Es gibt zwei Wege das Leben zu leben: Alles selbstverständlich zu nehmen, oder die ganze Welt als Wunder zu betrachten.
Ich glaube an Letzteres.

 

– Albert Einstein

„Der Mensch ist dem Weltlauf gegenüber nicht ein müßiger Zuschauer, der innerhalb seines Geistes das bildlich wiederholt, was sich ohne sein Zutun im Kosmos vollzieht, sondern der tätige Mitschöpfer des Weltprozesses; und das Erkennen ist das vollendetste Glied im Organismus des Universums.“

– Rudolf Steiner

„So etwas wie Dunkelheit gibt es nicht.
Es gibt nur die Abwesenheit von Licht“

– Vicky Wall

Freitags-Gedanken am 19. April: Warum wir Ostern feiern

Ostern ist das große Frühlingsfest. Überall um uns herum sprießt und blüht es. Osterzweige in unseren heimischen Vasen, Ostereier und Hasen stehen für die Fruchtbarkeit in der wiedererwachten Natur. Wenn wir den Verlauf eines Jahr als einen Atemzug unserer Erde betrachten, dann ist jetzt der Punkt, an dem unser Planet nach langem Rückzug gerade begonnen hat, wieder auszuatmen. Die Planetenkräfte verströmen sich nun in den Kosmos hinein und berühren sich mit den Kräften der Sonne, die bis zum Sommer mehr und mehr die Oberhand gewinnen werden. Im Juni zu Johanni werden die Erdkräfte sich schließlich  vollständig in den Kosmos ergossen und mit den Strahlen der Sonne durchdrungen haben.

Ostern ist ein bewegliches Fest, das wir am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond feiern. In diesem Jahr fällt dieses Ereignis auf den Karfreitag, den 19. April gegen 13 Uhr. Der Kreuzestod des Christus, dem wir ja am heutigen Karfreitag gedenken, soll tatsächlich am 3. April des Jahres 33 um die neunte Stunde, um 3 Uhr nachmittags erfolgt sein. Das haben die geistigen Forschungen Rudolf Steiners ergeben:

An einem Freitag, am 3. April des Jahres 33, drei Uhr am Nachmittag fand das Mysterium von Golgatha statt. Und da fand auch statt die Geburt des Ich in dem Sinne, wie wir es oftmals charakterisiert haben. Und es ist ganz gleichgültig, auf welchem Erdenpunkte der Mensch lebt, oder welchem Religionsbekenntnis er angehört, das, was durch das Mysterium von Golgatha in die Welt kam, gilt für alle Menschen. So wie es für alle Welt gilt, daß Cäsar an einem bestimmten Tage gestorben ist, und nicht für die Chinesen ein anderer und für die Inder wieder ein anderer Tag dafür gilt, ebenso ist es eine einfache Tatsache des okkulten Lebens, daß das Mysterium von Golgatha sich an diesem Tage zugetragen hat und daß man es da zu tun hat mit der Geburt des Ich. Das ist eine Tatsache ganz internationaler Art.“ (GA 143)

Durch diesen Text erfahren wir, dass das Mysterium von Golgatha, wie es so oft genannt wird, eine tiefe spirituelle Bedeutung für die ganze Menschheit in sich trägt, nicht nur für jene, die sich später als Christen bezeichneten. Und diese ungeheure Bedeutung für uns alle liegt in der Geburt unseres Ich, wie wir Steiners Worten entnehmen können. Was bedeutet dieses Ich? Es ist die Möglichkeit für uns alle, I-Jesus Ch-Christus nun in unsere Seele aufzunehmen, in unser Herz zu integrieren und aus uns selbst heraus christlich zu handeln und zu leben. Aus unserem Ich heraus, ohne dass wir es gesagt bekommen von Gesetzesbüchern oder äußeren Autoritäten. Wir selbst, der Christus in uns hat jetzt die Möglichkeit in uns und durch uns zu wirken, durchdrungen von Liebe zu allen Wesen. Es obliegt unserer Freiheit, ob wir diese großartige Möglichkeit ergreifen oder nicht; denn wirklich bedingungslos ist die Liebe nur, wenn sie aus der vollkommenen inneren Freiheit erwächst. In diesem Sinne ist nicht nur Weihnachten, sondern vor allem das Osterfest auch das Fest der Liebe.

Doch wie seltsam mutet das an: Durch den Tod des Christus soll gleichzeitig etwas in uns geboren worden sein? Diesen vermeintlichen Widerspruch können wir nicht durch die Predigten von Vertretern der Amtskirchen verstehen. Und wen sollte das auch wundern? Es wurde  eine Religion daraus gemacht, die für diejenigen gelten sollte, die daran glaubten und die sich selbst Christen nannten. Doch das, was wir in diesen Tagen feiern, hat nichts zu tun mit einer Religion. Es geht um etwas viel Gewaltigeres, um nichts Geringeres nämlich als das größte kosmische Ereignis in der Geschichte der Menschheit. Stattgefunden hat es genau zur Mitte unserer Entwicklungsgeschichte hier auf der Erde.

Welche Dimension das Ereignis von Golgatha in Wahrheit hat und wie Tod und Leben aus kosmischer Sicht zu verstehen sind, davon bekommen wir vielleicht eine Ahnung, wenn wir die folgenden Worte Steiners lesen:

„Ebenso wie das Leben dem menschlichen Wissen unzugänglich ist, so ist dies der Fall mit dem Tod dem wahren Wissen gegenüber, welches in den übersinnlichen Welten erlangt wird. In dem ganzen Gebiet der übersinnlichen Welten gibt es keinen Tod. Man kann nur auf Erden sterben, in der physischen Welt oder in den Welten, welche in der Entwickelung unserer Erde gleichen, und alle die Wesenheiten, die hierarchisch höher stehen als der Mensch, haben keine Kenntnis vom Tode, sie kennen nur verschiedene Bewußtseinszustände. Ihr Bewußtsein kann zeitweise so herabgesetzt sein, daß es unserem irdischen Schlafzustand ähnlich ist, aber es kann aus diesem Schlaf wieder aufwachen. Es gibt keinen Tod in der geistigen Welt, es gibt dort nur Bewußtseinsänderungen, und die größte Furcht, die der Mensch hat, die Todesfurcht, kann von einem, der nach dem Tode zu den übersinnlichen Welten aufgestiegen ist, nicht empfunden werden. Es gibt daher keinen Tod für die Wesen, die zu den höheren Hierarchien gehören, mit nur einer einzigen Ausnahme, der des Christus. Aber damit eine übersinnliche Wesenheit wie der Christus durch den Tod gehen konnte, mußte er erst auf die Erde herabsteigen. Und das ist es, was von so unermeßlicher Wichtigkeit in dem Mysterium von Golgatha ist, daß eine Wesenheit, die in ihrem eigenen Reiche in der Sphäre ihres Willens niemals den Tod hätte erfahren können, hat hinuntersteigen müssen auf die Erde, um eine Erfahrung durchzumachen, die dem Menschen eigen ist, nämlich um den Tod zu erfahren. Es vereinigte sich ein Wesen, einzig in seiner Art, welches bis dahin nur kosmisch war, durch das Mysterium von Golgatha, durch den Tod des Christus, mit der Erdenevolution. Seitdem lebt es auf eine solche Weise auf Erden, ist so an die Erde gebunden, daß es in den Seelen der Menschen auf Erden lebt und mit ihnen das Leben auf Erden erfährt. Daher war die ganze Zeit vor dem Mysterium von Golgatha nur eine Zeit der Vorbereitung in der Evolution der Erde. Das Mysterium von Golgatha gab der Erde ihren Sinn. Als das Mysterium von Golgatha stattfand, wurde der irdische Körper des Jesus von Nazareth den Elementen der Erde übergeben, und von der Zeit an war der Christus verbunden mit der geistigen Sphäre der Erde und lebt darin.“ (GA 152)

In diesem Sinne erkennen wir den tiefen Zusammenhang des Osterfestes mit der Erde und ihren Zyklen und mit uns Menschen, die wir Erdenbürger und doch gleichzeitig auch  kosmische Wesen sind.

So wünsche ich euch viel Freude an euren Ostereiern und an der wiedererwachten Natur mitsamt ihren Blüten, Häschen und Lämmern, ohne jedoch dabei jene andere, so großartige, Ehrfurcht gebietende Dimension des Osterfestes aus den Augen zu verlieren.

Frohe Ostern !

3 Kommentare zu “Freitags-Gedanken am 19. April: Warum wir Ostern feiern

  1. Die Zeut der Religionen ist vorbei. Das wahre streben nach Brüderlichkeit, Freiheit, Frieden, Liebe und Wahrheit, sollte das Ziel eines jeden Menschen sein. Im Miteinander und Füreinander! Denn vor den Himmelspforten sind wir alle gleich = Mensch = geistige Wesen und alle auf dem gleichen Weg!
    Gutes Nächtle,
    von Herzen ,
    Maria

  2. Dankeschön liebe Ursula,
    wir sollten uns daran erinnern was das Osterfest für eine Bedeutung hat und an diesen Tagen in uns gehen. In uns hineinhorchen und versuchen zu verstehen, was dieses Mysterium uns hinterlassen hat. Welche große Ehrfurcht und Güte dahinter steht, die uns „Christus-Jesus“ hinterlassen hat, in vollkommener Liebe zur Menschheit. Wir können es nur erahnen, doch wenn wir diese Geschichte verstehen und verstehen wollen, nähern wir uns den Ebenen, die uns ein Schlüssel sein können.

    Leider ist es heute noch so, dass viele denken, wir nehmen die Feste so, wie sie fallen! Was ich in der heutigen Zeit der Hetze, der Unruhe und des Lärmes, angetrieben von Überstunden und maßloser Arbeit, auch durchaus keinem verübeln kann! Gerade das sehnen nach Ruhe und Ausgeglichenheit an diesen Tagen, sollte uns zur inneren Ruhe und Besinnung aufrufen.
    Es ist ein Fest der Trauer und der Freude zugleich, dass man durchaus in dem schönen Frühlingswetter bei einem tollen Spaziergang, im Frieden mit sich selbst und der Welt, nutzen kann. Viel Freude wünsche ich dabei!

    Alles liebe und schöne Ostergrüße,
    Maria

    1. Liebe Maria,
      ich danke dir für deine Bestätigung. Ja, wir alle freuen uns über ein langes Wochenende. Das ist legitim und kein Widerspruch dazu, einmal etwas tiefer zu schauen, was wir denn da eigentlich feiern und wem bzw. welchem Ereignis wir die freien Tage zu verdanken haben.
      In Zeiten, in denen Gotteshäuser zerstört oder beschädigt werden, sollten wir uns fragen, ob wir das, was wir dort im Äußeren zu finden hofften, nicht in uns selbst zu suchen haben. So traurig dieser Angriff auf Notre Dame und andere Kirchen/Moscheen auch sein mag, vielleicht soll er uns dazu aufrufen, den Christus in uns zu finden. Dazu müssen wir kein äußeres Gebäude aufsuchen und keinen Priesterworten lauschen.
      Ich wünsche ein gesegnetes Osterfest
      Ursula

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