäre in der Tat ein erster schwerwiegender Eingriff in unsere Individualität, eine Opferung von Bedürfnissen der Betroffenen zugunsten strukturierter Krankenhausroutine.

Immer öfter führt der weitere Lebensweg unsere Jüngsten schon im Laufe des ersten Lebensjahres in staatliche Obhut, denn ein Platz in der Kinderkrippe steht heute für etwa ein Drittel der unter Dreijährigen zur Verfügung, Tendenz steigend. Man kann unterschiedlicher Auffassung darüber sein, wie sinnvoll eine so frühe Trennung von den Eltern und die Eingliederung in eine Gruppe Gleichaltriger sind. Tatsache ist, dass auf individuelle Bedürfnisse Einzelner hier nur bedingt Rücksicht genommen werden kann. Erzieherinnen haben alle Hände voll zu tun, um ihren Versorgungsaufgaben gerecht zu werden, da bleibt sicher wenig Spielraum für Extrawünsche. Spätestens nach dem dritten Geburtstag steht für fast jeden die Eingliederung in die Kindergartengruppe an. Aus dem letzten Satz von Artikel 6, Absatz 2 des deutschen Grundgesetzes meinen einige die immer wieder geforderte und in Österreich und Teilen der Schweiz bereits verwirklichte Kindergartenpflicht ableiten zu können:

Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

Es ist kein Geheimnis, dass gerade in totalitären Systemen wie der ehemaligen DDR Krippen und Ganztagskindergärten der Regelfall waren bzw. sind. Hier hat der Staat ein besonderes Interesse an der frühzeitigen Rundumkontrolle über seinen Nachwuchs. Individuelle Wertevermittlung durch die Eltern und Familien sind eher unerwünscht, denn da besteht ein gewisses Risiko, dass die Erziehung in eine andere Richtung gelenkt wird als von der Obrigkeit erwünscht. Auch in unserer sogenannten Demokratie sollten wir wachsam im Auge behalten, ob sich hinter wohlklingenden Erziehungszielen wie Geschlechtsneutrale Erziehung, Frühkindliche Bildung, Interkulturelle Erziehung und Förderung von Toleranz nicht ganz etwas anderes verbirgt als wir vermuten würden.

Anders als in Österreich und in der Schweiz, wo lediglich Bildungspflicht besteht, ereilt die in Deutschland lebenden Kinder mit sechs Jahren die Schulpflicht. Allzu individuelle Verhaltensweisen sind in unseren staatlichen Regelschulen eindeutig unerwünscht. Entpuppt sich ein Kind beispielsweise als besonders lebhaft, läuft es schnell Gefahr, die Diagnose ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) verpasst zu bekommen. In diesem Fall werden den Eltern multimodale Therapieansätze empfohlen, um den kleinen Störenfried zur Raison zu bringen, die Verabreichung von Ritalin gleich inbegriffen. Die Bildungsinhalte in den weiterführenden Schulen befinden sich bekanntermaßen nicht immer auf dem neuesten Stand. Doch damit nicht genug, sie unterliegen auch der globalen Aufsicht des von der UNO ausgegebenen Welt-Kernlehrplans, dem sogenannten World Core Curriculum for Education, der das Bewusstsein unserer Kinder eher in vorgeprägte Bahnen lenken soll als sie zu geistig unabhängigen Menschen zu erziehen. Bertrand Russel, ein britischer Philosoph, Mathematiker und Logiker sowie Literaturnobelpreisträger von 1950 brachte das Ziel unserer „Bildung“ bereits 1922 auf den Punkt:

Es ist nicht erwünscht, dass der normale Bürger selbständig denkt, weil man der Auffassung ist, dass Leute, die selbständig denken, schwer zu handhaben sind. […] Nur die Eliten sollen denken. Der Rest soll gehorchen oder den Führern folgen wie eine Hammelherde. Die Doktrin hat, auch in Demokratien, alle staatlichen Erziehungssysteme von Grund auf verdorben.

Begleitend zum Unterrichtsstoff wird die gewünschte Prägung durch Medien, Werbung und öffentliche Meinung gefestigt, so dass zum Ende unserer Schulzeit in der Regel ein gutes Fundament für einen systemkonformen Untertanen gelegt wurde. Das Hamsterrad unseres späteren Berufslebens und das Eingebundensein in gesellschaftliche Strukturen vernebeln uns noch zusätzlich den Blick für das, was unserer Individualität, unserem wahren, über unsere Persönlichkeit hinaus wirkenden Wesen entsprechen würde.

Oft bedarf es in späteren Jahren eines gravierenden Ereignisses, vielleicht sogar einer schweren Krankheit oder eines anderen Schicksalsschlags, um uns aus den erlernten Verhaltens- und Meinungsmustern zu befreien. Doch, Gott sei Dank, können wir nicht nur durch Leiden sondern auch durch Bewusstsein zur Erkenntnis gelangen. Ganz ohne Anstrengung funktioniert das freilich nicht. Doch diese Anstrengung lohnt sich, denn was könnte beglückender sein, als jenseits aller Verwirrungen der Welt, den Weg zu uns selbst zu finden?

Freitags-Gedanken am 21. Juni: Zwischen Abgrund und Aufstieg

Zweifellos leben wir in bewegten Zeiten und so mancher mag den Eindruck gewinnen, dass diese Bewegung sich mehr und mehr beschleunigt. Es heißt, was unsere Großeltern in einem ganzen Jahr erlebt haben, das erleben wir Heutigen an einem einzigen Tag. Wir setzen uns in ein Flugzeug und erreichen ein paar Stunden später einen anderen Kontinent, wir drücken auf eine Taste und schon ist unsere Nachricht bei einem anderen Menschen angekommen, auch wenn dieser sich am anderen Ende der Welt befindet. Welch großartige Möglichkeiten bieten uns diese Entwicklungen, an die wir uns gewöhnt haben und die wir inzwischen als selbstverständlich empfinden.

Doch wenn wir in die Zukunft blicken, beschleicht uns vielleicht mitunter auch ein ungutes Gefühl ob der rasant steigenden Digitalisierung und Technisierung der Welt. Was ist heute schon alles möglich? Welche Technologien sind schon längst im Einsatz oder werden zumindest hier und dort an Ahnungslosen getestet? Welche Lügen werden der breiten Öffentlichkeit aufgetischt, um das angeblich unerklärliche Verschwinden von Flugzeugen, die Zerstäubung großer Gebäude oder das plötzliche Ableben kritischer Zeitgenossen zu erklären? Welche Folgen hätte eine flächendeckende Einführung des 5G-Netzes für unseren Organismus? Welche Implantate und Mikrochips tragen wir möglicherweise bereits in unseren Körpern und wie und von wem/von was werden sie kontrolliert und gesteuert? All diese Fragen mögen uns beunruhigen, ja Angst einjagen, denn wir haben keine Kontrolle, ja meist nicht einmal Einblick in diese Entwicklungen. Die Befürchtung beschleicht uns, dass die angedeuteten Technikinnovationen gegen uns verwendet werden, vor allem unserer Kontrollierbarkeit und Beherrschbarkeit dienen könnten, kurz gesagt, dass sie die Geister der Finsterns (wie Rudolf Steiner sie bezeichnet) benutzen, um uns mehr und mehr in ihre Machtsphäre zu ziehen.

Angesichts dieser Tatsachen mögen wir Ohnmacht empfinden und Gefahr laufen, in lähmende Lethargie und Handlungsunfähigkeit zu verfallen. Doch damit wäre allenfalls denjenigen gedient, die die Erzeugnisse ihres kalten Technikverstandes als Machtinstrument benutzen. Vielmehr müssen wir uns die Fragen stellen:

Wer sind diese Mächte, die uns da so kräftig herausfordern?  … und
Wozu fordern sie uns eigentlich heraus?

Diese Fragen können wir nur beantworten, wenn wir bereit sind, unseren Blick über unsere materielle Welt hinaus zu weiten. Unsere irdische Welt, die Welt der Wirkungen können wir nicht verstehen, ohne uns zugleich mit den geistigen Hintergründen, der Welt der Ursachen, zu beschäftigen. Goethe verpackte diese Erkenntnis in die treffenden Worte: Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.

Es reicht also nicht, wenn wir erkennen, wie uns diese oder jene Technik schaden oder nutzen kann, sondern wir müssen jenen Kräften auf die Spur kommen, die ein Interesse an ihrer Verbreitung haben und uns in ihren Bann zu ziehen versuchen. Eine gute, ja vielleicht die einzige Quelle für derartige Erkenntnisse liefern uns die Schriften und Vorträge von Rudolf Steiner. Unter anderem in seiner Vortragsreihe vom September 1917 in Dornach (GA 177, die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt) beschreibt uns Steiner den Kampf des Erzengels Michael mit dem Drachen, der 1841 bis 1879 im Geistigen ausgefochten wurde und im Herbst 1879 mit dem Sieg Michaels endete. Seither treiben die dunklen Kräfte in verstärktem Maße  auf der Erde ihr (Un)wesen und wir Menschen sind es, die sich mit ihnen auseinander zu setzen haben. Ziel dieser ahrimanischen Kräfte ist es u. a. kalte, ja tote Intellektualität, scharfes Verstandesdenken in einseitiger Weise unter uns Menschen zu verbreiten und unseren evolutionsbedingt immer stärker aufkeimenden Draht zur geistigen Welt bei Zeiten zu unterbinden.

Materieller Verstand also auf der einen Seite, jene auf herab gestimmtem Bewusstsein beruhende Art, sich zur geistigen Welt in ein Verhältnis zu setzen, auf der anderen Seite: das war die Absicht der Geister der Finsternis. Diese Geister der Finsternis wollten vor allen Dingen eines verhindern, was nach ihrem Sturz nach dem Jahre 1879 allmählich eintreten musste: das wirkliche Herabkommen von geistigen Erfahrungen, von geistigen Erlebnissen in die Menschenseelen hinein.

Aus Sicht dieser Dunkelkräfte muss eine hinreichende Anzahl an Menschen dazu gebracht werden, ihre Ziele als die Ihrigen zu übernehmen, damit sie durch menschliche, physische Körper wirken können. Heute würden wir diesen Vorgang als Besetzung bezeichnen und wir können uns so manches vermeintlich menschliche Verhalten nur erklären, wenn wir diesen Faktor berücksichtigen. An anderer Stelle beschreibt Steiner auch ein Mittel, mit dem das Fernhalten von geistigen Erfahrungen  erreicht werden soll, denn diese würden einer derartigen Besetzung entgegenwirken.

Ich habe Ihnen gesagt, daß die Geister der Finsternis ihre Kostgeber die Menschen, in denen sie wohnen werden, dazu inspirieren werden, sogar ein Impfmittel zu finden, um den Seelen schon in frühester Jugend auf dem Umwege durch die Leiblichkeit die Hinneigung zur Spiritualität auszutreiben. Wie man heute die Leiber impft gegen dies und jenes, so wird man zukünftig die Kinder mit einem Stoff impfen, der durchaus hergestellt werden kann, so daß durch diese Impfung die Menschen gefeit sein werden, die „Narreteien“ des spirituellen Lebens nicht aus sich heraus zu entwickeln, Narrheiten selbstverständlich im materialistischen Sinne gesprochen.

In diesem Licht haben bisher sicher die wenigsten die Debatte um die Impfpflicht betrachtet! Doch genau das sind die Dinge, mit denen wir es heute ganz real zu tun haben und denen gegenüber wir zunehmend wachsam werden sollten. Es kann nicht darum gehen, neue Technologien per se abzulehnen oder gar zu bekämpfen, doch wir müssen im Blick behalten, von wem und mit welcher Absicht sie eingeführt werden sollen. Cui bono – wem dient es? Wenn es uns gleichzeitig gelingt, die drohende Abtrennung von der geistigen Welt zu verhindern, wird es genügend Menschen geben, die einem anderen Herrn als den Geistern der Finsternis dienen. Dieser Herr ist niemand anderes als der Christus in uns, unser I.Ch. Das Angebot, uns an dieser heilsamen Kraft auszurichten, besteht seit 2.000 Jahren. Wenn wir ihm folgen wollen, besteht unsere Aufgabe darin, das äußere Spiel zu durchschauen und uns weder von der Faszination noch von der Angst vor der umfassenden Technisierung der Welt beherrschen zu lassen. Vielmehr gilt es, sie mit einem das Gute fördernden Geist zu durchdringen. Dasjenige, für das die Menschheit offensichtlich noch nicht reif ist, gilt es zu erkennen und abzuwenden.

So drängt sich uns also permanent die Frage auf: Welchem Herrn will ich dienen? Immer und immer wieder, auch und gerade in unserem ganz normalen Alltagsleben, werden wir mit dieser Entscheidung konfrontiert. Immer haben wir die Wahl zwischen:

Rein materialistischer     und    geistig orientierter Weltsicht
Angst    und    Vertrauen
passivem Konsum, Bequemlichkeit    und    Handlung
gegen    und    für die Menschheitsentwicklung zu wirken
Alle gegen alle    und    Einer für alle, alle für einen
Lüge    und    Wahrheit
Kontrollwahn    und    Freiheit
Hass, Gewalt    und    Liebe
… und vielem anderen

Wir befinden uns erst auf dem Weg zum voll entwickelten Menschen und sollten nicht den Anspruch an uns stellen, heute schon immer die „richtige“ Entscheidung zu treffen. Auch wenn wir guten Willens sind, ist es schließlich nicht immer einfach herauszufinden, was das „Richtige“ denn überhaupt ist. Doch wir können uns immerhin unser Handeln bzw. Nichthandeln bewusst machen und nach Vervollkommnung streben.

Sicher werden wir noch einige Inkarnationen durchleben, die uns im Laufe der Zeit zu einer endgültigen Entscheidung führen werden. Tatsächlich stellen wir aber schon heute die ersten Weichen für die Richtung unserer zukünftigen Weltenreise. Fühlen wir uns von jenen Kräften angezogen, die uns in den Abgrund führen wollen? Dann werden wir zu dem, was materialistisch Eingestellte der Evolutionslehre Darwins folgend, schon jetzt meinen zu sein: zu intelligenten Tieren. Eine andere, von den Transhumanisten verfolgte Variante des Abgrunds liefe auf die Entwicklung zu Cyborgs hinaus, einer Mischung aus biologischen Wesen und Maschinen. Beide Ausprägungen würden einer vollständigen Abkoppelung von unserer Heimat, der geistigen Welt, gleichkommen.

Wir können aber auch einen anderen Weg gehen, einen Weg, der mehr und mehr mit der Hinwendung zum Geistigen verbunden ist, der uns zur Wahrheit, zur Freiheit und schließlich zur Liebe führt – kurz zu einem vollwertigen Menschenwesen. Diese Entwicklungsmöglichkeit ist im kosmischen Evolutionsplan für uns vorgesehen und durch das Erscheinen des Christus auf der Erde vorbereitet worden. Wenn wir sie wählen, werden sich uns noch viele geistige Horizonte eröffnen.

Die Freiheit liegt ganz bei uns.

Freitags-Gedanken am 14. Juni: Höhere Wahrnehmungsmöglichkeiten

Die meisten von euch haben sicher schon von den sieben Hauptchakren oder auch –chakras des Menschen gehört. Häufig werden sie im Zusammenhang mit ihrer angeblichen Funktion als Energiezentren erwähnt, die unsere feinstofflichen Körper mit dem physischen Körper verbinden. Sie werden als Räder beschrieben, die sich kontinuierlich drehen und nach vorne und hinten je einen Ausgang haben. Ausnahmen bilden das Wurzel- und das Scheitelchakra, die sich jeweils nur nach unten bzw. nach oben hin öffnen.

Weniger bekannt dagegen ist, dass es sich bei den Chakren  vor allem um Wahrnehmungsorgane handelt, die uns mit den höheren Welten verbinden können. Bei den meisten Menschen sind sie heute zwar latent veranlagt, jedoch noch nicht vollständig ausgebildet. Ähnlich wie in frühen Zeiten der Menschheitsevolution sich auch unsere physischen Wahrnehmungsorgane wie Augen und Ohren erst zu ihrer jetzigen Funktionsfähigkeit herausgebildet haben, so befinden sich heute die Chakren meist noch im Ruhezustand. Die weitere Entwicklung der Menschheit sieht vor, dass diese Organe nach und nach heranreifen und uns die sogenannten Hellwahrnehmungen ermöglichen werden. Diese umfassen die Sinne Hellsehen, Hellhören und Hellfühlen bzw. Hellwissen, in der Terminologie der Geisteswissenschaft als Imagination, Inspiration und Intuition bezeichnet.

Eine Schlüsselrolle spielen vor allem das Kehlkopfchakra, die 16-blättrige Lotosblume und das Herzchakra, die 12-blättlige Lotosblume. Jeweils die Hälfte der „Blütenblätter“ sind bereits vollständig in uns veranlagt. Wenn wir den Weg der bewussten Erkenntnis vorzeitig beschreiten möchten, müssen wir die übrigen acht bzw. sechs Blütenblätter aktiv, d. h. aus eigener Kraft heraus ausbilden.

Beim Kehlkopfchakra kommt es entscheidend darauf an, was wir denken. Hier greift die bedeutsame Erkenntnis, die der Buddha uns bereits vor etwa 2.500 Jahren hinterlassen hat:

Alles, was wir jetzt sind, ist das Resultat unserer Gedanken

Natürlich gilt dieses Wort auch auf unsere Zukunft bezogen, also alles, was wir in Zukunft sein werden, wird das Resultat unserer heutigen Gedanken sein. Der achtstufige Übungsweg des Buddha ist bestens geeignet, den Inhalt unserer Gedanken zu schulen. Dabei wird durch jede einzelne der Übungen eines der erwähnten acht Lotusblumenblätter unseres Kehlkopfchakras weiter entwickelt. Es geht darum, jene Seelenvorgänge, die wir im gewöhnlichen Leben oft unachtsam ausführen, mit Sorgfalt und Aufmerksamkeit zu durchweben. Der achtfache Pfad des Buddha umfasst

  1. Die richtige Vorstellung, die richtige Einsicht – korrekte Meinung
  2. Der richtige Entschluss – bewusste Entscheidung
  3. Das richtige Sprechen – bewusstes Sprechen
  4. Die richtige Handlung – bewusste Handlung
  5. Die richtige Lebensführung – bewusste Lebensführung
  6. Die richtige Anstrengung – Einschätzung der eigenen Kräfte
  7. Die richtige Verinnerlichung – Lernen vom Leben
  8. Die richtige Innenschau – Bewusstwerdung des eigenen Tuns

Bei der Ausbildung der sechs unentwickelten Herzchakra-Blütenblätter geht es vor allem um das Wie unseres Denkens, darum, ein Herzdenken zu entwickeln, weg zu kommen von dem heute so verbreiteten toten, rein intellektualisierenden, ausschließlich sich an Strukturen orientierenden Denken hin zu einem lebendigen, beseelten und schließlich durchgeistigten Denken. Doch handelt es sich tatsächlich um Denken und nicht um Fühlen, denn Letzteres ist immer individuell und damit nicht von allgemeiner Gültigkeit. Unsere Gefühle werden durch Sympathien und Antipathien gesteuert und sind wenig geeignet, zu höheren objektiven Einsichten und schließlich Wahrnehmungen zu gelangen. Eine Ausnahme bildet da allerdings unser Wahrheitsgefühl. Es steht am Ende einer Kette von Denkvorgängen, die uns schließlich zu einem Punkt führt, an dem wir darüber entscheiden müssen, was wahr oder unwahr ist. Dieser untrügliche innere Kompass hängt interessanter Weise zusammen mit unserem logischen Denkvermögen und kann ebenfalls geschult und entwickelt werden. Meist merken wir im Laufe unseres Lebens, dass wir uns immer mehr und mehr darauf verlassen können.

Eine geniale Methode, die sechs bisher inaktiven Blütenblätter der zwölfblättrigen Lotusblume zu beleben, finden wir in den sechs sogenannten Nebenübungen von Rudolf Steiner. Sie mögen uns ganz einfach, ja fast selbstverständlich erscheinen und erfordern doch einiges an regelmäßiger disziplinierter Übung:

  1. Denkkontrollübung – fünf- bis zehnminütige Meditation über einen möglichst uninteressanten Gegenstand wie z. B. ein Streichholz
  2. Willensübung –eine regelmäßig auszuführende sinnlose Handlung zu einer bestimmten Uhrzeit, z. B. sich am Ohrläppchen ziehen
  3. Gelassenheitsübung – bewusstes Zurücktreten von einem starken Gefühl
  4. Positivitätsübung – bei der Betrachtung von negativ Empfundenem das Positive darin entdecken
  5. Unbefangenheitsübung – Offenheit gegenüber allen Ideen und Konzepten, so unsinnig sie auch zunächst erscheinen mögen
  6. Harmonieübung – Kombination der ersten fünf Übungen

Es wird empfohlen, diese Übungen nach und nach in unseren Alltag zu integrieren, indem wir jede Übung jeweils einen Monat lang möglichst täglich praktizieren. Bei regelmäßiger Durchführung dieser Übungen erlangen wir in jedem Fall mehr und mehr Kontrolle über unser Denken, Fühlen und Handeln. Wir lassen uns nicht mehr so schnell überwältigen von unseren oft in Endlosschleifen gefangenen Gedanken oder von übermächtigen Gefühlen in Beschlag nehmen. Im Bezug auf unseren Willen überwinden wir leichter die in vielen von uns angelegte Bequemlichkeit und entschließen uns zum angemessenen Handeln.

In der heutigen Zeit sind diese Wirkungen wichtiger denn je, denn wir werden überschwemmt mit Nachrichten, die geeignet sind, uns Angst einzujagen. Viele Menschen leiden unter Schlafstörungen, weil sie keinen Ausweg aus ihrem nächtlichen Gedankenkarussell finden. Durch die Übungen können wir wieder Herr über unsere Wesensglieder werden, denn sie sind da, um uns zu dienen, nicht um uns zu beherrschen. Wir lernen auch, der Manipulation unserer Gedanken, unserer Gefühle und unserer Willenskraft zu widerstehen, der wir permanent auf oft subtile Weise ausgesetzt sind. Ein klares, folgerichtiges , vorurteilsfreies und vor allem lebendiges Denken, eine zunehmende Gefühlstiefe und die Fähigkeit zu angemessenem, bedachten Handeln wird der Lohn für unsere tägliche kleine Anstrengung sein; denn nicht nur unsere physischen Muskeln bedürfen eines regelmäßigen Trainings, um stark zu werden.

Wenn wir die Dinge ohne Erwartungen und mit Demut angehen, kann es sein, dass uns zusätzlich das Geschenk der Hellwahrnehmung zuteil wird. Das kommt meist plötzlich und unerwartet und es kommt dann, wenn die Zeit dafür reif ist.

Näheres über die sechs Nebenübungen und den gesamten spirituellen Schulungsweg erfahrt ihr in den Werken von Rudolf Steiner Die Nebenübungen. Sechs Schritte zur Selbsterziehung (kleines Büchlein) sowie in den Werken: Theosophie, Geheimwissenschaft im Umriss und Wie erlangt man Kenntnis über die höheren Welten.

 

Freitags-Gedanken am 31. Mai: Der Dreiklang des Lebens

Das Prinzip unseres Lebens ist die Dreiheit. Das beginnt bei unserem menschlichen Organismus, der aus drei Wesensgliedern besteht: Denken – Fühlen – Wollen oder auch in der üblich genannten Reihenfolge Körper – Seele – Geist. Über die historischen und aktuellen Angriffe auf diese organische Dreiheit habe ich an anderer Stelle ausführlich hingewiesen. Doch auch wenn wir zunächst nur den kleinsten gemeinsamen Nenner unserer Existenz, unseren Körper betrachten, begegnen wir der Dreiheit in Gestalt der drei Organkreise: Nerven/Gehirn – Rhythmische Systeme (Herz, Lunge) – Verdauungs-, Fortpflanzungssysteme, Gliedmaßen.

Ebenso ist unser menschliches Zusammenleben in der Gesellschaft durch die Dreiheit gekennzeichnet. Hierbei handelt es sich natürlicherweise ebenfalls um einen Organismus, bestehend aus den Gliedern Geistesleben – Rechtsleben – Wirtschaftsleben. Wir kennen die Ideale der Französischen Revolution Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit, die an ihrer Gültigkeit bis heute nichts verloren haben. Zwar werden sie nach wie vor von Politikern ab und zu ins Feld geführt, doch hapert es allzu häufig an der passenden Zuordnung.

Würden wir die Freiheit auf das Rechts- oder Wirtschaftsleben beziehen, provozierten wir Zustände von Anarchie und Neoliberalismus, die mit Willkür und der hemmungslosen Ausbeutung der Bevölkerung einher gingen. Versuchten wir die Gleichheit im Geistesleben zu verwirklichen, würde das eine freie Entfaltung des Individuums verhindern. Dies können wir bereits heute in unseren Staatsschulen und Universitäten erleben, wo Individualität nur noch selten gefördert wird. Die freie Meinungsäußerung gegenüber allen gesellschaftsrelevanten Themen ist bereits heute weitgehend der Gleichheit zum Opfer gefallen. Wenn wir von dieser allgemein öffentlich anerkannten Meinung abweichen, stoßen wir nicht selten auf Hass und müssen mit öffentlicher Diffamierung rechnen. Und schließlich sollte sich die Brüderlichkeit vor allem auf das Wirtschaftsleben beziehen, wo es darum gehen müsste, die vorhandenen Ressourcen möglichst gerecht zu verteilen. Jeder sieht unmittelbar ein, dass der heute vorherrschende Raubtierkapitalismus weiter von diesem Ideal entfernt ist, als je zuvor. Das Rechtssystem muss für jedermann verlässlich sein, das heißt alle Menschen müssen in dieser Hinsicht gleich behandelt werden. In § 3, Artikel 3 heißt es eindeutig:

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Doch gilt es in der Praxis wirklich für alle aufgezählten Aspekte in gleicher Weise? Zurzeit können wir den Eindruck gewinnen, dass die politische Anschauung dabei ziemlich ins Hintertreffen gerät. Und was ist eine solche nationale Verfassung in einem zentralisierten Europa und angesichts einer angestrebten einheitlichen Weltordnung überhaupt noch wert? Wo schert man sich noch um die Würde des Menschen, die die Väter unseres Grundgesetzes für unantastbar hielten?

Die Lösung liegt in der sozialen Dreigliederung der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft nach Rudolf Steiner, der sie kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs als Heilmittel in die politischen Entscheidungsgremien einzubringen versuchte.

Der soziale Organismus, der den zentral verwalteten Einheitsstaat ablöst, soll analog des dreigliedrigen menschlichen Organismus aus dem lebendigen Zusammenwirken der drei selbstständigen Glieder des Wirtschafts-, Rechts- und Geistesleben entstehen. Das Wirtschaftsleben ist dabei vergleichbar dem Nerven-Sinnessystem, das Rechtsleben dem Rhythmischen System und das Geistesleben dem Stoffwechselsystem (Rudolf Steiner, GA 197)

Bekanntermaßen scheiterte Steiners Vorhaben mit den verheerenden Folgen eines ersten Weltkrieges mit Millionen von Toten weltweit. Wird es uns heute gelingen, eine erneute Eskalation der Weltlage zu verhindern? Die Umsetzung der sozialen Dreigliederung wäre ein Schlüssel zum Erfolg.

Das Prinzip der Dreigliederung erstreckt sich nicht nur auf die uns bekannte physische, sondern ebenso auf die geistige Welt. In uns wirken drei mächtige Kräfte: der Jesus Christus in uns, unser I.Ch, entspricht der mittleren ausgleichenden Kraft. Die beiden Widersachermächte, Luzifer und Ahriman versuchen uns beständig aus unserem Gleichgewicht heraus zu bringen und auf ihre Seite zu ziehen. Ahriman, auch Satan oder der Vater der Lüge genannt, versucht uns an die Materie zu fesseln. Machtstreben, Geldwesen, Technisierung und Digitalisierung machen seine Machtsphäre aus. Auf der anderen Seite stehen die Luziferischen Kräfte, die uns mit Illusion und Wunschbildern von der Erde wegzulocken suchen. Je mehr wir den Christus in unserem Inneren stärken, umso besser können wir den beiden Kräften widerstehen. Eine sehr hilfreiche Unterstützung hierfür bieten übrigens die farbigen Aura-Soma-Körperöle. Auch in ihnen schlummert das Dreier-Prinzip. Die obere Farbfraktion ist Ausdruck des Bewussten, die untere des Unbewussten. Vor der Anwendung der mit Mineral- und Pflanzeninformationen angereicherten Öle verschütteln wir beide Farbfraktionen und es entsteht eine dritte Farbe, etwas, das aus den anderen beiden hervorgeht und doch eine völlig neue Qualität in die Welt bringt. Die Substanzen wirken über unser Drüsensystem auf die Chakren, die sie mit den entsprechenden Lichtqualitäten versorgen und damit unsere übersinnlichen Wahrnehmungsorgane anregen.

Die kosmischen Kräfte, mit denen wir Menschen zusammenwirken, unterliegen ebenfalls dem Dreierprinzip. Diese göttlich-geistigen Kräfte, im traditionellen Christentum als Engelchöre, im neuen, spirituellen Christentum als Hierarchien bezeichnet, treten uns in Gestalt dreier Dreiergruppen von Wesenheiten entgegen. Zur ersten Hierarchie gehören die Throne (Geister des Willens), die Cherubim (Geister der Harmonie) und die Seraphim (Geister der Liebe). Diese hohen Wesenheiten stehen der dreifaltigen Gottheit (Vater – Sohn – Heiliger Geist) am nächsten und wirken im unmittelbaren Angesicht dieser Gottheit. Auf der zweiten Hierarchiestufe wirken unsere Schöpfergötter, die Elohim (Geister der Form), die Dynamis (Geister der Bewegung) und die Kyriotetes (Geister der Weisheit). Die dritte Hierarchie schließlich steht uns Menschen am nächsten, es sind unsere Engel, die Erzengel (Feuergeister, Volksgeister) und die Archai (Archetypen, Zeitgeister). Sie alle wirken zu unserem Wohle und stehen in Wechselbeziehung zu unserem irdischen Wirken. Sie nehmen unser Denken, Fühlen und Wollen in sich auf und bringen es ein in das kosmische Gesamtgeschehen. Das bedeutet im Klartext, dass wir für den kosmischen Organismus mitverantwortlich sind, ob wir uns nun dessen nun bewusst sind oder nicht. Auch auf dieser hohen Ebene funktioniert das Zusammenwirken tatsächlich so wie unser menschlicher Organismus im Kleinen. Nicht umsonst sprechen wir also von Mikro- und vom Makrokosmos. Welch ein großartiges Mysterium!

Tatsächlich beruht also alle Schöpfung auf dem Dreierprinzip, ja ist zunächst durchwebt mit lauter Dreiheiten. Spiegeln wir die Drei an einem vierten Element, so bekommen wir auf der anderen Seite der Vier eine Wiederholung der ersten drei Elemente, jedoch verwandelt in  eine höhere Ebene hinein. Das ist das Wesen der heiligen Sieben, die wiederum die Grundlage für unseren gesamten Weltenplan sowie für die vergangene und künftige Evolution der Menschheit und anderer Wesen bildet.

Einen krassen Gegensatz zu diesen kosmischen Gesetzmäßigkeiten bildet unsere mit Dualität durchtränkte Alltagswelt. In allen Bereichen tritt das Dreierprinzip in den Hintergrund zugunsten des Zweierprinzips. Auf Schritt und Tritt begegnet uns das Entweder-Oder: Bist du nicht links – bist du rechts, bist du nicht für die Guten – bist du für die Bösen, kommst du in den Himmel zu Gott – oder in die Hölle zum Teufel. Besonders Letzeres stellt eine der schwerwiegendsten Manipulationen und Irreführungen der Menschheit dar, denn es gibt ihn nicht, diesen Teufel als Gegenspieler Gottes. Wie oben ausgeführt gibt es zwei Widersacherkräfte (Luzifer und Ahriman), die jedoch keineswegs auf der Stufe Gottes stehen. Ja, es sind mächtige Wesenheiten, doch sie agieren im Auftrag Gottes. Ihre Aufgabe ist es, uns herauszufordern, damit wir uns aus freiem Willen für das Göttliche entscheiden können, zugegebenermaßen ein gewagtes Experiment, denn wir können uns eben auch anders entscheiden. Wenn wir ehrlich sind, gestaltet es sich in der Praxis oft außerordentlich schwierig, uns nicht auf eine der beiden Seiten, die uns da ständig angeboten werden, einzulassen, sondern dieser Versuchung  standhaft zu widerstehen.

Darin, dass wir diese Fähigkeit erlernen und im Laufe unseres Lebens immer weiter perfektionieren, besteht eine unserer hervorragendsten Lebensaufgaben. Das ist keine bequeme Angelegenheit, sondern bedeutet Anstrengung und – auch, wenn es viele nicht gerne hören – tatsächlich Arbeit.

Packen wir’s an 😉

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