Es gibt zwei Wege das Leben zu leben: Alles selbstverständlich zu nehmen, oder die ganze Welt als Wunder zu betrachten.
Ich glaube an Letzteres.

 

– Albert Einstein

„Unsere Gedanken bestimmen, wie wir die Welt erleben“

– Buddha

„Der Mensch ist dem Weltlauf gegenüber nicht ein müßiger Zuschauer, der innerhalb seines Geistes das bildlich wiederholt, was sich ohne sein Zutun im Kosmos vollzieht, sondern der tätige Mitschöpfer des Weltprozesses; und das Erkennen ist das vollendetste Glied im Organismus des Universums.“

– Rudolf Steiner

„So etwas wie Dunkelheit gibt es nicht.
Es gibt nur die Abwesenheit von Licht“

– Vicky Wall

Freitags-Gedanken am 8. März: Wenn sich die Schleier wieder lichten

In diesem Jahr feiern wir ein kleines Jubiläum, von dem fast niemand etwas weiß und das doch so bedeutsam für unsere Entwicklung ist: Vor 120 Jahren, im Jahr 1899, ging das Kali Yuga zu Ende. Kali Yuga ist ein Begriff aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie finsteres oder zumindest dunkles Zeitalter. Nach heutigen Erkenntnissen begann es im Jahr 3101 vor unserer Zeitrechnung und währte genau 5.000 Jahre lang.

Gemeint damit ist, dass etwa 3.000 Jahre vor Christi Geburt die letzten Reste des alten Hellsehens bei einem großen Teil der Menschheit erloschen sind. In alter Zeit war das sogenannte atavistische Hellsehen für alle Menschen völlig selbstverständlich gewesen. Dies haben wir uns als etwas Traumhaftes vorzustellen, das sich den damaligen Menschen in Bildern darbot. Sie lebten halb unbewusst zusammen mit den höher stehenden geistigen Wesen vorwiegend in der geistigen Welt. Bereits in der ersten Kulturepoche nach der Sintflut, im alten Indien, waren es vorwiegend nur noch die Eingeweihten, die Rishis, die sich diesen Zugang zum Geistigen noch bewahrt hatten. Doch lebte die Erinnerung an die zuvor so selbstverständliche Fähigkeit in dieser Kultur noch sehr lebendig. Es entstand eine große Sehnsucht nach der mehr und mehr zurücktretenden Gabe, die sich in den östliche Weisheitslehren bis heute erhalten hat. Nicht wie im heute christlich geprägten Westen möchte man seine Individualität auch nach dem Hinübergehen ins Geistige erhalten wissen, sondern sich auflösen im Nirwana, einer Art allumfassenden Einheit. Der Wunsch zur Rückkehr in das Geistige hinein, war und ist groß. Die Inkarnation auf der Erde wird eher als ein notwendiges Übel empfunden als eine wunderbare Möglichkeit, sein Selbst weiter zu entwickeln. Etliche esoterische Strömungen haben diesen Aspekt auch für den heutigen Westen übernommen. Um etwa 5.000 vor Christus begann die urpersische Kulturepoche, in der das Kali Yuga einsetzte und über die Rudolf Steiner im Bezug auf das Hellsehen folgendes zu berichten weiß:

„Dann kam aber ein anderes Zeitalter, ein Zeitalter, in dem auch dieses Vertrautsein mit der geistigen Welt aufhört, wo sozusagen sich die Tore zuschließen gegenüber der geistigen Welt. Der Blick der Menschen wurde da immer mehr und mehr beschränkt auf die äußere sinnliche Welt und den Verstand, der die Eindrücke der Sinne verarbeitet, so daß die Menschen über die geistige Welt nur noch nachdenken konnten. Das ist die niedrigste Art, etwas über die geistige Welt zu wissen. Das, was die Menschen jetzt noch wirklich wußten aus ihrem eigenen Erleben heraus, das ist die sinnlich-physische Welt. Wollten die Menschen etwas wissen über die geistige Welt, so mußten sie dies durch ihr Nachdenken erreichen. Es ist das diejenige Zeit, wo der Mensch am ungeistigsten wurde und deshalb auch sich am meisten in der Sinnenwelt festlegte und festsetzte. Das war aber notwendig, um sein Selbstbewußtsein nach und nach bis zur höchsten Höhe entfalten zu können. Denn nur durch den groben Widerstand der äußeren Welt konnte der Mensch lernen, sich von der Welt zu unterscheiden und als Eigenwesenheit sich selber zu empfinden. Dieses letztere Zeitalter nennt man auch Kali Yuga oder das finstere Zeitalter.“  (Rudolf Steiner, GA118, S. 21).

Es folgten weitere Epochen innerhalb des finsteren Zeitalters und so blieb es den wenigen Sehern und Eingeweihten überlassen, das Wissen um die Existenz des Geistigen zu bewahren und über die dunklen Zeiten hinüberzuretten. Auch die Religionen hatten in diesem Zusammenhang eine wichtige Funktion. Ihre Aufgabe war es, den Menschen Geschichten zu erzählen, Geschichten von Gott und der geistigen Welt. Müßig zu erwähnen, dass diese an sich so wichtige Aufgabe nicht selten auf Kosten der Wahrheit missbraucht wurde.  Doch die Menschen mussten glauben, es gab für die meisten keine Möglichkeit, die Geschichten, die man ihnen erzählte, zu überprüfen. Allerdings gab es während des gesamten Mittelalters auch geistige Bewegungen, die sich jenseits der offiziellen Kirche an die ursprünglichen Überlieferungen der alten Eingeweihten hielten, so dass uns dieses großartige Wissen bis zum heutigen Tag erhalten blieb. Manichäer, Kartharer, Albigenser, Tempelritter und Rosenkreutzer, sie alle wussten um die tiefen Geheimnisse der Menschheit; um Reinkarnation und Karma, um das Zusammenspiel von Gut und Böse und vieles mehr und sie bewahrten sie gegen den teilweise heftigen Widerstand der offiziellen Kirche für uns Heutige auf.

Ganz dunkel wurde es dann, als auch der Einfluss der Religionen nachließ und der Ausbreitung der Naturwissenschaften Platz machte. Zunächst befreite die aufkommende Naturwissenschaft der Aufklärung die Menschen von ihrem blinden Glauben und erlaubte die Erforschung der Natur und allem, was wir mit unseren Sinnen wahrzunehmen vermögen. Sie bediente das immer stärkere Bedürfnis der Menschen zu wissen, nachprüfen zu können statt einfach nur blind zu glauben. Soweit hatte und hat sie eine wichtige Funktion. Bedauerlich nur, dass sie inzwischen zu einem neuen Glauben, nämlich demjenigen an sogenanntes Expertenwissen verkommen ist und zur Verbreitung eines rein materialistischen Weltbild geführt hat. In der Regel können wir die zahlreichen „Expertenäußerungen“ ebenso wenig nachprüfen, wie zuvor das von den Religionen Vermittelte. Und doch ist es für die meisten Zeitgenossen das neue Evangelium. Das geht so weit, dass wir statt auf die Bedürfnisse unseres Körpers zu lauschen, lieber irgendwelche empfohlenen Medikamente schlucken, die immer nur sehr allgemein und niemals auf den speziellen Fall dieses einen Individuums wirken können. Das liegt in der Natur der Sache und ist nicht als eine grundsätzliche Ablehnung gegenüber Medikamenten zu verstehen, sondern als Hinweis darauf, dass wir heute allzu leicht nach einer vermeintlichen Hilfe von außen suchen, statt uns selbst auf die Suche nach Erkenntnis über die Ursachen unserer Krankheit zu begeben. Nicht selten scheitert diese Suche an unserer Bequemlichkeit und unserer Angst vor der Erkenntnis über uns selbst. Mut und Wahrheit führen allein zur Heilung, andere Therapien können ergänzend geeignet sein, die Dinge zu beschleunigen oder entstandene Schäden kurzfristig zu reparieren.

Wie tröstlich, dass das dunkle Zeitalter nun zu Ende gegangen ist. Immer mehr Menschen sind heute wieder in der Lage, Geistiges zu sehen oder auf andere Art zu erfahren. Seit mehreren Jahrzehnten boomen esoterische Strömungen, gibt es vermehrt medial veranlagte Menschen, die uns über diverse Hilfsmittel die Zukunft vorhersagen können oder dies zumindest von sich glauben. Besonders verbreitet ist das Channeln, bei dem sich einzelne Menschen als Kanal für die Botschaften bestimmter Wesen aus der geistigen Welt zur Verfügung stellen. Meist handelt es sich um Menschen die zwar Wahrnehmungen haben, jedoch nicht immer wissen, was genau sie da wahrnehmen. Auch in der geistigen Welt geht nicht alles wahrhaftig zu und die wenigsten können mit Sicherheit sagen, was oder wen genau sie da channeln.  Doch wichtig ist, dass wir überhaupt wieder an die geistige Welt und an das Geistige in der Welt herangeführt werden und so sind wir dankbar, dass wir diesen Zugang nun immer besser wieder finden. Das Wunderbare dabei ist, dass er heute nicht mehr nur traum- und bildhaft existiert, sondern auf der Grundlage unseres mittlerweile klar entwickelten hellwachen Tagesbewusstseins. Da müssen sich die Verschleierungsexperten in Medien, Politik und anderswo zukünftig ganz schön warm anziehen, denn es dauert nicht mehr lange und der „Schleier der Isis“ wird sich für uns alle lichten. Die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft Dr. Rudolf Steiners kann uns eine große Orientierungshilfe in dieser neu zu entdeckenden Welt sein.

In unserer Zeit kann diese strenge Trennung zwischen Hellsehern und Eingeweihten gar nicht durchgeführt werden. Heute ist es notwendig, daß jedem, der einen bestimmten Grad der Einweihung erreicht hat, wenigstens auch die Möglichkeit gegeben wird, einen bestimmten Grad des Hellsehens zu erlangen. Der Grund dafür ist, daß in unserer Zeit das große restlose Vertrauen von Mensch zu Mensch nicht herzustellen ist. Heute will ein jeder selbst wissen und selbst sehen. Jener tiefe, hingebungsvolle Glaube, wie er früher von Mensch zu Mensch geherrscht hat, machte es möglich, daß es eine besondere Art von Hellsehern gab, von denen man vernahm, was sie in den höheren Welten wahrnahmen. Andere ordneten dann systematisch, was diese wahrgenommen hatten. Heute ist eine Art Harmonie in der Entwickelung der Fähigkeiten zum Eingeweihten und zum Hellseher geschaffen. Daher kann ein Drittes, das Adeptentum heute sehr stark zurücktreten.“ (Rudolf Steiner, GA 56, S. 26f)

Übrigens gibt es diverse Übungen zur Unterstützung der Fähigkeiten zur Hellwahrnehmung, die ja grundsätzlich in uns allen schlummern. Meditation, Übung des reinen, körperlosen Denkens und das bewusste Wahrnehmen der Einschlaf- und Aufwachphasen sind einige davon.

Wer Lust hat, sich selbst darin zu schulen, dem empfehle ich das folgende Büchlein: Rudolf Steiner: Die Nebenübungen. Sechs Schritte zur Selbsterziehung. 5. Auflage 2016. Basel, Rudolf-Steiner-Verlag …  und wünsche viel Freude und Erfolg beim Üben.

3 Kommentare zu “Freitags-Gedanken am 8. März: Wenn sich die Schleier wieder lichten

  1. Liebe Ursula, Du Menschen-Weisheitliche,

    Danke auch für deine so guten Freitagsgedanken über die Lüftung des Schleiers – ich hoffe, dass du diese wunderbaren Texte als Buch veröffentlichen wirst 🤗!

    herzlich
    Gudrun

  2. Liebe Maria,
    ganz herzlichen Dank für deinen zutreffenden Kommentar. Ja, Bequemlichkeit und Angst hindern uns an der ein oder anderen Stelle (noch) daran, unseren inneren Drachen zu überwinden. Das gilt für uns alle, wenn vielleicht auch in unterschiedlichem Maße. Der erste Schritt ist es, das zu durchschauen, was die Untergrundkräfte in Politik, Gesellschaft und in anderen Lebensbereichen anstreben. Doch das ist nur die erste Schicht des Schleiers. Dahinter verbirgt sich immer auch noch eine viel größere Dimension, die der geistigen Hintergrundmächte. Wenn wir uns in einer Abwehrhaltung gegenüber der ersten Stufe allzu sehr verausgaben, besteht die Gefahr, dass unser Erkenntnisprozess dort schon endet. So würde uns das wirklich große Bild verborgen bleiben. Mehr und mehr Erkenntnis zu gewinnen, ist nicht nur anstrengend, sondern auch zutiefst beglückend! Wenn der Schleier vor unseren Augen verschwindet, kann das zunächst erst einmal schockierend sein, doch das Gefühl, etwas erkannt zu haben, folgt und das ist die Glückseligkeit pur.
    Alles Liebe zum Wochenende
    Ursula

  3. Liebe Ursula,
    …die Schleier der Isis beginnen sich schon vielfältig zu lüften, langsam aber stetig und immer mehr Menschen durchschauen das Spiel der Strippenzieher und der Dunkelkräfte. Das Szenario, welches sich uns bietet ist schon der Auftakt der Enttarnung . Natürlich ist das kein Prozeß, der heute oder morgen zur Vollendung kommt und noch einen langen Weg innehält, jedoch ist er auch unaufhaltsam!

    Vielen Menschen, denen es schwer fällt diesen Weg zu beschreiten aus welchem Grund auch immer sie dafür haben mögen, werden die Masken entrissen und spätestens dann , ist eine Entscheidung unausweichlich! Ohne Achtsamkeit und Gedankenhygiene werden die meisten scheitern oder aber Umwege gehen müßen. Es ist und wird kein leichter Weg für uns jeden einzelnen, deshalb verharren viele in der Bequemlichkeit des Denkens und des Handelns. Trübsinn, Unzufriedenheit, Krankheiten, zerstörerisches Arbeiten um eine gute Position zu erhaschen, Mißgunst ect. sind die Fallen, in denen sie sich verstricken. Sie überlassen anderen ihre Handlungsfähigkeit und lassen sich lenken, statt selbst zu lenken.

    Somit verlassen sie den Weg zur geistigen Freiheit und somit zu sich selbst. Geist und Seele verarmen und der Körper erst recht. Diese Erfahrungen wollen durchaus gemacht werden, wenn man dadurch erkennt welchen Zweck sie verfolgen! Doch nur wenige verstehen die Zeichen für sich zu deuten und überhören damit den Ruf ihrer Seele, das zu erreichen wozu wir zurückgekommen sind! Die Rückkehr zur geistigen Welt!

    Diese Fähigkeiten fallen uns nicht von alleine zu. Es bedeutet für jeden einzelnen von uns Disziplin, uns selbst, unseren Mitmenschen und auch der geistigen Welt gegenüber! Wenn ich den Weg in Liebe für mich bereite, bereite ich ihn auch in Liebe für meine Mitmenschen!

    In dem Sinne wünsche ich allen ein hoffentlich nicht allzu stürmisches Wochenende, (obschon ich das Wetter so wie es gerade ist durchaus liebe)!

    Mit lieben Grüßen,
    Maria 😉

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