Es gibt zwei Wege das Leben zu leben: Alles selbstverständlich zu nehmen, oder die ganze Welt als Wunder zu betrachten.
Ich glaube an Letzteres.

 

– Albert Einstein

„Unsere Gedanken bestimmen, wie wir die Welt erleben“

– Buddha

„Der Mensch ist dem Weltlauf gegenüber nicht ein müßiger Zuschauer, der innerhalb seines Geistes das bildlich wiederholt, was sich ohne sein Zutun im Kosmos vollzieht, sondern der tätige Mitschöpfer des Weltprozesses; und das Erkennen ist das vollendetste Glied im Organismus des Universums.“

– Rudolf Steiner

„So etwas wie Dunkelheit gibt es nicht.
Es gibt nur die Abwesenheit von Licht“

– Vicky Wall

Freitags-Gedanken am 1. März: Übergänge

Von je her haben sie mich fasziniert, diese Übergänge. Wo wir auch hinschauen, wir finden sie überall: Übergänge zwischen Tages- oder Jahreszeiten, zwischen Farben, zwischen Zuständen, Epochen und Zeitaltern, zwischen Werden und Vergehen, Leben und Tod. Ohne diese Übergänge wäre alles statisch und starr, könnte das Leben nicht fließen, würde alles verdorren und es gäbe kein Wachstum. Alles ist ständig in Bewegung begriffen, denn Bewegung bedeutet Leben. Wie schön hat Goethe das in seinem Gedicht Selige Sehnsucht aus dem West-Östlichen Divan zum Ausdruck gebracht:

Und solang du das nicht hast,

Dieses: Stirb und werde!

Bist du nur ein trüber Gast

Auf der dunklen Erde.

Betrachten wir doch zunächst einmal den Übergang zwischen den Jahreszeiten, sozusagen aus aktuellem Anlass. Seit einigen Wochen schon erfreuen uns die Vögel wieder mit ihrem morgendlichen Gesang, wir finden Schneeglöckchen und blühende Haselnusssträucher in unseren Vorgärten und erleben, wie die Wildgänse unter lautem Geschnatter gen Norden ziehen. Überall kündigt sich heute schon der Frühling an, auch wenn er in diesem Jahr offiziell erst am 20. März, dem Zeitpunkt der Tag- und Nachtgleiche beginnt. Die Kölner haben, pfiffig wie sie sind, aus diesem Übergang gar eine fünfte Jahreszeit kreiert, den Karneval, ein weiterer, willkommener Anlass zum Feiern.

Und wie geht es weiter im Jahr? Die Zeit bis Ostern können wir zum Fasten nutzen, dazu, unseren Körper von Altlasten zu befreien und unseren Geist auf das Osterfest vorzubereiten, empfänglich zu machen für das Leiden, Sterben und Wiederauferstehen Jesu Christi, das größte Wandlungsgeschehen, das wir uns überhaupt vorstellen können. Das Mysterium von Golgatha ist eins der tiefsten Geheimnisse, die der Menschheit je geschenkt wurden. Es eröffnet ihr einen völlig neuen, bis dahin nicht gekannten Weg für die Zukunft. Beschritten haben ihn noch längst nicht alle und so befinden wir uns auch in dieser Hinsicht in einer Übergangsphase.

Die Dämmerung am Morgen und am Abend markiert den Übergang zwischen Licht und Dunkelheit und umgekehrt. Oft ist sie begleitet von ganz besonderen Lichterscheinungen, von rötlich-violetten Farben am Himmel. Wenn wir einmal Zeit dazu haben und aufmerksam sind, fallen uns solche Übergänge auch während des Tagesverlaufs auf. Das Licht ändert sich und auch, wenn wir keine Uhr und kein Smartphone hätten, könnten wir die Tageszeit an den Lichtverhältnissen ablesen. Nachmittagskaffee, Fünf-Uhr-Tee und andere Bräuche sind geeignet, in unserer geschäftigen Zeit einmal inne zu halten und uns der besonderen Zeitqualität, die gerade jetzt in diesem Moment herrscht, zu erinnern und sie zu würdigen.

Ganz besonders gilt dies für das Aufwachen am Morgen und das Einschlafen am Abend, jene besonderen Übergangsphasen zwischen Wachzustand und Schlaf. Vor dem Einschlafen können wir den Tag Revue passieren lassen, und zwar am besten rückwärts vom zuletzt Erlebten bis zum Morgen. Das ist eine gute Übung. Wir können uns auch mit  Verstorbenen verbinden, sie um Rat fragen oder ihnen eine Botschaft übermitteln. Vielleicht bekommen wir am nächsten Morgen, im Moment des Aufwachens eine Rückmeldung?! Auf jeden Fall lohnt es sich, diesen Moment bewusst zu erleben und vielleicht noch eine Weile liegen zu bleiben statt in Hektik aus dem Bett zu springen. Es sind heilige Minuten, in denen es uns vielleicht gelingt, einiges während des Schlafes Empfangene in den Tag hinüber zu retten.

Auch das Spiel ist eine gute Übung, sich auf Übergänge einzustellen. Ständig müssen wir unsere Position neu bestimmen, uns auf geänderte Spielsituationen einstellen. Wir üben dabei unsere Flexibilität und unsere Fähigkeit zur Neuorientierung, wichtige Handwerkszeuge, um im „richtigen Leben“ zurecht zu kommen.

Und auch das Leben selbst können wir schließlich als ein Spiel betrachten, eine Episode zwischen zwei Übergängen, der Geburt und dem Sterben. Doch wie relativ sind diese Begriffe! Wenn ein Baby auf der Erde das Licht der Welt erblickt, nennen wir das normalerweise Geburt. Das ist die irdische Sichtweise, die wir einnehmen, wenn wir uns in unserem Körper (Axel Burkart nennt ihn den Terranautenanzug) auf der Erde befinden. Aus Sicht der geistigen Welt verhält es sich genau umgekehrt. Wir sterben aus dem Jenseits in die Erde hinein. Nach dem, was wir aus Erdensicht als den physischen Tod  bezeichnen, werden wir dagegen in eine andere Welt hinein geboren. Wir wechseln die Seiten, treten über die Schwelle, erleben einen bedeutsamen Übergang. Es liegt eine lange Reise durch die verschiedenen Sphären des Kosmos vor uns, ehe wir uns für eine weitere Inkarnation auf der Erde entscheiden. Ganz egal von welcher Seite wir diese Vorgänge betrachten, sie repräsentieren organische Prozesse von Werden und wieder Vergehen. Wie eine Knospe in eine Blüte hinein stirbt, wenn sie sich öffnet, so verändern auch wir unseren Seinszustand.

Immer wieder geschieht das während unseres Erdenlebens und es geschieht in noch elementarer Weise nach dem, was wir den Tod nennen. Wir brauchen diesem Übergang nicht mit Angst zu begegnen oder ihn gar aus unserem Blickfeld zu verbannen, solange wir am irdischen Leben teilnehmen. Im Gegenteil: er markiert einen wesentlichen Meilenstein in unserer Existenz und dem sollten wir versuchen, gerecht zu werden. Nicht kalte Krankenhauskacheln, nicht Schläuche, Apparaturen und medikamentöse Bewusstseinstrübung werden diesem Geschehen gerecht. Wenn es soweit ist, sollten wir eine Atmosphäre der Geborgenheit herstellen, die geeignet ist, diesen heiligen Moment zu würdigen. Die Verwendung von Blumen, einer Kerze, Farben und Düften können dazu beitragen. Wir können uns in Meditation mit dem Sterbenden verbinden, einen gemeinsamen geistigen Raum erschaffen, ihn innerlich frei lassen und ihm so den Übergang in die andere Welt des Geistes erleichtern. Jeder, der schon einmal Zeuge eines solchen Geschehens war, weiß wie unbeschwert sich die Betreffenden nach diesem Übergang fühlen. Das lassen sie uns Hinterbliebenen in der Regel nach ihrem Hinübergehen durch verschiedene Hinweise wissen. Dass wir dennoch danach eine Phase des Trauerns durchmachen, ist menschlich. Wir vermissen denjenigen, der von uns gegangen ist, in unserem eigenen Leben. Dabei ist er schon längst zu neuen Ufern aufgebrochen, arbeitet das, was sein Erdenleben ausgemacht hat, in vielen verschiedenen Phasen auf und erlebt bei diesem Prozess so manchen weiteren Übergang. Vielleicht hilft uns Hinterbliebenen diese Vorstellung dabei, uns voller Freude an die Zeit mit dem Verstorbenen zurück zu erinnern und dankbar dafür zu sein, dass wir einen Teil unseres Weges mit ihm teilen durften.

Allen, die gerne feiern, wünsche ich fröhliche Karnevalstage, tolles Wetter und einen schönen Übergang in den Frühling hinein.

5 Kommentare zu “Freitags-Gedanken am 1. März: Übergänge

  1. Liebe Ursula,
    Vielen Dank für Deine schönen Ausführungen! Auch ich empfinde sehr stark,dass alles Sein ständig im Übergang begriffen ist. Die Natur erwacht aus der Winterruhe, und auch wir Menschen werden wieder aktiver, um dann gegen Ende des Jahres wieder zur Ruhe zu kommen. So findet ständig Veränderung statt. Ebenso wandelt sich die Lebensweise der Menschen durch die neuen technischen Entwicklungen immer mehr. Ob unsdie umfassende Digitalisierung und der Einsatz von Komputern gefällt oder nicht, sie werden unser Leben umkrempeln. Nichts bleibt, wie es ist.
    Liebe Grüße M….

  2. Liebe Ursula,
    ich danke dir ganz herzlich, das du, das Thema Übergänge für diese Woche gewählt hast. Ich befinde mich zur Zeit sehr stark, in den Begegnungen der Übergänge und deren Wandlungen . Mit jedem „sowohl als auch“ , sehr stark verknüpft mit den „Werde“ und „Sein“ – Prozssen! Es ist allemal eine interessante Herausforderung des Lebens, die man für sich nicht verneinen sollte.
    Ich sehe mich in Gedanken oft als Beobachter, im Mittelpunkt allen Geschehens um mich herum und habe oft die Imagination alles im Zeitraffer an mir vorbeirauschen zu sehen!
    Kennst du dieses Gefühl?
    Mit diesem Thema konnte ich noch einmal einige Standpunkte überprüfen und fühle mich nun etwas wohler! Vielen lieben Dank und einen tollen Restkarneval ( bezüglich der freien Tage)! 🌷
    Ich genieße den Übergang zum erwachen der Natur und zum neuen Frühjahr mit vollen Zügen und den Dingen, die sich mir zeigen werden!
    Alles Liebe,
    Maria

    1. Liebe Maria,
      ja etwas Ähnliches habe ich besonders häufig als junges Mädchen erlebt. Da habe ich mich oft außerhalb meines Körpers empfunden und von außen betrachtet, was ich da so treibe.
      Es fühlt sich eigenartig an, so als gehe einen das Geschehen in der Welt nichts an. Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Gefühl vor allem dann auftritt, wenn wir bei irgendetwas nicht (mehr) mitspielen wollwn.
      Alles Liebe und einen schönen Abend
      Ursula

  3. Liebe Ursula,

    herzlichen Dank für deine tiefsinnigen Gedanken!
    Die Übergänge, die Dämmerung, das Zwielicht, das Sein zwischen Wachen und Schlafen – ja, das sind wirklich Zeiten, sind Orte, sind Gegebenheiten zum Erkenntnis-Sammeln – also eigentlich ist das Dazwischen-Sein unser SEIN!
    Hurra!

    Danke für unser Verbundensein und gaaaanz viele liebe Grüße in den Kölner Karneval hinein ;-),
    herzlich,

    Gudrun

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