Es gibt zwei Wege das Leben zu leben: Alles selbstverständlich zu nehmen, oder die ganze Welt als Wunder zu betrachten.
Ich glaube an Letzteres.

 

– Albert Einstein

„Der Mensch ist dem Weltlauf gegenüber nicht ein müßiger Zuschauer, der innerhalb seines Geistes das bildlich wiederholt, was sich ohne sein Zutun im Kosmos vollzieht, sondern der tätige Mitschöpfer des Weltprozesses; und das Erkennen ist das vollendetste Glied im Organismus des Universums.“

– Rudolf Steiner

„So etwas wie Dunkelheit gibt es nicht.
Es gibt nur die Abwesenheit von Licht“

– Vicky Wall

Freitags-Gedanken am 25. Januar: Krönung der Schöpfung?

Unbestritten verstehen viele die Aufforderung Gottes an den Menschen Machet euch die Erde Untertan als Freibrief für deren hemmungslose Ausbeutung aus Profit- und Machtgier und aus sonstigen egoistischen Motiven.

Andere bezweifeln, dass der Mensch etwas grundsätzlich anderes sei als ein höher entwickeltes Tier und sprechen ihm damit jeglichen Führungsanspruch und jedwede Führungsqualität gegenüber anderen Lebewesen ab. Der Glaubenssatz, der Mensch habe sich aus der Tierwelt heraus entwickelt, ist heute in weiten Teilen der Bevölkerung verbreitet. Zugegeben, der eine oder andere Vertreter unserer Spezies legt diesen Schluss nahe, verhält sich tatsächlich nicht viel anders als ein ungezähmtes Tier. So mancher gibt sich ungefiltert seinen astralen Bedürfnissen und Begierden hin. Dabei sind wir Menschen mit Wesensgliedern ausgestattet,  die uns doch gerade vom Tier unterscheiden könnten, unseren Verstand, unser Bewusstsein und vor allem unser freies Ich.

Wie so häufig liegt die Wahrheit in der Mitte. Nein, wir sind keine höheren Tiere, auch wenn sich mancher Zeitgenosse so benehmen mag. So merkwürdig das für all jene klingen mag, die mit dem Dogma der Evolutionstheorie eines Charles Darwin aufgewachsen sind, uns Menschen gibt es schon viel länger als die Tiere und Pflanzen auf dieser Welt. Tatsächlich wurde unsere Erde dazu geschaffen, dass wir die Verantwortung für sie und alles, was auf ihr kreucht und fleucht, übernehmen sollen. Doch offensichtlich sind wir mehrheitlich noch nicht an dem Punkt angekommen, an dem wir dieser Aufgabe auch tatsächlich gewachsen wären. Welche Irrtümer haben wir nicht schon alle begangen?! Und es ist kein Ende abzusehen. Mehr denn je versuchen wir heute, uns Kräfte nutzbar zu machen, die sich unserer Kontrolle nur allzu leicht entziehen könnten. Atomkraft, gentechnische Experimente und Künstliche Intelligenz entspringen einem intelligenten Menschenverstand, dem jedoch die Qualitäten eines weisen Einsatzes dieser Kräfte noch nicht in ausreichendem Maß zu Eigen sind. Wir sind schlichtweg noch nicht reif dafür, diese Kräfte zu beherrschen und jeder, der es versucht, droht von ihnen beherrscht zu werden. Wenn wir diesen  verhängnisvollen Weg weiter gehen, werden diese Kräfte sich gegen das Leben richten, gegen Tiere und Pflanzen, gegen die Erde und den Kosmos und schließlich gegen uns selbst. Es sind Ahrimanische Kräfte, die wir da auf den Plan gerufen haben und nun stehen wir vor der großen Herausforderung, sie wieder in ihre Schranken zu weisen.

Doch das ist der Fluch der Freiheit. Wir können uns dazu entscheiden, dieses kontraproduktive, ja zerstörerische Werk mit Hilfe Ahrimans und seiner Verbündeten fortzusetzen oder uns eines Besseren zu besinnen. Vergleichsweise sind es wenige, die aktiv gegen die Entfesselung dieser Geister streiten. Wen sollte das auch wundern, denn nicht selten werden diese Rufer in der Wüste diffamiert, verhöhnt und letztlich kalt gestellt. Schon Mahatma Gandhi wusste:

Erst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.

Der Ausklang dieses Spruches klingt tröstlich, doch der Weg dorthin scheint den meisten von uns nicht wirklich attraktiv. Und so bleibt es bei jenem kleinen Häuflein der Aufrechten, die sich gegen die fortschreitende Entfernung von allem Lebendigen und Wesenhaften unserer Welt erheben, die nach anderen Wegen suchen, sich die Welt Untertan zu machen, nach Wegen, die im Einklang mit der Schöpfung und ihrer kosmischen Ordnung stehen.

Der größte Teil der Menschheit aber schweigt, erduldet, meckert und beklagt sich allenfalls oder schläft schlichtweg den Schlaf der Ahnungslosen. Doch es kommt auf uns an, auf jeden einzelnen. Was tun wir für eine bessere Welt? Wofür setzen wir uns ein? Wofür brennen wir in der Tiefe unserer Seele? Wer bisher noch nicht zum Häuflein der Erwachten gehört, der bekommt immer neue Weckrufe. In näherer Zukunft wird vieles offenbar werden, was wir nicht für möglich gehalten hätten. Ob wir wollen oder nicht, wir werden mit Wahrheiten konfrontiert werden, die wir lieber nicht erfahren hätten und dieser Prozess hat längst begonnen. In unserer Kulturepoche erleben wir die Auseinandersetzung mit dem Bösen als unsere große Herausforderung. Daran gilt es zu wachsen. Unsere Aufgabe ist es, das Böse als das zu erkennen und – noch schwerer – sogar zu akzeptieren, was es ist. Es nicht zu verteufeln, sondern es als Möglichkeit zu betrachten, zu erwachen aus unserem Dornröschenschlaf und uns in Freiheit zu entscheiden, an der Erschaffung einer neuen, Lebens und Menschen würdigen Welt mitzuwirken.

Das bedeutet anstrengende Arbeit, zunächst einmal an uns selbst. Da gilt es Irrtümer zu erkennen, lieb gewordene Glaubenssätze herauszufinden und möglicherweise ganze Weltbilder zu korrigieren, immer und immer wieder. Bequemlichkeit ist etwas anderes!

Und es gibt viel zu tun, auch und gerade im praktischen Alltagsleben. Sei es nun das Bildungswesen, das Gesundheitswesen, die Justiz oder die Politik, viele Lebensbereiche bedürfen einer grundlegenden Erneuerung. Es gilt Visionen zu entwickeln, wie wir unsere Welt Menschen würdig, wirklich am Menschen orientiert,  gestalten können. Technik kann uns als ein willkommenes Hilfsmittel dienen, solange sie uns bei unserem Ziel unterstützt. Achtgeben sollten wir, dass sie nicht zum Selbstzweck verkommt, der dazu führt, dass wir uns immer mehr und mehr von uns selbst entfernen.

Nicht immer müssen wir das Rad neu erfinden, denn vieles wurde schon erdacht. Bereits vor 100 Jahren entwickelte Dr. Rudolf Steiner zum Beispiel Ideen für

  • eine Kind gerechte Pädagogik, Schulen frei von den Vorgaben irgendeiner Obrigkeit, orientiert allein an den Bedürfnissen des einzelnen Schülers,
  • eine Medizin, die den ganzen Menschen ins Auge fasst und nicht die isolierte Betrachtung eines erkrankten Körperorgans,
  • eine Landwirtschaft, die den Bedürfnissen von Pflanzen und Tieren gerecht wird und uns gesundheitserhaltende Nahrung liefert (Demeter),
  • die Idee der sozialen Dreigliederung für den Aufbau einer gerechten Gesellschaft mit Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben, Gleichheit vor dem Gesetz und  Freiheit im Geistes- und Kulturleben.

Für praktisch alle Lebensbereiche hat Steiner Vorschläge in die Welt gebracht, die bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben. Nun ist es an uns, diese Vorschläge aufzugreifen, ggf. an moderne Verhältnisse anzupassen und endlich umzusetzen, denn sie haben das Potenzial, uns wieder unseren Auftrag und unsere Verantwortung für diese Welt in Erinnerung zu rufen. Wenn wir diesem Ruf folgen, kann die Welt von der Führung durch uns Menschen profitieren und zu einem lebens- und liebenswerten Ort für uns und alle, die sie mit uns teilen, erblühen.

Und noch einmal: Packen wir’s an!

2 Kommentare zu “Freitags-Gedanken am 25. Januar: Krönung der Schöpfung?

  1. Liebe Ursula,
    dein Beitrag spricht mir völlig aus der Seele und beschreibt 1:1 meine Gefühle, Emotionen und Gedanken aus tiefstem Herzen. Es sagt alles aus, was gesagt werden muss.
    Es reicht nicht aus, seinen Alltagstrott in gutem Gewissen weiter zu „trotten“ , ganz nach dem Motto: Mir geht’s doch gut, die anderen werdens schon richten! Oder : mir geht es schlecht aber was soll ich denn tun? Jeder hat die Verantwortung in die eigene Pflicht zukommen und seinen Teil zum grossen „Ganzen“ dabei zu tun. Ich denke das größte Problem ist die Tatsache, alles zu selbstverständlich zu nehmen, ohne die Dinge zu hinterfragen. Es bedarf nicht immer der großen Handlungen, sondern alleine das bewusst machen, bewirkt schon eine Veränderung im inneren und somit auch im aussen. Nämlich das bewusst machen unserer Handlungen und unserer Gedanken. Entscheidungsfreiheit, Freiheit im Denken, Freiheit zu hinterfragen, nicht blind zu folgen, das soll unsere Stärke werden! Und füreinander einzustehen und unseren Planeten zu pflegen, in Demut, Respekt und Würde. In Ehren für die Generationen nach uns .

    Ich wünsche eine wunderbare gute Nacht,
    alles Liebe,
    Maria 🙏⭐

    1. Ja, liebe Maria, das hast du schön gesagt. Füreinander Einstehen und Verantwortung übernehmen – das sind die Gebote der Stunde. Uns Vorreitern fällt nun die denkwürdige Aufgabe zu, die schweigende Masse zu mobilisieren. Sicher ist nicht jeder dazu berufen, ein Held zu werden. Doch in unserem eigenen Leben können wir alle etwas tun.
      Danke und einen schönen Sonntag 🙂

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