Es gibt zwei Wege das Leben zu leben: Alles selbstverständlich zu nehmen, oder die ganze Welt als Wunder zu betrachten.
Ich glaube an Letzteres.

 

– Albert Einstein

„Der Mensch ist dem Weltlauf gegenüber nicht ein müßiger Zuschauer, der innerhalb seines Geistes das bildlich wiederholt, was sich ohne sein Zutun im Kosmos vollzieht, sondern der tätige Mitschöpfer des Weltprozesses; und das Erkennen ist das vollendetste Glied im Organismus des Universums.“

– Rudolf Steiner

„So etwas wie Dunkelheit gibt es nicht.
Es gibt nur die Abwesenheit von Licht“

– Vicky Wall

Freitags-Gedanken am 8. Februar: Unsere Sprache – zwischen Evolution und Manipulation

Laut dem Evangelium des Johannes sind wir durch den Logos, das großartige Schöpferwort der Exousiai (Hebräisch: Elohim) erschaffen worden: Im Urbeginne war das Wort und das Wort war bei Gott und ein Gott war das Wort. Dasselbe war im Urbeginne bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. (Joh. 1, 1-3)

Im Laufe der Menschheitsentwicklung wurde uns die Sprache übermittelt, und sie wurde in alten Zeiten aus dem Geistigen, durch göttliche Wesen gegeben, von uns empfangen. Mit der Zeit bildeten sich auf der Erde verschiedene Kulturen und mit ihnen verschiedene Sprachen heraus. Heute zeichnet sich eine bestimmte Volksgemeinschaft vor allem durch eine gemeinsame Sprache aus. Die Sprache schafft ein wichtiges Bindeglied und Zusammengehörigkeitsgefühl für ein Volk, selbst wenn dieses nicht in einem Staatsgebilde räumlich zusammenlebt. Die Sprache ist also Ausdruck des Volksgeistes, der die Besonderheit und Einzigartigkeit des jeweiligen Volkes prägt. In Mitteleuropa sind die D-A-CH-Nationen (Deutschland, Österreich, Schweiz) durch die deutsche Sprache verbunden und bilden einen gemeinsamen Kulturkreis. Auch wenn die D-A-CH- Staaten politisch eigenständige Einheiten darstellen, bilden sie doch in diesem Sinne eine Volksgemeinschaft, für die eine bestimmte Wesenheit aus der Hierarchiestufe der Erzengel zuständig ist.

Neben dieser hohen Wesenheit wirkt ein noch höheres Geistwesen für die ganze Menschheit, der sogenannte Zeitgeist oder Archai. Er begleitet die Völker dieser Welt  in einem übergeordneten, alle Menschen umfassenden Sinne, was hinunter wirkt bis in die Wesensarten und die Sprachen der einzelnen Völker und diesen neben ihren individuellen Besonderheiten auch einen gewissen gemeinsamen Nimbus aufprägt. Im Zeitalter der Globalisierung  zeigt sich das heute auf internationaler und europäischer Ebene. Hier gilt Englisch als die maßgebliche Sprache, die in der Welt gesprochen und verstanden wird. Interessanterweise haben sich Versuche, eine internationale Kunstsprache wie Esperanto zu etablieren, nicht durchsetzen können. Als Wirtschafts- und Wissenschaftssprache scheint das pragmatische Englisch durchaus geeignet und hat sich auf diesem Feld bestens bewährt. Es bildet die Klammer für die Völker dieser Welt, wenn es um globale Belange geht.

Auf der Ebene, auf der es um Individuelles, um Seelisches oder Geistiges geht, können wir uns jedoch besser in unserer Muttersprache verständlich machen. Sie erlaubt es ebenso diffizile Zusammenhänge darzustellen, in denen es auf feinstes Unterscheidungsvermögen ankommt, als auch die verschiedendsten Gemütsverfassungen und Geisteshaltungen in Worte zu fassen. Die deutsche Sprache ist flexibel, offen für neue Wortschöpfungen und basiert in erster Linie auf dem Vorrang von Verben, nicht wie die englische auf demjenigen von Substantiven. Sie ist ein Ausdruck einer bestimmten Geisteshaltung. Nicht von ungefähr sind viele Geistesgrößen aus dem deutschen Sprachraum hervor gegangen, ganz besonders zu Zeiten des deutschen Idealismus (etwa 1780 bis 1830) mit Persönlichkeiten wie Kant, Fichte, Schelling und Hegel und der Weimarer Klassik mit Goethe, Schiller, Wieland und Herder. Die deutsche Sprache gilt bis heute in aller Welt als die Sprache der Dichter und Denker.

Aus diesem Grund wäre es wünschenswert, wenn diese Sprache entsprechend kultiviert und gepflegt würde. Doch manchmal können wir uns des Eindrucks nicht erwehren, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Selbstverständlich verändert sich jede Sprache im Laufe der Zeit, entstehen eigene Abwandlungen für verschiedene Subkulturen, wie zum Beispiel die Jugendsprache oder die sogenannte Kanak-Sprak, eine vor allem in deutsch-türkischen Kreisen gesprochene Kiezsprache. Das Komiker-Duo Erkan und Stefan hat letztere Sprache einer ausgeprägten Subkultur vor Jahren populär gemacht, doch Kostproben derartiger Kommunikationsversuche können wir bereits auf jeder Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erhaschen.

Doch die massive Durchsetzung mit Amerikanismen entspricht nicht unbedingt einer normalen Sprachentwicklung, sondern wird gezielt vorangetrieben.  Abgesehen von anglo-amerikanischen Ausdrücken, die sich längst in unseren Alltag eingeschlichen haben (Coffee to go, Safe the date…), haben wir auch zahlreiche Muster englischsprachiger Formulierungen bzw. Sprachwendungen übernommen. Einige sind mittlerweile so verbreitet, dass sie uns schon gar nicht mehr als fremdartig auffallen. „Das macht Sinn“ statt „das ergibt Sinn“, „in 2018“ statt „im Jahr 2018“ oder „das ist machbar“ statt „das können wir machen“ mögen als Beispiele dafür dienen. Wenn wir diese Redewendungen nur oft genug hören, tun sie unseren Ohren bald nicht mehr weh und wir selbst laufen Gefahr, sie in unseren aktiven Sprachschatz aufzunehmen.

Auch von Seiten der öffentlichen Medien und speziell der Werbung kommen massive Angriffe auf alles, was einem halbwegs gesunden Sprachempfinden entspricht. Wir erinnern uns an Sprüche wie „Geiz ist geil“, die zudem noch ein höchst zweifelhaftes Lebensgefühl vermitteln. Um fragwürdige Alliterationen zu schaffen, werden manchmal gar bewusst Wörter falsch geschrieben oder so zusammengestellt, dass es weh tut. Selbst die Kirche ist sich nicht zu schade, Sprüche wie „Kirche kann Karriere“ abzusondern, wie wir kürzlich auf einem Werbeplakat des Bistums Essen lesen konnten. Sehr verbreitet ist auch das Weglassen von Verben oder zu Substantiven gehörigen Artikeln, eine Anleihe aus der zitierten Kanak-Sprak. Gegen all das erscheint der viel beklagte Rückzug des Genitivs geradezu harmlos.

Müßig zu erwähnen, dass mehrere Hunderttausend Flüchtlinge oder sonstige Einwanderer jährlich aus diversen Ländern dieser Welt nicht gerade dazu geeignet sind, das Niveau unserer Sprachkultur wieder anzuheben, zumindest nicht zu Beginn ihres Aufenthalts innerhalb unseres Kulturkreises. Nicht nur deshalb wäre es wünschenswert, dass jeder, der hier langfristig leben möchte, auch unsere Sprache erlernt. Das wäre sicherlich auch eine Bereicherung für die Betroffenen, denn es würde ihnen den Aufenthalt in unserem Land  erleichtern und möglicherweise sogar neue geistige Horizonte eröffnen.

Vielleicht erscheint es dem einen oder der anderen ein wenig kleinkariert, so viel Wert auf die richtige und möglichst auch ansprechende Anwendung der deutschen Sprache zu legen. Doch meiner Überzeugung nach hat dies eine weitreichendere Bedeutung, als wir vielleicht manchmal meinen mögen. Wie oben angedeutet, ist Sprache Ausdruck des Kultur- und Geisteslebens einer Nation. Und das ist keine Einbahnstraße, denn umgekehrt beeinflusst sie dieses auch von außen. So empfinde ich es als eine mir selbst auferlegte  Verpflichtung, dazu beizutragen, dass die deutsche Sprache auch in Zukunft ihrem Auftrag gerecht werden kann. Dieser Auftrag ist kein geringerer als dieser: das Bewusstsein über das Geistig-Göttliche in der Welt zu verbreiten, von der wir Menschen ein Teil sind.

Den Verdiensten für die Sprachgestaltung von Rudolf und Marie Steiner verdanken wir wesentliche Impulse für einen neuen künstlerischen und geistgemäßen Zugang zur Sprache. Steiner äußerte sich dazu in seiner so unverwechselbaren, geistdurchdrungenen Sprache folgendermaßen:

Man muss sich ein starkes Bewusstsein dafür aneignen, dass artikuliertes Sprechen menschliches Eigentum ist. Der Mensch muss sich auch zum Bewusstsein bringen, wie er in der Welt den anderen drei Reichen der Natur gegenübersteht. Wenn er sich dessen bewusst ist, weiss er, dass sein Ich wesentlich mitbedingt ist durch alles, was Sprache ist … Glauben, dass der Sprachgenius in dem Aufbau der Sprache wirkt, das ist von einer grossen Bedeutung … Indem man sich bewusst hineinlebt in das Gefüge der Sprache, lernt man von dem Sprachgenius selbst sehr viel. Und etwas Konkretes empfinden lernen von dem Wirken und Weben des Sprachgeistes, das ist von ausserordentlicher Wichtigkeit … Wir verdanken vieles in unserem Ichgefühl, dass wir uns als Persönlichkeit fühlen, gerade der Sprache. Und es kann sich schon im Menschen sogar bis zu etwas wie Gebetsstimmung das Gefühl erheben: «Ich höre sprechen in der Sprache um mich her; da fliesst die Kraft der Sprache in mich herein!“

In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Freude bei der Kultivierung unserer eigentlich doch so gemütvollen und ausdrucksstarken Sprache 🙂

 

 

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