Es gibt zwei Wege das Leben zu leben: Alles selbstverständlich zu nehmen, oder die ganze Welt als Wunder zu betrachten.
Ich glaube an Letzteres.

 

– Albert Einstein

„Unsere Gedanken bestimmen, wie wir die Welt erleben“

– Buddha

„Der Mensch ist dem Weltlauf gegenüber nicht ein müßiger Zuschauer, der innerhalb seines Geistes das bildlich wiederholt, was sich ohne sein Zutun im Kosmos vollzieht, sondern der tätige Mitschöpfer des Weltprozesses; und das Erkennen ist das vollendetste Glied im Organismus des Universums.“

– Rudolf Steiner

„So etwas wie Dunkelheit gibt es nicht.
Es gibt nur die Abwesenheit von Licht“

– Vicky Wall

Freitags-Gedanken am 5. April: Seelenlos?

Wir Menschen, so hören wir allenthalben, bestehen aus Körper, Geist und Seele. Sprüche wie Lassen Sie die Seele einmal baumeln oder Entspannung für Geist und Seele zieren Werbeanzeigen von Urlaubsanbietern und Wellness-Einrichtungen. Doch was ist damit gemeint? In der Regel nicht viel mehr als Erholung vom Alltagsstress, das vorübergehende Loslassen von Verpflichtungen und das Anhalten des Gedankenkarussels, in dem sich so viele Menschen gefangen fühlen. Letzteres wird dann mit dem beschäftigten Geist gleichgesetzt und das versprochene Wohlgefühl als Ausdruck der Seele. Selbstverständlich ist das nichts Schlechtes und es spricht nichts dagegen, sich eine solche Erholung zu gönnen. Doch mit Geist und Seele im spirituellen Sinne hat es nur wenig zu tun.

Richtig ist, dass unser menschlicher Organismus in die drei genannten Wesensbestandteile aufgegliedert ist, wenn auch etwas komplexer als uns dies in der Regel bewusst ist.

Unser Geist steht mit dem Weltengeist in enger Verbindung. Er umfasst unsere Beziehung zum Kosmos und das, was wir über unsere Eingebungen und Ideen durch diesen in uns aufnehmen. Unser Denken und unser Streben nach Wahrheit und Freiheit ist Teil unseres Geistes, der uns mit unserem Ich verbindet. Zusammen mit diesem Ich ist unser Geist Träger dessen, was uns so wesentlich vom Tier unterscheidet und uns als selbstbewusste Individuen auszeichnet. Dieser unser Geist stellt also ein essenzielles Wesensglied unseres Menschseins dar. Umso erstaunlicher, dass er im neunten Jahrhundert von der damaligen katholischen Kirche kurzerhand abgeschafft wurde. Dies geschah exakt 869 beim achten Konzil in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul.

Seither besteht also der Mensch nach offizieller kirchlicher Lehre nur noch aus Körper und Seele, der man immerhin einige geistige Eigenschaften zugestand. Einigen mittelalterlichen Kirchenvätern haben wir es zu verdanken, dass das Wissen um die Existenz des Geistes nicht ganz verloren ging. Sie hatten Mühe, Ihre Erkenntnisse so zu formulieren, dass sie nach außen hin im Einklang mit der offiziellen Kirchenlehre standen. Sich mit dieser anzulegen, wäre ihnen sicher nicht gut bekommen und so drehten und wendeten sie die Formulierungen in ihren Schriften, damit sie nicht in Ungnade fielen. Bekanntermaßen ist das nicht jedem gelungen.

Seit über tausend Jahren lebt die Menschheit nun also offiziell völlig geistlos. Nun sehen wir dem nächsten Angriff auf unsere menschliche Ganzheit entgegen. Diesmal kommen die Attacken aus einer anderen Richtung, denn die Kirche hat im aufgeklärten Europa seither viel von ihrem Einfluss auf uns verloren. Heutzutage sind es die materialistisch orientierten Naturwissenschaften, die uns Menschen die Seele abzuerkennen versuchen. Vorbote war die Philosophie des historischen Materialismus von Marx und Engels, den beiden geistigen Vätern des Kommunismus. Nach dieser Weltanschauung verändert der Mensch durch seine Arbeit seine Umwelt und  produziert sich selbst als gegenständliches und gesellschaftliches Wesen. Zur Reproduktion seines Lebens geht er mit anderen Menschen historisch bestimmte Beziehungen ein; diese gesellschaftlichen Verhältnisse wirken auf ihn zurück, machen letztlich sein geschichtliches Wesen oder seine besondere Natur aus. Dazu bedarf es nicht der Existenz einer Seele.

Seither ist die Welt nicht stehengeblieben. Die materialistische Weltanschauung durchsetzt mittlerweile alle Lebensbereiche. So versteht sich die Psychologie, ursprünglich einmal gemeint als die Wissenschaft, die sich mit der Seele des Menschen befassen sollte, heute als eine rein empirische Wissenschaft, die das Verhalten und Erleben des Menschen und auch der Tiere zu beschreiben und zu verstehen versucht. Wer Psychologie studieren möchte, findet den entsprechenden Lehrstuhl zumeist an der medizinischen Fakultät. Diese Entwicklung beschrieb Rudolf Steiner bereits vor etwa hundert Jahren:

Die Wissenschaft will heute wenig von der Seele wissen, selbst jene Wissenschaft nicht, die ihren Namen von der Seele trägt, die Psychologie oder Seelenkunde. Selbst die Psychologen möchten am liebsten ganz absehen von dem, was man eigentlich die Seele nennt. So konnte man das Schlagwort prägen: Seelenkunde ohne Seele. – Die Seele soll etwas so Fragwürdiges, etwas so Unbestimmtes sein, daß man einfach zum Beispiel nur die Erscheinung verschiedener Vorstellungen untersucht, wie man einen Naturvorgang auch untersucht; aber man will nichts wissen von der Seele selbst. Die heutige Naturwissenschaft kann unmöglich so etwas annehmen wie eine Seele. Sie sagt, die menschlichen Vorstellungen unterliegen ebenso den Naturgesetzen wie alles andere in der Natur, der Mensch sei nichts anderes als ein höher geartetes Naturprodukt.

Auch Gefühle werden heute nicht als wesenhafter Ausdruck der Persönlichkeit verstanden, sondern in erster Linie durch chemische und elektrische Prozesse im Körper erklärt. Wenn zwei Menschen sich gut verstehen, heißt es, die Chemie zwischen den beiden stimme. Wenn wir uns verlieben, sieht die Wissenschaft nicht die schicksalhafte Begegnung zweier Menschenseelen, sondern beschreibt nüchtern, welche Hormone bei diesem Vorgang im Spiel sein mögen. Es mag ja sein, dass die Hormonausschüttung ein materieller Ausdruck der Begebenheit ist, doch was hat das mit dem Zustandekommen dieser ganz speziellen Begegnung zwischen zwei Menschen zu tun? Unsere Seele erlebt alles als ein bestimmtes Mischungsverhältnis von Sympathie und Antipathie. Wenn eins von beiden deutlich überwiegt, können wir getrost davon ausgehen, dass es sich um eine karmische Begegnung handelt. Wie anders sollte es zu erklären sein, wenn wir tiefe Vertrautheit gegenüber (in diesem Leben) objektiv Fremden empfinden?  Ebenso können uns manche Menschen auf Anhieb unsympathisch sein, ohne dass wir auch nur ein Wort mit ihnen gewechselt hätten. Da gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit Karma zu lösen und wir sollten uns dieser Herausforderung stellen.

Aus Sicht der Naturwissenschaft ist der Mensch Trieb gesteuert, gleich einem Tier. Da drängt sich die Frage auf, wie steht es denn dann eigentlich mit seiner Schuldfähigkeit? Wer würde seine Katze dafür verurteilen, wenn sie eine Maus fängt? Und wer einen Mörder, wenn er gerade mal von seinen Aggressionen übermannt wird und doch nur ein willenloses, unfreies  Opfer seiner elektrischen und chemischen Körperprozesse geworden  ist? Es lohnt sich, wenn wir einmal von unserer menschlichen Fähigkeit Gebrauch machen und die Folgen einer solchen Weltsicht zu Ende zu denken.

Ein weiteres Indiz für die materialistische Sichtweise der Wissenschaft auf den Menschen, ist die Einführung des juristischen Konstrukts vom sogenannten Hirntod. Damit werden wir gar auf die Funktionsfähigkeit unseres Gehirns reduziert. Am 24.2.2015 war in einer Erklärung des Deutschen Ethikrats zu lesen:

Einstimmig ist der Deutsche Ethikrat der Auffassung, dass am Hirntod als Voraussetzung für eine postmortale Organentnahme festzuhalten ist. Die Mehrheit des Deutschen Ethikrates ist dabei der Auffassung, dass der Hirntod ein sicheres Todeszeichen ist und die Spende lebenswichtiger Organe nur zulässig sein darf, wenn der Tod des möglichen Organspenders festgestellt ist (Dead-Donor-Rule). Eine Minderheit des Deutschen Ethikrates hält dagegen den Hirntod nicht für den Tod des Menschen und weist dem Hirntod lediglich die Rolle eines notwendigen Entnahmekriteriums zu.

Offensichtlich ist man sich also nicht ganz einig, ob der Hirntod nun mit dem Tod des Menschen gleichzusetzen ist, wohl aber darüber, dass dieser als Voraussetzung für eine Organentnahme ausreicht. Mit anderen Worten, Organe dürfen entnommen werden, egal, ob der Mensch nun tot ist oder nicht. Völlig unberücksichtigt bleibt dabei natürlich der Ablösungsprozess der verschiedenen feinstofflichen Körper des Menschen nach seinem physischen Tod, der sich über mehrere Tage hinzieht. Solche Überlegungen werden wohl angesichts des lukrativen Handels mit menschlichen Organen für überflüssig gehalten.

All diese Beispiele zeigen überdeutlich, wie sehr unsere Wissenschaftler sich auf dem materialistischen Holzweg befinden. Mit ihrer Weltsicht reduzieren sie das menschliche Wesen auf rein Körperliches und bestimmen damit in großem Stil die öffentliche Meinung. Es wird Zeit, dass wir diesem Trend etwas entgegen setzen und uns wieder unseres dreigliedrigen Wesens bewusst werden. Unsere Wesensglieder sind Körper, Seele und Geist mit deren wunderbaren Werkzeugen dem Handeln, dem Fühlen und dem Denken. Je intensiver wir dies durch Meditation und andere Übungen in uns selbst erfahren, umso weniger werden wir bereit sein, uns Geist und Seele ausreden zu lassen.

5 Kommentare zu “Freitags-Gedanken am 5. April: Seelenlos?

  1. Tja, liebe Maria, und all dieses „Böse“ ist eben auch deshalb in der Welt, damit wir endlich erwachen und uns die Wahrheit zu Bewusstsein kommt. Du weißt schon…“Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Na ja, wenigstes manchmal 😉
    Ich wünsche ebenfalls einen wunderschönen Sonntagabend
    Ursula

    1. …ja , ich weiß und alles ist ein Gleichnis! Die Kräfte die wirken haben ja durchaus ihre Berechtigung und trotzdem verstricke ich mich noch all zu oft im emotionalem Mantel. Wie gesagt, es ist viel Arbeit….🌞🌹

  2. …..und warum sind die Seelenkundler alle überfordert heute? Weil sie auf den Ebenen wo es erforderlich ist, alle nicht arbeiten können. Denn das wird an den Lehrstühlen nicht gelehrt…..!!!!

  3. Liebe Ursula,
    wie immer ist dein Beitrag über die Tatsachen hinaus, sehr treffend und du nennst die Dinge sehr klar beim Namen! Ich wünsche mir noch mehr Menschen unter uns ,die diese Dinge klar beim Namen nennen und sich nicht den Irrtümern des materiellen Lebens hingeben. Aber das setzt einen „klar denkenden Geist“ voraus und ist mit viel Arbeit verbunden. Und weil es diesen klaren Geist gebraucht, werden wir auch kontinuierlich und bewusst davon abgelenkt.

    Eben der letzte Abschnitt des Beitrags, sollte uns allen zudenken geben, da hier etwas angesteuert wird, das jegliche menschliche Würde untergräbt, gleich dem Vieh, das man zur Schlachtbank bringt! Und abgesehen davon ist der Begriff „Ethikrat“ blanker Hohn in diesem Zusammenhang und gleicht einem Schlag mitten ins Gesicht!!!!!!! Ist es würdevoll, wenn Menschen mit Organtransplantaten ein leben lang Medikamente nehmen müssen, damit das Fremdgewebe nicht abgestoßen wird und eher an den Nebenwirkungen versterben als an der Krankheit?? Und die Zellinformation des Transplantanten auf den anderen Organismus Auswirkungen hat? Und das ist durchaus erwiesen! Ist es würdevoll, nicht entscheiden zu dürfen, ob ich so wie Gott mich schuf, nämlich am Stück und vollständig bestattet zu werden? Ich lasse meinen Körper nicht verstaatlichen und vermaterialisieren zu verbrecherischen Zwecken. Nicht solange ich klaren Geistes bin!

    Ebenso verhält es sich mit der Urteilssprechung. Ein materalistisches Vergehen wie z.B Einbruch, Diebstahl etc, wird heutzutage höher bestraft als eine Körperverletzung oder schlimmeres. „Recht am Eigentum“ ! Wie ist es denn mit unserer Kinderpornografie? Die gesprochenen Urteile sind ein Witz. Selbst hier ist der materielle Wert höher angesetzt als ein Menschenleben, geschweige denn eine „Kinderseele“ !
    Alles in allem, darf man wirklich nicht darüber nachdenken, es schüttelt einen. Denn überall wird man darauf gestoßen, das unser Geist und unsere Seele für viele wirklich nichts wert sind.

    Ich wünsche noch einen sonnigen Sonntag und einen wunderschönen Abend,

    alles Liebe

    Maria 🙂

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