Es gibt zwei Wege das Leben zu leben: Alles selbstverständlich zu nehmen, oder die ganze Welt als Wunder zu betrachten.
Ich glaube an Letzteres.

 

– Albert Einstein

„Der Mensch ist dem Weltlauf gegenüber nicht ein müßiger Zuschauer, der innerhalb seines Geistes das bildlich wiederholt, was sich ohne sein Zutun im Kosmos vollzieht, sondern der tätige Mitschöpfer des Weltprozesses; und das Erkennen ist das vollendetste Glied im Organismus des Universums.“

– Rudolf Steiner

„So etwas wie Dunkelheit gibt es nicht.
Es gibt nur die Abwesenheit von Licht“

– Vicky Wall

Freitags-Gedanken am 6. September: Urteile (nicht)

Häufig hören wir die Aufforderung, dass wir bloß nicht urteilen sollen. Doch ist das überhaupt möglich? Sind wir nicht im ganz normalen Alltagsleben immer wieder genötigt, zu urteilen, um überhaupt im Leben zu recht zu kommen?

Dazu sollten wir uns zunächst einmal mit dem Begriff des Urteils auseinandersetzen, denn
– wie so oft – versteht jeder etwas anderes darunter. Dadurch entstehen unnötige Missverständnisse und die Gesprächspartner reden aneinander vorbei.

Da gibt es zunächst einmal das Erkenntnisurteil, das eigentlich nichts anderes ist als eine ganz normale Aussage. Ehe es dazu kommt, ist allerdings blitzartig ein innerer Prozess in uns abgelaufen. Wir nehmen etwas wahr und suchen dafür einen Begriff. Beides zusammen führt uns dann zu der Erkenntnis, womit wir es eigentlich zu tun haben. Sofern der Begriff in unserem Gedächtnis vorhanden ist, wir eine Situation oder einen Gegenstand also schon einmal erlebt haben bzw. kennen, ist dies ein völlig selbstverständlicher, ja fast banaler Vorgang. Das Erkenntnisurteil versetzt uns also in die Lage eine sachliche Aussage über etwas zu treffen. Es ist essenziell und wird hunderte Male am Tag von uns „gefällt“.

Die zweite Form des Urteils nennen wir ästhetisches Urteil. Hier  kommt unsere Seele ins Spiel, unser individuelles Gefühl darüber, was uns sympathisch oder unsympathisch ist, was wir schön oder hässlich finden. Zwar gibt es auch universelle Regeln für Schönheit wie z. B. die Größenverhältnisse, die dem goldenen Schnitt zugrunde liegen oder die Klänge der Solfeggio-Frequenzen, doch abgesehen davon, sind dem persönlichen Geschmack bzw. Schönheitsempfinden keine Grenzen gesetzt. Gefallen macht schön nennt es der Volksmund.

Als drittes gibt es das moralische Urteil. Das wird vor Gericht gesprochen, wenn der Richter entscheidet, ob jemand schuldig oder nicht schuldig ist. Diese Art von Urteil ist gemeint, wenn es heißt: urteile nicht! Und tatsächlich steht es uns gut an, uns zumindest im täglichen Leben damit zurück zu halten, denn was wissen wir schon über die Hintergründe und Motive einer Tat? Nicht von ungefähr rät uns Jesus Christus: Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. (Lukas 6, 37). Diese Worte spricht Christus vor dem Hintergrund der geistig-göttlichen Gerechtigkeit, dem Karma. Danach richtet sich jeder ohnehin selbst, da er das Bedürfnis hat, seine Fehler aus früheren Leben wieder auszugleichen. Den Mitmenschen auf der Erde steht es dagegen nicht wirklich zu, ein Urteil über jemand anderen zu fällen.

Eine kleine Geschichte aus China führt uns eindrucksvoll vor Augen, wie sehr wir doch manchmal mit unserem voreiligen moralischen Urteil danebenliegen können, einfach weil wir den höheren Plan hinter dem Geschehen nicht durchschauen und nur die unterste, gerade für uns offensichtliche Ebene betrachten:

Ein alter Mann lebte in einem Dorf. Sehr arm, aber selbst Könige waren neidisch auf ihn, denn er besaß ein wunderschönes weißes Pferd. Sie boten fantastische Summen für das Pferd, aber er verkauft es nicht. Eines Morgens fand er sein Pferd nicht im Stall. Das ganze Dorf versammelte sich, um die Leute sagten: „Du dummer alter Mann. Wir haben immer gewusst, dass das Pferd eines Tages gestohlen würde. Es wäre besser gewesen, du hättest es verkauft. Welch ein Unglück!“ Der alte Mann aber sagte: „Geht nicht zu weit das zu sagen. Sagt einfach: das Pferd ist nicht im Stall. Soviel ist Tatsache, alles andere ist Urteil. Ob es ein Unglück ist oder ein Segen weiß ich nicht, weil ich nicht weiß, was daraus folgen wird.“ Die Leute lachten den Alten aus. Sie hatten schon immer gewusst, dass er ein bisschen verrückt war.

Aber nach 15 Tagen kehrte das Pferd plötzlich zurück. Es war nicht gestohlen worden, sondern in die Wildnis ausgebrochen. Und nicht nur das, es brachte auch 12 wilde Pferde mit. Wieder versammelten sich die Leute und sagten: „Alter Mann, du hattest recht, es hat sich tatsächlich als Segen erwiesen.“ Der Alte entgegnete: „Wieder geht ihr zu weit. Sagt einfach, das Pferd ist zurück. Ihr lest nur ein einziges Wort in einem Satz. Wie könnt ihr das ganze Buch beurteilen?“

Der alte Mann hatte einen einzigen Sohn und der begann, die wilden Pferde zu trainieren. Schon eine Woche später fiel er vom Pferd und brach sich die Beine. Wieder versammelten sich die Leute, und wieder urteilten sie: „Alter Mann, du hattest recht. Es war ein Unglück. Dein einziger Sohn kann nun seine Beine nicht mehr gebrauchen. Und er war die Stütze deines Alters. Jetzt bist du ärmer als je zuvor.“ Der Alte antwortete: “ Ihr seid besessen vom Urteil. Geht nicht zu weit. Sagt nur, dass mein Sohn sich die Beine gebrochen hat. Niemand weiß, ob dies ein Unglück oder ein Segen ist. Denn das Leben kommt in Fragmenten, und mehr bekommt ihr nie zu sehen.“

Es ergab sich, dass das Land nach ein paar Wochen einen Krieg begann. Alle jungen Männer des Ortes wurden zwangsweise zum Militär eingezogen. Nur der Sohn des alten Mannes blieb zurück, weil er verkrüppelt war. Der ganze Ort war vom Wehgeschrei erfüllt, weil dieser Krieg nicht zu gewinnen war. Und man wusste, dass die meisten jungen Männer nicht nach Hause zurückkehren würden. Sie kamen zu dem alten Mann und sagten: „Du hattest recht, alter Mann. Es hat sich als Segen erwiesen. Dein Sohn ist zwar verkrüppelt, aber immerhin ist er noch bei dir.“ Der alte Mann antwortete wieder: „Ihr hört nicht auf, zu urteilen. Niemand weiß, was kommt. Sagt nur dies, dass man eure Söhne in die Armee eingezogen hat, und dass mein Sohn nicht eingezogen wurde. Doch nur Gott, der das Ganze kennt, weiß, ob dies ein Unglück oder ein Segen ist – urteile nicht….
Chinesische Geschichte aus der Zeit Laotse

Es gibt zumeist mehrere Ebenen der Wahrheit und am obersten Ende steht dann Gottes Plan. Bei diesem können wir sicher sein, dass alles nur zu unserem Besten geschieht, bei allem, was sich in den Ebenen darunter abspielt, sollten wir mit dem Urteilen aber vorsichtig umgehen

Fälschlicherweise setzen wir Urteilen und Bewerten in unserem normalen Sprachgebrauch häufig gleich.

Ein alter Mann lebte in einem Dorf. Sehr arm, aber selbst Könige waren neidisch auf ihn, denn er besaß ein wunderschönes weißes Pferd. Sie boten fantastische Summen für das Pferd, aber er verkauft es nicht. Eines Morgens fand er sein Pferd nicht im Stall. Das ganze Dorf versammelte sich, um die Leute sagten: „Du dummer alter Mann. Wir haben immer gewusst, dass das Pferd eines Tages gestohlen würde. Es wäre besser gewesen, du hättest es verkauft. Welch ein Unglück!“ Der alte Mann aber sagte: „Geht nicht zu weit das zu sagen. Sagt einfach: das Pferd ist nicht im Stall. Soviel ist Tatsache, alles andere ist Urteil. Ob es ein Unglück ist oder ein Segen weiß ich nicht, weil ich nicht weiß, was daraus folgen wird.“ Die Leute lachten den Alten aus. Sie hatten schon immer gewusst, dass er ein bisschen verrückt war.

Aber nach 15 Tagen kehrte das Pferd plötzlich zurück. Es war nicht gestohlen worden, sondern in die Wildnis ausgebrochen. Und nicht nur das, es brachte auch 12 wilde Pferde mit. Wieder versammelten sich die Leute und sagten: „Alter Mann, du hattest recht, es hat sich tatsächlich als Segen erwiesen.“ Der Alte entgegnete: „Wieder geht ihr zu weit. Sagt einfach, das Pferd ist zurück. Ihr lest nur ein einziges Wort in einem Satz. Wie könnt ihr das ganze Buch beurteilen?“

Der alte Mann hatte einen einzigen Sohn und der begann, die wilden Pferde zu trainieren. Schon eine Woche später fiel er vom Pferd und brach sich die Beine. Wieder versammelten sich die Leute, und wieder urteilten sie: „Alter Mann, du hattest recht. Es war ein Unglück. Dein einziger Sohn kann nun seine Beine nicht mehr gebrauchen. Und er war die Stütze deines Alters. Jetzt bist du ärmer als je zuvor.“ Der Alte antwortete: “ Ihr seid besessen vom Urteil. Geht nicht zu weit. Sagt nur, dass mein Sohn sich die Beine gebrochen hat. Niemand weiß, ob dies ein Unglück oder ein Segen ist. Denn das Leben kommt in Fragmenten, und mehr bekommt ihr nie zu sehen.“

Es ergab sich, dass das Land nach ein paar Wochen einen Krieg begann. Alle jungen Männer des Ortes wurden zwangsweise zum Militär eingezogen. Nur der Sohn des alten Mannes blieb zurück, weil er verkrüppelt war. Der ganze Ort war vom Wehgeschrei erfüllt, weil dieser Krieg nicht zu gewinnen war. Und man wusste, dass die meisten jungen Männer nicht nach Hause zurückkehren würden. Sie kamen zu dem alten Mann und sagten: „Du hattest recht, alter Mann. Es hat sich als Segen erwiesen. Dein Sohn ist zwar verkrüppelt, aber immerhin ist er noch bei dir.“ Der alte Mann antwortete wieder: „Ihr hört nicht auf, zu urteilen. Niemand weiß, was kommt. Sagt nur dies, dass man eure Söhne in die Armee eingezogen hat, und dass mein Sohn nicht eingezogen wurde. Doch nur Gott, der das Ganze kennt, weiß, ob dies ein Unglück oder ein Segen ist – urteile nicht….

(Chinesische Geschichte aus der Zeit von Laotse)

Freitags-Gedanken am 30. August: Das Mysterium des Herzens

Das ganze Universum ist im Körper enthalten, der ganze Körper im Herzen. So ist das Herz der Kern des ganzen Universums.
(Ramana Maharshi) 

Unser Körper ist ein dreigegliederter Organismus. Im unteren Teil verorten wir das Verdauungs- und Gliedmaßensystem, im oberen das Nerven- und Sinnessystem, in der Mitte schließlich finden wir das rhythmische System des Menschen mit Atmung, Blutkreislauf und natürlich … mit dem Herzen. Gemeinhin wird angenommen, dass das Herz als Pumpe fungiere, die das Blut in rhythmische Bewegung versetzt, doch es gibt nicht wenige Hinweise darauf, dass es sich gerade umgekehrt verhält, dass der Blutkreislauf also das Herz in Bewegung versetzt. Diese Auffassung wurde erstmals von Rudolf Steiner geäußert, der sie aus seiner anthroposophischen Erkenntnis und Schau heraus gewann. Neuere Forschungsergebnisse der Naturwissenschaft kommen zum gleichen Ergebnis. So bestätigt es Prof. Branko Furst in seinem Buch The Heart and Circulation, über das in der Fachzeitschrift Pharmacy & Therapie die folgende Beschreibung zu finden ist:

Zusammenfassend wurde versucht, den aktuellen Status des Druck-Antriebs-Modell der Zirkulation darzustellen und eine Reihe von Unstimmigkeiten hervorzuheben, die entweder wegerklärt oder zugeschnitten wurden, um zu dem traditionellen Modell zu passen. Nach dem mechanistischen (kardiozentrischen) Modell gilt das Blut als inerte Flüssigkeit, die entlang der Gefäße durch den vom Herz erzeugten Druckgradienten getrieben wird. Experimentelle und phänomenologische Beweise, die in dieser Monographie vorgestellt werden, legen das genaue Gegenteil nahe, nämlich, dass das Blut ein „flüssiges Organ“ mit einer charakteristischen inhärenten Selbstbewegung ist. Konzeptionell ist die autonome Bewegung des Blutes nicht anders als die autonome Kontraktion des Herzens, der enterohepatischen Kreislauf der Gallensalzen, oder die Zirkulation der Cerebrospinalflüssigkeit.
… die ontogenetische Herkunft und Morphologie des kardiovaskulären Systems zeigt an, dass es als ein Organ aufgefasst werden kann, dessen Funktion in der rhythmischen Vermittlung zwischen den Polen des Nerven-Sinnes-System und des Stoffwechsel-Systems  des Organismus besteht. Seine mobile Komponente, das Blut, erfüllt diese Funktion.

Der letzte Satz weist uns auf die Mittlerfunktion unseres Herzens hin. Das Organ liegt in der Mitte unseres Körpers und verbindet die drei Funktionskreise unseres Organismus miteinander. Das energetische Herz, das Herzchakra, liegt zudem als viertes von sieben Chakras ebenfalls in der Mitte. Hier hat es die Funktion eines Sinnesorgans, durch das zunächst das Kleinhirn mit Informationen über die Vorgänge im übrigen Körper versorgt wird. Das zentrale Chakra wird mit dem zwölfblättrigen Lotus gleichgesetzt. Wenn wir alle zwölf Blütenblätter zur Entfaltung bringen, so heißt es, sind wir auf einer hohen Bewusstseinsstufe angelangt, die wir als Herzdenken bezeichnen können. Unser Denken ist dann nicht mehr kalt und intellektuell, wie wir es von unserem heutigen Hirn gebundenen Alltagsdenken gewöhnt sind, sondern lebendig, beseelt und durchgeistigt. Die neuronalen Strukturen unseres Herzens, die denjenigen des Gehirns sehr ähneln, bieten die physiologischen Voraussetzungen für diesen Entwicklungsprozess. Rudolf Steiner wies bereits vor 100 Jahren darauf hin, dass sich das Herz zu einem Erkenntnisorgan entwickeln wird:

In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird, hat seine Anlage in dem gegenwärtigen Herzen. Aber wohlgemerkt: die Anlage zu diesem Organ ist im heutigen Herzen: um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur tasten, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“ (GA 267)

Wie das HearthMath Institut in den USA feststellte, hat unser Herz schon heute ein Magnetfeld, das dasjenige des Gehirns um das 500 bis 5000fache übertrifft. Messbar ist dieses Magnetfeld noch mehrere Meter außerhalb unseres Körpers. In dem Maße, in dem das Magnetfeld der Erde abnimmt, nimmt sein Pendant in unserem Inneren offenbar zu. Kosmonauten, die im Weltall gänzlich ohne irdisches Magnetfeld auskommen müssen, beschleunigen diese Entwicklung inzwischen durch spirituelle Übungen, die ihr Ich-Bewusstsein stärken und ihnen helfen, in ihrer Mitte zu bleiben. So kann die gefürchtete Weltraumkrankheit weitgehend vermieden werden.

Und nun zum Großartigsten überhaupt, was es im Zusammenhang mit der Zentralsonne unseres Mikrokosmos, unserem Herzen, zu erkennen gibt und was die meisten von uns bisher allenfalls erahnen können:

In dem Tempel des menschlichen Leibes befindet sich ein Heiligstes vom Heiligen. Viele Menschen leben in dem Tempel, ohne etwas davon zu wissen. Aber die, welche es ahnen, erhalten dadurch die Kraft, sich so zu läutern, daß sie in dieses Heiligste hineingehen dürfen. Da befindet sich das heilige Gefäß, welches durch Zeitepochen hindurch vorbereitet wurde, auf daß, wenn die Zeit käme, es fähig sein könne, das Christus-Blut, das Christus-Leben in sich zu enthalten. Wenn der Mensch hineingegangen ist, so hat er auch den Weg gefunden zu dem Allerheiligsten in dem großen Erdentempel. Auch da leben viele auf der Erde, ohne davon zu wissen; aber wenn der Mensch in seinem innersten Heiligtum sich gefunden hat, so wird er auch da hineintreten dürfen und finden den Heiligen Gral. Wie aus wunderbar glitzernden Kristallen geschliffen, welche Symbole und Buchstaben formen, wird sich ihm das Gefäß zunächst zeigen, bis er allmählich den heiligen Inhalt empfindet, so daß er für ihn leuchtet im goldenen Glanze. In die Mysterienstätte seines eigenen Herzens steigt ein Mensch hinein, dann geht ein göttliches Wesen aus dieser Stätte hervor und verbindet sich mit dem Gott draußen, mit dem Christus-Wesen. Es lebt in dem geistigen Lichte, welches hineinstrahlt in das Gefäß und dieses dadurch heiligt.“ (Rudolf Steiner, GA 265)

Das Mysterium des Heiligen Grals ist tausendfach in Geschichten behandelt worden. Rudolf Steiner verbindet es nun mit unserem Herzen.

Für mich steht es in untrennbarer Verbindung mit jener fünften Herzkammer, die der deutsch-iranische Mediziner Dr. Otoman Zar Aducht Hanish zu Beginn der 1920iger Jahre entdeckt hat. Dieses göttliche Atom, wie Hanish es nannte, befindet sich auf der Rückseite des Herzens nahe der Wirbelsäule. Sein Durchmesser beträgt ganze 4 mm und es beinhaltet ein Vakuum, einen Nullpunkt, der zugleich Nichts und Alles ist. Hanish fotografierte den Inhalt der Vakuumzelle und vergrößerte sein Foto ins Unermessliche. Zu sehen war das Abbild eines geschlechts- und alterslosen Menschen, der sich in der heiligen Form eines Dodekaeders befindet. Ist es jenes göttliche Wesen, von dem Steiner in der zitierten Textstelle spricht? Jenes Wesen, das in uns angelegt zu sein scheint, um sich mit dem Christus-Wesen zu vereinigen, wenn die Zeit dafür reif ist? Die Blaupause von einer perfekten Version unseres Selbst?

Und noch etwas: Könnte es sein, dass die fünfte Herzkammer zugleich der Punkt ist, von dem die Umstülpung des Menschen nach seinem physischen Tod ausgeht? Das Innerste wird nach außen gekehrt und das Äußere nach innen, gleich einem umgekrempelten Handschuh. Während unsere physische Hülle auf der Erde zurückbleibt, stülpt sich im Moment des Todes unser Mikrokosmos nach außen, um sich in den Makrokosmos zu ergießen. Jener kleine Punkt auf der Rückseite unseres Herzens wird von den Medizinern als Hot Spot bezeichnet und darf während einer Herz-Operation nicht berührt werden, da dies den sofortigen Eintritt des Todes bedeuten würde. Die Temperatur im Innern des Hot Spot beträgt 100 Grad Celsius, was wir im Inneren des menschlichen Organismus sicher niemals vermuten würden, ein Hinweis darauf, dass es sich bei unserem Herzen um ein Wärmeorgan handelt und, so scheint es, um den Wohnsitz unseres I.Ch, des Jesus Christus in uns.

Strahlender als die Sonne
Reiner als der Schnee
Feiner als der Äther
Ist dies Selbst
Der Geist inmitten meines Herzens
Dies Selbst bin Ich
Ich bin dies Selbst

(Rudolf Steiner)

Freitags-Gedanken am 23. August: Türme

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang

(Rainer Maria Rilke)

Auch in diesem Gedicht erscheint der Turm als wichtiges Symbol, wie es uns immer wieder in alten Schriften, in der Mythologie und in der Literatur begegnet. Offensichtlich steht er für etwas Bedeutsames, für etwas großes, das der Mensch anstrebt, über das er sich Klarheit verschaffen möchte und um das er ringen muss. Nicht immer scheint es ihm innerhalb der Zeitspanne eines Erdenlebens zu gelingen, seine eigene Position und Rolle im Verhältnis zu diesem Turm zu durchschauen. Der Turm ist ein Symbol für Entscheidendes und für Entscheidungen.

Eine der bekanntesten Turm-Geschichten finden wir im dem Alten Testament: Den Turmbau zu Babel, der untrennbar mit der Babylonischen Sprachverwirrung verbunden ist.

1 Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. 2 Als sie nun nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. 3 Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel 4 und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. 5 Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. 6 Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. 7 Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! 8 So zerstreute sie der HERR von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. 9 Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder. (Gen 11, 1-9)

In früher, vorbabylonischer Zeit empfand der Mensch sich im Einklang mit dem Weltenall, mit allem Geistigen. Bauwerke wurden nach den Maßen des Kosmos bzw. des menschlichen Körperbaus errichtet, was im Grunde auf dasselbe hinausläuft, da der Mensch sich als Mikrokosmus und damit als Abbild des Makrokosmos verstand. Überall, im Großen wie im Kleinen, finden wir daher dieselben heiligen Größenverhältnisse. Die Aufgabe der Babylonier im Weltenplan war es nun, das Göttlich-Geistige auf die Erde, sprich auf die Ebene der Persönlichkeit herunter zu holen. Dies war ein bedeutsamer und notwendiger Schritt in der Menschheitsentwicklung, der sich in der dritten nachatlantischen Kulturepoche (2907-747 v. Chr.) vollziehen musste. Der Mensch empfand sich erstmals als individuelle Persönlichkeit in der physischen Welt, getrennt von den anderen Individuen und getrennt von Gott. Die babylonische Sprachverwirrung führte dazu, dass die Menschen verstreut wurden und sich nicht mehr untereinander verstanden bzw. verständigen konnten. Vor diesem Hintergrund konnte der Turmbau nicht zum Erfolg führen, denn das Bauwerk sollte ein Ausdruck und Wahrzeichen für die ewigen heiligen Wahrheiten sein. Ziel der weiteren Menschheitsevolution ist es nun, dass es uns zunehmend gelingen mag, das Göttlich-Geistige auch im Materiellen auf der Erde zu erkennen bzw. die Materie wieder zu durch- und vergeistigen.  Dies kann  nicht von heute auf morgen geschehen, sondern nur als Ergebnis eines langen, schmerzhaften Prozesses durch mehrere, jeweils 2.160 Jahre dauernde Kulturepochen hindurch, zur Verwirklichung gelangen.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass wir uns im Moment in einer besonderen Phase der Entscheidung befinden. Auf der einen Seite scheint die Polarisierung, die Spaltung der Meinungen, Völker und Religionen so groß wie nie zuvor, auf der anderen Seite keimen aber auch die ersten zarten Pflänzchen der Rückkehr zur Einheit auf und versuchen, sich ihren Weg durch das noch so feste Erdreich zu bahnen. Diese Einheit wird jedoch eine andere sein als die der vorbabylonischen Zeit, denn sie hat die Erfahrung der Trennung, der Vereinzelung durchlaufen und diese zu etwas Neuem, zuvor nie Dagewesenen veredelt. Wenn dieser Prozess zumindest für einen Teil der Menschheit erfolgreich verläuft, wenn wir uns also auf der Grundlage unserer Individualität wieder auf unsere göttlich-geistige Herkunft und Substanz zurückbesinnen, können wir uns an einen neuen Turmbau heranwagen. Doch es wird kein physisches Bauwerk mehr sein müssen, denn der Mensch trägt nach erfolgreicher Vollendung dieses Prozesses die Weisheit um das Göttlich-Geistige in sich. Religion und ihre äußeren Zeichen werden in diesem Moment überflüssig. Müßig, darauf hinzuweisen, dass wir wohl noch lange nicht am Ende dieser Entwicklung angelangt sind.

In der großen Arkana des Tarot treffen wir den Turm auf der 16. Etappe des Weges des Narren, des Helden, an. Die Karte zeigt einen vom Blitz getroffenen brennenden Turm, aus dem zwei Menschen hinabstürzen. Das Geschehen wirkt dramatisch und signalisiert einen erzwungenen Umsturz, einen radikalen Wandel. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel trifft uns dieses Ereignis, das in uns einen Schock auslösen kann. Es stellt sich die Frage, wie gehen wir damit um: wehren wir uns dagegen oder stellen wir uns der Herausforderung? Begleitet werden die herunterstürzenden Menschen auf der Karte von 22 Feuerfunken, die die Form des Hebräischen Buchstaben Yod haben, ein Hinweis darauf, dass das dramatische Geschehen vielleicht nicht nur negativ zu bewerten ist. Yod ist im Hebräischen der erste Buchstabe des heiligen Namens Gottes, der uns wachrüttelt, wenn wir einen Weg eingeschlagen haben, der uns allzu sehr in die Irre führt. Das gilt sowohl für unser individuelles Leben als auch für die Menschheit als Ganzes. Im speziellen Tarot von Aura-Soma gibt es für alle Karten der großen Arkana eine Rückwegs-Karte. Diejenige für den Turm zeigt Erzengel Michael vor dem Hintergrund des Tor auf dem Hügel von Avalon. Michael hat den ahrimanischen Drachen besiegt und ihn auf die Erde verbannt. Jetzt sind wir Menschen es, die sich mit dem Widersacherprinzip auseinander zu setzen haben. Diese Herausforderung  ist heftig, doch sie birgt gleichzeitig die Chance der Meisterung in sich. Michael überlässt uns in Freiheit unserem Schicksal, doch er steht uns auch zur Seite, wenn wir bereit für einen neuen, nunmehr inneren Turmbau sind.

In diesem Zusammenhang naheliegend ist die Assoziation mit dem Einsturz der Zwillingstürme in New York City, jenem Ereignis, das sich als 9/11 in unsere Herzen eingebrannt hat. Ein weiteres Gebäude des aus sieben Bauwerken bestehenden World-Trade-Center-Komplexes stürzte ebenfalls ein, die vier übrigen waren so stark beschädigt, dass sie später eingerissen werden mussten. Das WTC galt als Zentrum der Finanz- und Geschäftswelt, sozusagen als Tempel des Materialismus und der Globalisierten Welt, manche würden vielleicht sagen, es war ein Sinnbild für die Dekadenz der westlichen Zivilisation.

Was will uns diese Symbolik sagen? Was bedeutet es, dass gerade das Zentrum des modernen Babylon (New York) in sich zusammengestürzt ist, ja geradezu atomisiert wurde? Was hat dieser Schock, der damals um die Welt ging, in uns ausgelöst und bewirkt? Haben wir die Botschaft verstanden? Haben wir uns daraufhin gewandelt oder leben wir seither einfach so weiter wie zuvor, nur mit beschleunigten Globalisierungsbestrebungen, noch konzentrierter Finanz-Herrschaft und noch mehr Kriegen, die durch 9/11 ihre scheinheilige Rechtfertigung gewannen? Welche Macht ist damals entfesselt worden und welche Chance haben wir, darauf zu reagieren?

Diese unbequemen Fragen sollen das Ereignis in keiner Weise bewerten, sondern lediglich Denkanstöße geben. Beantworten mag sie ein jeder für sich selbst.

Freitags-Gedanken am 16. August: Gedanken über das Glück

In unserem normalen Sprachgebrauch unterscheiden wir Glück haben und glücklich sein. Mit ersterem bewerten wir ein Ereignis, während das letztere einen Seelenzustand beschreibt.

Nicht immer ist es etwas Besonderes, was wir mit Glück haben bezeichnen. Wir beziehen diese Redewendung auch auf gewöhnliche Alltagssituationen, zum Beispiel wenn wir den Bus gerade noch erwischt haben oder kurz vor einem heftigen Regenschauer noch im Trockenen zu Hause angekommen sind, kleine alltägliche Ereignisse, die für eine kurze Zeit ein Gefühl der Freude in uns hervorrufen können. Meist ohne länger darüber nachzudenken, gehen wir danach schnell wieder zur Tagesordnung über.

Doch manchmal geht es auch um etwas Größeres, etwas, das unser Leben nachhaltig in eine bestimmte Richtung lenkt, das Weichen stellen kann für unsere Zukunft und unsere weitere Entwicklung.  Ob es sich nun um den gewünschten Studienplatz, den begehrten Job, die berufliche Beförderung oder den neuen Lebenspartner handelt, wir reden immer dann von „Glück haben“, wenn uns das jeweilige Ereignis gelegen kommt, wenn es unseren Plänen zu entsprechen und unser Leben in eine positive Richtung zu bewegen scheint. Wenn der gewünschte Erfolg eintritt, freuen wir uns, sind begeistert und schmieden detaillierte Zukunftspläne.

Wenn wir das, was wir uns vorgenommen haben, dagegen nicht erreichen, sind wir enttäuscht, empfinden je nach Veranlagung Wut, Trauer, Resignation oder ein Gefühl des Zurückgestoßen- und Abgewiesen-Worden-Seins, negative Empfindungen, die an unserem Selbstwertgefühl  nagen können. Erst später fragen wir uns nach den Ursachen für die Niederlage und meist erst im zweiten Schritt, wofür sie wohl gut sein mag, was wir daraus lernen können und wovor sie uns möglicherweise sogar bewahrt haben mag.

Nicht immer entsprechen unsere vermeintlichen Wünsche unserem Lebensplan, denn an dessen Erstellung haben wir zwar selbst einst mitgewirkt, ihn jedoch später nach unserer physischen Geburt in die Welt hinein wieder vergessen. So konnten die Konditionierungen und Erwartungen unseres Erdendaseins Besitz von uns ergreifen und wir meinten, dass sie die unsrigen seien. Doch manchmal haben wir noch eine Ahnung, eine dumpfe Erinnerung an unser Leben in jener anderen Welt, in der wir uns zwischen dem vergangenen Tod und unserer letzten Geburt bewegt haben. Tief in unserem Inneren spüren wir dann, dass an dem, was wir vordergründig für unser Glück halten, etwas nicht stimmig ist und so arbeiten wir auf unbewusster Ebene an der Erfüllung unseres Lebensplans und damit gleichzeitig gegen unseren vermeintlichen Erfolg. Neben uns selbst haben auch noch andere Wesen an unserem Karma und unserem Plan für dieses Erdenleben mitgewirkt. Wenn diese hohen Wesenheiten wahrnehmen, dass wir uns allzu weit von unserem Lebensplan entfernen, helfen sie mitunter etwas nach und schubsen uns wieder in die richtige Richtung.

Das Ziel ist also nicht in erster Linie, möglichst viel Glück zu haben, sondern gerade auch aus dem Unglück zu lernen und daran zu wachsen. Wir schaffen uns unsere Herausforderungen, unser Glück und unser Unglück also selbst, und zwar in dem Maße, wie sie uns dienlich für unsere Weiterentwicklung sind.

Glücklich-Sein dagegen ist unabhängig vom äußeren Geschehen. Um dieses tiefe Gefühl von Harmonie im Innern empfinden zu können, muss nicht unbedingt ein besonders positiver Umstand in der physischen Welt eingetreten sein. Es reicht, wenn wir mit uns selbst im Einklang und uns in Harmonie mit dem Kosmos befinden. Im Unterschied zur Freude, bei der unser Herz regelrechte Hüpfer machen kann, erleben wir diese tiefe Empfindung der Glückseligkeit wie einen ruhigen, weiten Ozean in unserem Inneren. Es ist wie ein Erkennen unseres Selbst und gleichzeitig des gesamten Universums, grenzenlose Verbundenheit beseelt uns. In diesem Moment strömt die Weisheit in unsere Seele Du bist alles und alles ist in dir.

Wir können diesen Zustand der Glückseligkeit leicht erleben, wenn wir in der Natur weilen, im Wald, vor einem Bergpanorama, an einem See oder am Strand. Wir können ihn auch erleben, wenn wir ein fröhliches Kinderstimmchen hören, beobachten, wie zwei Menschen sich liebevoll umarmen oder wie ein Vater mit seinen Kindern Fußball spielt, Klänge schöner Musik, die Betrachtung eines Kunstwerks – all das wirkt förderlich auf eine solche Erfahrung von Glück und doch bedarf es dieser Sinneseindrücke nicht.  Vielmehr kommt es darauf an, dass wir diese Fähigkeit zum Erleben von Glückseligkeit aus uns selbst heraus entwickeln lernen, auch ohne Input von außen. Und wie großartig kann es sein, auch im Kleinen, ganz Alltäglichen das Wunderbare zu entdecken! Diese Fähigkeit ist eng mit dem Zugang zur Göttlichen Liebe und –  nach dem Aura-Soma- Farbverständnis – mit der Farbe Magenta verknüpft. Magenta steht für unseren Seelenstern, das achte Chakra oberhalb unseres Scheitels, der unser höheres Selbst und unsere Verbundenheit mit dem Göttlichen repräsentiert.

Wie schön wäre es, wenn wir dieses Verbundenheitsgefühl nicht nur ab und zu einmal für kurze Zeit erleben dürften, sondern dauerhaft in uns zum Erblühen bringen könnten! Dann würde es uns durch unser gesamtes Leben leiten, alle unsere Gedanken, Gefühle und Taten liebevoll durchdringen. Zugegeben, ein hoher Anspruch, dem heute allenfalls einige wenige Meister genügen! Doch wir sollten uns nicht entmutigen lassen und uns bewusst immer wieder und wieder in einen Zustand von Gleichmut hineinversetzen. Damit vermeiden wir die gefühlsmäßgen Ausnahmezustände von „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“ und arbeiten gleichzeitig an unserem Schulungsweg, dessen siebente und damit höchste Stufe als „Gottseligkeit“ bezeichnet wird. Üben können wir das ganz besonders an den Herausforderungen unseres Alltagslebens, z. B. mit Hilfe der dritten Nebenübung von Rudolf Steiner, die er Gelassenheitsübung genannt hat.

Bei der dritten Nebenübung, dem Ausgleich zwischen Freud und Leid, sollen wir uns ganz hineinfinden und hineinfügen in alles Geschehen. Dann wird sich allmählich unser Ätherleib ausdehnen bis in die Himmelsweiten hinein. Wir werden uns dann nicht mehr in unserem Körper drinnen fühlen und die ganze Welt um uns herum, sondern wir fühlen unseren Körper in den ganzen Umkreis ausgebreitet; ausgeweitet und hineinergossen fühlen wir uns in die geistigen Welten. Man erfühlt, man «erweiß» sich in der geistigen Welt. (Rudolf Steiner, GA 266c)

Ich wünsche uns allen viel Freude beim Üben 🙂

 

 

Freitags-Gedanken am 26. Juli: Metamorphose der Menschheit

Es ist unverkennbar: die Welt, in der wir leben, ändert sich in rasantem Tempo. Globalisierung, Digitalisierung und Reglementierung bestimmen mehr und mehr unseren Alltag und dringen tief hinein in alle Lebensbereiche. Zunehmend entfernen wir uns von dem, was wir als menschengerechte Lebensbedingungen bezeichnen. Immer mehr Menschen haben keinen Zugang mehr zur Natur, zu ihren Mitmenschen und Mitgeschöpfen, ja nicht einmal zu sich selbst.  Ohne ihr Smartphone fühlen sie sich unvollständig und würden nicht einmal mehr im Park spazieren gehen. Sie machen sich und ihre Existenz geradezu abhängig von jener Technik, die uns doch eigentlich dienen sollte.

Die rasant zunehmende Technisierung der Welt und die damit verbundene ahrimanische Entfremdung des Menschen von allem Natürlichen, Lebendigen, Kulturellen und Geistigen ist jedoch nur eines unserer aktuellen Menschheitsprobleme. Hinzu kommen stark belastete Nahrungsmittel, Chemtrails am Himmel, Implantate in unseren Körpern, Plastik in den Meeren, Verelendung ganzer Erdregionen und Flüchtlingswellen, die jedes bisher gekannte Ausmaß zu sprengen drohen… und diese Liste ließe sich beliebig erweitern.

Es mag Zeitgenossen geben, die das alles bis heute nicht wahrnehmen oder nicht wahr haben wollen, doch es fällt von Tag zu Tag schwerer, die Augen vor diesen Entwicklungen zu verschließen. So wirken die nicht enden wollenden Hiobsbotschaften tatsächlich auch im großen Stil erweckend. Doch die Reaktionen der Erwachenden auf das Geschehen sind unterschiedlich. Fassungslosigkeit, Frustration, Angst, Wut und Hass sind da verständlicherweise keine Seltenheit. Verschwörungstheorien boomen und so mancher findet Gefallen daran, immer neue Unterdrückungsdetails ans Licht zu befördern. Das ist ein wichtiger Entwicklungsschritt auf dem Weg zum Erwachen und, wenn wir ehrlich sind, haben die meisten von uns diese Phase durchlebt und durchlitten.

Doch neben der Existenz von Schlafschafen und Erwachenden beginnt sich längst etwas Drittes, Neues zu formieren. Einige Menschen haben sich entschlossen, nicht mehr bloß gegen Missstände anzuwettern, sondern ihnen etwas Reales, Handfestes entgegenzusetzen. Zunächst sind es Einzelne oder kleine Gruppen, die ihrer Kreativität und ihrem Schaffensdrang Ausdruck verleihen, um neue Ideen zum Wohle unserer Erde und ihrer Bewohner in die Welt zu bringen. Wie der Wachstumsprozess eines solchen Werdens verläuft, unterliegt offensichtlich einer gewissen Gesetzmäßigkeit. Karl Gamper hat diesen Prozess in seinem Fernlehrgang Die Vision von NeuLand einmal am Beispiel der Metamorphose einer Raupe zum Schmetterling veranschaulicht:

Aus einer Raupe wird ein Schmetterling. Da uns dieser Vorgang

so geläufig ist, übersehen wir leicht die inneren Prozesse,

die aus einem kriechenden, gefräßigen Wurm einen bunten,

fliegenden Schmetterling werden lassen. Ein vollkommen

anderes Wesen. Um die darin verborgene Genialität besser zu

verstehen, hier ein Röntgenblick auf das innere Geschehen.

 

Welche Prozesse werden gestartet, damit aus einer Raupe ein

Schmetterling wird?

Das Ende der Lebenszeit einer Raupe wird durch neue Zellen

eingeläutet, die sich im Inneren der Raupe bilden. Eine Art

naturgegebener Aktivierungscode löst das Werden neuer

Zellen aus. Wichtig: Die neuen Zellen schwingen in einer

höheren Frequenz als der Rest des Raupenkörpers. Wissenschaftler

nennen diese höher schwingenden Zellen „imaginativ“

oder einfach „Imago-Zellen“. Die imaginativen Zellen

enthalten Strukturen und Informationen des Schmetterlings,

der sich in der Zukunft bilden soll. Imago-Zellen repräsentieren

sozusagen das Zukunfts-Selbst der Raupe.

In der Raupe wird das Immunsystem aktiviert. Dieses greift

die neuen Zellen an und bekämpft sie. Viele werden getötet.

Dabei gilt es deutlich zu sehen: Die Raupe erkennt die neuen

Zellen NICHT als Zellen aus ihrem eigenen Körper an,

sondern ordnet diese als etwas Raupenfremdes ein, das es zu

bekämpfen gilt. Tatsächlich werden viele Imago-Zellen der

ersten Generation getötet. Doch es bildet sich sogleich eine

zweite Generation von imaginativen Zellen, die sich schnell

vermehren. Diese werden auch angegriffen, doch mit einem

deutlich geringeren Ergebnis.

(!) Sehr spannend dabei ist, dass die Imago-Zellen die angreifenden

Immunzellen als Ihresgleichen erkennen. Dies

wiederum führt zu einem Sinneswandel bei den angreifenden

Immunzellen. (!)

Im Kern geht es in diesem Stadium noch um einen Kampf

zwischen dem Alten und den Neuen.

Wie geht es weiter?

Im Inneren der Raupe geschieht etwas höchst Erstaunliches.

Die ursprünglich isoliert agierenden Imago-Zellen beginnen,

sich untereinander zu erkennen und verbinden sich. Es entstehen

imaginative Klumpen.

Der nächste Schritt?

Im nächsten Schritt verbinden sich diese einzelnen imaginativen

Klumpen mit anderen, werden so größer, und es formen

sich imaginative Gruppen, ja sogar regelrechte Netzwerke.

Eines dieser neuartigen Netzwerke haben wir gerade mit www.jungelo.de gebildet und es wird nicht das einzige bleiben. Selbst wenn Youtube-Kanäle abgeschaltet werden,  Zensur und Kontrolle weiter um sich greifen, selbst wenn es den Widersacherkräften im ersten Anlauf gelingen sollte, uns zum Schweigen zu bringen, es wird ihnen auf Dauer nichts nützen. Denn die zweite Generation steht bereits in den Startlöchern, um aus dem erdgebundenen Raupen-Wesen ein geistiges Schmetterlings-Wesen werden zu lassen, das sich seiner Schöpferkraft voll bewusst ist.

Dieses Wesen nennen wir dann mit Fug und Recht: MENSCH.

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