Es gibt zwei Wege das Leben zu leben: Alles selbstverständlich zu nehmen, oder die ganze Welt als Wunder zu betrachten.
Ich glaube an Letzteres.

 

– Albert Einstein

„Der Mensch ist dem Weltlauf gegenüber nicht ein müßiger Zuschauer, der innerhalb seines Geistes das bildlich wiederholt, was sich ohne sein Zutun im Kosmos vollzieht, sondern der tätige Mitschöpfer des Weltprozesses; und das Erkennen ist das vollendetste Glied im Organismus des Universums.“

– Rudolf Steiner

„So etwas wie Dunkelheit gibt es nicht.
Es gibt nur die Abwesenheit von Licht“

– Vicky Wall

Freitags-Gedanken am 25. Oktober: Verzicht und Fülle

Verzicht und Fülle? Der eine oder die andere wird sich sicher fragen, wie diese beiden zunächst so widersprüchlich erscheinenden Begriffe zueinander passen und hier gar in einem Atemzug genannt werden. Vielmehr entspricht es doch unserer Erfahrung, einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen unserer Willenskraft, dem, was wir auf- bzw. einbringen und dem, was wir dafür als Gegenwert erhalten, herzustellen. Je bessere Nahrungsmittel wir zu uns nehmen, je kräftiger und gesünder werden wir. Je mehr wir uns anstrengen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, je größer sind unsere Erfolgsaussichten. Je mehr wir arbeiten, umso mehr Geld verdienen wir. Je mehr Geld wir bezahlen, umso hochwertiger ist die Ware bzw. Dienstleistung, die wir dafür erwarten dürfen. Doch dieses Prinzip gilt offensichtlich nur für unsere physische Daseinsebene. Rudolf Steiner schreibt dazu das Folgende:

Nun ist das aber nur bis zu einem gewissen Grade richtig, daß wir, wenn wir unseren Willen verstärken, Großes in der Welt erreichen. Von einem gewissen Punkt an ist das nämlich nicht mehr der Fall. Gewisse Taten, die der Mensch tun kann, Taten, die sich vor allen Dingen auf die geistige Welt beziehen, hängen nun nicht ab von der Verstärkung unserer Willensimpulse, sonderbarerweise. Gewiß, in der physischen Welt, in der wir zunächst leben, wird die Größe der Tat abhängen von der Größe des Willensimpulses, denn wir müssen uns stärker anstrengen, wenn wir mehr erreichen wollen. Aber in der geistigen Welt ist das gar nicht so, sondern da tritt das Gegenteil von dem ein. Da ist es so, daß zu den größten Taten, zu den größten Wirkungen, können wir besser noch sagen, nicht eine Verstärkung des positiven Willensimpulses notwendig ist, sondern vielmehr eine gewisse Resignation, ein Verzicht. Wir können da schon von den kleinsten, rein geistigen Tatsachen ausgehen. Wir erreichen eine gewisse geistige Wirkung nicht dadurch, daß wir möglichst unsere Begehrlichkeit in Szene setzen, oder möglichst geschäftig sind, sondern in der geistigen Welt erreichen wir gewisse Wirkungen dadurch, daß wir unsere Wünsche und Begierden bezähmen und auf deren Befriedigung verzichten. Nehmen wir einmal an, ein Mensch habe es darauf abgesehen, durch innere geistige Wirkungen etwas in der Welt zu erreichen. Dann muß er sich dazu dadurch vorbereiten, daß er vor allen Dingen seine Wünsche, seine Begierden unterdrücken lernt. Und während man in der Welt des Physischen kräftiger wird, sagen wir, wenn man gut ißt, wenn man sich gut ernährt und dadurch mehr Kräfte hat, wird man – es ist das jetzt nur eine Schilderung, kein Rat! – in der geistigen Welt Bedeutsames in einer gewissen Weise gerade dann erreichen, wenn man fastet oder in einer anderen Weise etwas tut, um die Wünsche und Begierden zu unterdrücken, zu bezähmen. Und zu den größten geistigen Wirkungen, sagen wir zu magischen Wirkungen, gehört immer eine solche Vorbereitung, die zusammenhängt mit Verzicht auf Wünsche, Begierden, Willensimpulse, die in uns auftreten. Je weniger wir «wollen», je mehr wir uns sagen: Wir lassen das Leben an uns vorüberströmen und begehren nicht dies und begehren nicht jenes, sondern nehmen die Dinge, wie sie uns Karma zuwirft -, je mehr wir so Karma und seine Wirkungen hinnehmen und ruhig uns verhalten in einem Verzicht in bezug auf alles, was wir sonst im Leben erreichen wollen für dieses Leben, desto kräftiger werden wir zum Beispiel in bezug auf Gedankenwirkungen. (GA 132, 3. Vortrag)

Wie sonst wäre es auch erklärbar, dass uns manchmal in scheinbar ausweglosen Situationen von unerwarteter Seite etwas zufließt, mit dem wir nicht rechnen konnten und um dessen Erhalt wir uns auch in keiner Weise aktiv bemüht haben. Das scheint vor allem dann der Fall zu sein, wenn wir uns klar für einen bestimmten Weg entschieden haben, der für uns und andere förderlich ist und der in irgendeiner Weise der Fortentwicklung dient, allerdings der Fortentwicklung in einer nichtmateriellen Weise. Zum Beispiel haben wir den dringenden Wunsch, ein spirituelles Seminar zu besuchen, können uns dies aber finanziell nicht leisten. Wenn unser Wunsch stark genug ist und unsere Absichten rein und wahrhaftig sind, wird uns die geistige Welt Möglichkeiten eröffnen, unser Vorhaben umzusetzen. Vielleicht bekommen wir gerade dann eine Steuerrückzahlung vom Finanzamt oder eine unerwartete finanzielle Zuwendung von anderer Seite? Ich habe Ähnliches schon häufig erlebt und da bin ich sicher nicht die Einzige. Interessanterweise kam in diesen Situationen immer ein Geldbetrag auf mich zu, der sich genau auf die Höhe belief, die ich für meine jeweilige Unternehmung benötigte. Es blieb kein Überschuss, den ich für andere, weniger wichtige Dinge hätte verwenden können und der mich sicher nur von meinem eigentlichen Vorhaben abgelenkt hätte.

Auf diese Weise habe ich mir zum Beispiel die Erstanschaffung meiner Aura-Soma-Produkte leisten können und war es mir auch möglich, 2015 mein Geschäft/meine Praxis stilvoll einzurichten und termingerecht zu eröffnen. In beiden Fällen stand tatsächlich nicht mein Ego im Vordergrund, sondern mein Wunsch, den Menschen, die dafür empfänglich waren, etwas weiterzugeben, das ich selbst zuvor erfahren durfte und für das ich tiefe Dankbarkeit empfand.

Es kommt in diesen Fällen darauf an, dass wir konsequent unserer inneren Führung folgen und uns nicht von den Ratschlägen unserer meist materialistisch eingestellten Mitmenschen irritieren lassen. Ihre Ratschläge sind sicher auf dieser Ebene gut gemeint, unsere wahren Absichten können sie jedoch nicht nachvollziehen, weil sie sich jenseits ihres Blickfelds befinden. Wie sehr hat mir mein Umfeld damals davon abgeraten, dieses Geschäft zu eröffnen, noch dazu in einer Gegend, wo doch keinerlei Potenzial für derartig abgehobene Angebote zu erwarten war?! Das konnte doch nur ein Verlustgeschäft werden!

Meine eigene Bilanz fällt jedoch völlig anders, ja geradezu entgegengesetzt aus. Äußerlich mögen die warnenden Stimmen recht behalten haben, denn, wie erwartet, haben sich nur wenige für mein Angebot interessiert und finanziell konnte ich keine Gewinne erzielen. Doch darum war es niemals gegangen. Die wenigen, die ich erreichen konnte, haben davon profitiert und ich selbst natürlich auch. Was habe ich in dieser Zeit für wunderbare Gespräche führen dürfen und welchen wunderbaren Menschen durfte ich begegnen! Im Nachhinein bin ich davon überzeugt, dass ich einfach dem Ruf meines Karmas gefolgt bin und alles genauso geschehen sollte, wie es letztlich geschah. Doch das war mir zum Zeitpunkt der Eröffnung noch nicht bewusst. Tatsächlich habe ich auch viel investiert: Geld, Zeit und Kraft und mancher würde sagen, auf vieles verzichtet. Doch ich habe mindestens genauso viel zurück erhalten. Nicht einmal habe ich diesen Schritt bereut und nicht einmal hatte ich ernsthafte Bedenken, dass mich meine nicht immer gut frequentierte Praxis in den Ruin treiben könnte. Während der ganzen Zeit behielt ich das Vertrauen und die Zuversicht, dass mich die geistigen Kräfte davor bewahren würden. Und ich habe mich nicht in ihnen getäuscht.

Wie ist es möglich, dass uns heutigen Menschen so eine Gnade widerfahren kann?

Es ist möglich, durch den Verzicht, ja das Opfer höherer Wesen, die diesen Weg vor Äonen für uns geebnet haben. Die gesamte Geschichte der Entwicklung der Erde und ihrer Vorgängerinkarnationen (Saturn, Sonne und Mond) ist getragen von Opfern, die hohe geistige Wesen erbracht haben, zunächst damit der jeweils nächste Evolutionsschritt möglich wurde und letztlich damit wir Menschen uns so entwickeln konnten wie wir es bis heute getan haben.

Schon auf dem alten Saturn, der ersten durch Rudolf Steiner bekannt gewordenen Verkörperung der Erde, wirkten hohe geistige Wesenheiten wie die Archai, die Throne und die Cherubim miteinander und füreinander. Die Throne oder Zeitgeister opferten ihre Willenssubstanz in Form von Wärme an die Cherubim, die dadurch erst in die Zeitlichkeit eintraten. Durch diesen Vorgang wurde die Entwicklung unseres Planetensystems überhaupt erst in Gang gesetzt. Später entwickelten einige der Cherubim die Tugend, auf dieses Opfer der Throne zu verzichten (schöpferische Resignation). Dadurch hoben sie sich wieder aus der Zeitlichkeit heraus und traten in die Ewigkeit bzw. in die Unsterblichkeit ein. In ähnlicher Weise setzt sich das Wirken von schöpferischem Verzicht oder schöpferischer Resignation hoher Wesenheiten in den späteren Inkarnationen der Erde fort. Wie uns das Alte Testament der Bibel von einer vergleichsweise deutlich näher liegenden Vergangenheit berichtet, verzichtete der israelitische Gott Jahve auf das Opfer Abrahams in Gestalt seines erstgeborenen Sohnes Isaak. So konnte dieses Volk fortbestehen und schließlich diejenige Wesenheit hervorbringen, die das größte Opfer von allen gebracht hat: Jesus Christus.

Durch den Verzicht des Christus darauf, dem verräterischen Wirken Judas‘ Einhalt zu gebieten und seinem eigenen Tod zu entgehen, wurde die Auferstehung möglich. Dadurch legte Christus den Ewigkeitstropfen und die Möglichkeit der Unsterblichkeit auch in uns Menschen. Auch wir Menschen haben heute die Option, Verzicht zu üben. Wenn wir diese ergreifen, bewirken wir damit vielleicht Entwicklungen, die sich förderlich auf die  kosmischen Geschehnisse auswirken, auch wenn uns das im Moment unserer Entscheidung noch gar nicht bewusst sein mag.

 

2 Kommentare zu “Freitags-Gedanken am 25. Oktober: Verzicht und Fülle

  1. Liebe Ursula,
    ich danke dir sehr für dieses prägnante Thema! Was du dort beschreibst, kann ich anhand meines 1-jährigen, sehr leidvollen Aufenthalt in Spanien, nur zu gut bestätigen. Deshalb nenne ich ihn auch „meinen persönlichen Pilgerweg“! Du weißt unter welchen Umständen ich die meisten Monate dort verbracht habe, die kein Zuckerschlecken waren. Jedoch möchte ich keine Sekunde des Erlebten missen. Es war reich an Erfahrungen, Erkenntnisse, viele Wahrheiten die ich dort erleben durfte und erheblich dazu beitrugen mein Weltbild zu korrigieren! Immer wenn es absolut schlecht ging, erfuhr ich große und kleine Wunder, die ich wirklich nur als Wunder um- u. beschreiben kann. Je mehr wir Verzicht üben und bewusst durch das Leben gehen, umso mehr Fülle erhalten wir durch die geistige Welt.
    Natürlich fällt es nicht immer leicht sich darin zu üben, doch je mehr man sich mit der Anthroposophie beschäftigt, war es bei mir so, das sich diese Demut von ganz alleine einstellte. Klar sehe ich auch schöne Dinge die mir gefallen aber ich neige nicht mehr dazu, sie sofort kaufen zu müssen und beim zweiten Überlegen, hat sich der fordernde materielle Gedanke und die Sinnhaftigkeit der „Sache“ schon verflüchtigt! 🙂
    Hierbei helfen auch sehr gut die Nebenübungen Rudolf Steiners. Natürlich kann man nicht alles Materielle verteufeln aber man muss die Widersacherkräfte durchschauen und dementsprechend die Dinge vergeistigen. Nicht immer können wir u.a. aus beruflichen Zwecken darauf verzichten aber dennoch sollten wir uns darüber mehr Bewusstheit verschaffen.

    Ich wünsche ein wunderbares Wochenende, in den sinnlichen Angelegenheiten,
    Maria

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