Es gibt zwei Wege das Leben zu leben: Alles selbstverständlich zu nehmen, oder die ganze Welt als Wunder zu betrachten.
Ich glaube an Letzteres.

 

– Albert Einstein

„Unsere Gedanken bestimmen, wie wir die Welt erleben“

– Buddha

„Der Mensch ist dem Weltlauf gegenüber nicht ein müßiger Zuschauer, der innerhalb seines Geistes das bildlich wiederholt, was sich ohne sein Zutun im Kosmos vollzieht, sondern der tätige Mitschöpfer des Weltprozesses; und das Erkennen ist das vollendetste Glied im Organismus des Universums.“

– Rudolf Steiner

„So etwas wie Dunkelheit gibt es nicht.
Es gibt nur die Abwesenheit von Licht“

– Vicky Wall

Freitags-Gedanken am 11. Januar: Wenn einer eine Reise tut…

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen

Dieser alte Spruch bewahrheitet sich doch immer wieder! Und sicher gilt er für alle Ebenen unseres Erlebens. Von meiner siebentägigen Reise nach Bad Reichenhall könnte ich zum Beispiel erzählen, wie bestimmte Orte Bayerns im Schnee versunken waren, welche Zugverbindungen betroffen waren und wie ich in diesen unwirtlichen Wetterverhältnissen von A nach B gelangt bin, wie mein Hotel ausgestattet war oder was ich zu Mittag gegessen habe. Zwar soll es Menschen geben, die sich über derartiges auf sozialen Netzwerken austauschen, doch mal ehrlich, wen interessiert denn so etwas? Erlebnisse solcher Art vergessen wir sehr schnell und das zu Recht, denn es handelt sich um Momentaufnahmen, die keinen Einfluss auf unseren weiteren Lebensweg haben, die wir einfach abhaken können, ohne weiter darüber nachzudenken.

Doch es gibt auch eine andere Art von Erlebnissen, bei denen wir das Gefühl haben: Hoppla! Hier wirken andere Kräfte! Kräfte, die uns etwas bewusst machen möchten, uns geistig irgendwo hinführen möchten, möglicherweise zu einer bestimmten Erkenntnis. Manchmal handelt es sich auch „ einfach nur“ um ein Geschenk. Gestern Abend bin ich von meiner Seminarreise zurück gekehrt. Das eigentlich großartige Erlebnis war natürlich das Seminar selbst. Axel Burkart hat uns in die vielschichtigen Bedeutungsebenen der Offenbarung des Johannes eingeführt. Doch davon berichte ich vielleicht ein anderes Mal. Heute möchte ich diese Reise zum Anlass nehmen, zwei Begebenheiten dieser anderen Qualität, die mir während dieser Zeit begegnet sind, zu schildern. Jeder von uns erlebt solche und ähnliche Dinge täglich. Jedoch sind wir nicht immer offen dafür, sie als das wahrzunehmen, was sie eigentlich sind, nämlich von der geistigen Welt geführte bzw. inszenierte Situationen und Begebenheiten, die uns mit der Nase darauf stoßen möchten, dass wir das Wirken dieser Geistwesen endlich wahrnehmen.

Erstes Erlebnis: Platzfindung

Um den DB-Sparpreis zu ergattern, hatte ich bereits vor mehreren Wochen meine Fahrkarte gebucht, einschließlich Platzkarte, denn ich hatte zu diesem Zeitpunkt viele übervolle Züge erlebt. Als der Reisetag gekommen war, dachte ich dann auf dem Weg zum Bahnhof: Die Platzkarte hättest du dir eigentlich sparen können! Wer fährt schon am 1. Januar um 7 Uhr morgens mit dem Zug?! Verwundert musste ich feststellen, dass es sehr viel mehr Menschen waren, als ich gedacht hatte. Auf meinem vorreservierten Platz jedenfalls hatte sich eine junge Frau ausgebreitet, mit Computer, mehreren Schriftstücken und reichlich Reisegepäck. Vermutlich hatte sie auch nicht mit solchem Andrang gerechnet. Ich wollte ihr ersparen, mit all dem Krempel umziehen zu müssen und suchte mir einen anderen Platz in der Nachbarschaft. Doch auch dieser stellte sich als reserviert heraus. Der rechtmäßige Anwärter wich jedoch ebenfalls aus, als er sah, dass ich dabei war, mich häuslich einzurichten. Es war geradezu ein kleiner Ringtausch, denn jeder saß nun auf einem Platz, der ihm eigentlich nicht „zustand“. Schmunzelnd machte ich es mir gemütlich, zückte mein in der Bahnhofsbäckerei erworbenes Brötchen und auch gleich eins der mitgenommenen Bücher. Erst jetzt fiel mir meine Sitznachbarin auf, eine etwa 60jährige Frau mit einem auffallend schönen, Petrol-farbenen Strickschal. Ich lächelte ihr zu und konzentrierte mich zunächst auf mein Brötchen. Als ich mein Buch zur Hand nehmen wollte, blieb mein Blick an dem ausgeklappten Tischchen meiner Nachbarin und der darauf liegenden Literatur hängen. Ich traute meinen Augen kaum, es handelte sich um ein geisteswissenschaftliches Werk von Rudolf Steiner, genau das Thema, um das es bei meinem Seminar, zu dem ich gerade fuhr, gehen würde. Wir kamen ins Gespräch über unser gemeinsames Thema, tauschten Informationen und Tipps aus und erlebten eine kurzweilige, bereichernde Zugfahrt.

Zweites Erlebnis: Nächtliche Einweihung

In der Kaffeepause des fünften Seminartages stand ich mit einer anderen Seminarteilnehmerin (übrigens auch eine Ursula) zusammen und die Rede kam auf  das durch Brandstiftung vernichtete erste Goetheanum in Dornach, jenem großartiges Bauwerk, das nach den Plänen Steiners durch tausende freiwillige Helfer errichtet und künstlerisch ausgestaltet worden war und das wir mit Fug und Recht als den äußeren Ausdruck von Steiners Lebenswerk bezeichnen können. Wir erlebten einen gemeinsamen Moment tiefen Mitgefühls im Gedenken daran, was diese Katastrophe für Steiner bedeutet haben muss. Im Verlauf des Seminartages folgte eine Übung, die mir den Namen des Erzengels Michael in seiner eigentlichen Bedeutung eher beiläufig bewusst werden ließ. Später am Abend las ich dann in einem Vortrag Rudolf Steiners, wie wir die Seelen der Verstorbenen um Rat fragen könnten, was besonders effektiv im Moment des Hinübergleitens in den Schlafzustand sei. Ich beschloss, es auszuprobieren und fragte Rudolf Steiner, der seit 1925 in der geistigen Welt weilt, nach meinem nächsten Schritt, den ich für meine geistige Fortentwicklung tun könne. Nachts erwachte ich um 3.30 Uhr. Ich sah die Buchstaben M-ICH-AEL vor mir und erlebte tief in meiner Seele die Bedeutung dieser Zeichen:

M – Mensch
ICH – erkenne und ergreife dein ICH
AEL –  und werde zum Engel.

Das ist die Botschaft des Christus, die er uns durch die Wesenheit, die einmal als Rudolf Steiner auf dieser Erde gewirkt hat, anbietet. Welch ein Geschenk! Und auch: welche Aufgabe, welche Herausforderung und welche Verantwortung! Der Schlaf war für diese Nacht beendet, denn mein Herz lief einfach nur über von dieser als Aufforderung empfundenen Botschaft. Sie packte mich mit Haut und Haar, bis hinein in die letzte zelluläre Struktur meines Körpers, eine Erfahrung, die nichts mit dem gewöhnlichen Erkennen auf intellektueller Ebene gemein hat. In meiner großen Ergriffenheit wurde mir klar, dass jeder einzelne der Schritte des Vortages nötig gewesen war, um genau diese Erfahrung auf den Plan zu rufen, mich dafür empfänglich zu machen. Alles war absolut folgerichtig vorbereitet worden, damit genau dies geschehen konnte. Meine Dankbarkeit dafür war und ist einfach nur grenzenlos. In diesem Fall habe ich die Botschaften aus der geistigen Welt verstanden.

Diese beiden Beispiele mögen Hinweise dafür liefern, wie die geistige Welt mit und für uns arbeitet. Sie führt uns zu den Dingen, die für uns von Bedeutung sind. Sie macht uns Angebote und stupst uns mit der Nase darauf. Doch wir sind es, die diese Angebote ergreifen dürfen. Oft genug ignorieren wir sie, lassen uns ablenken von dem Lärm der Welt und nehmen sie schlichtweg nicht wahr. Manchmal haben wir auch eine Ahnung, doch nicht genug Vertrauen in unsere eigene Wahrnehmung und nehmen den Impuls aus diesem Grund nicht auf.

Damit sich das ändert, habe ich mir vorgenommen, mir jeden Abend vor dem Einschlafen zu überlegen, was mir an diesem vergangenen Tag in dieser Richtung wiederfahren ist, sozusagen, wo sich das Wunder des Tages versteckt hat. Ich versichere euch, dass es ein solches Wunder tatsächlich an jedem einzelnen Tag unseres Lebens gibt und möchte euch dazu ermuntern, es für euch ganz persönlich ausfindig zu machen. Die Seelen der Verstorbenen, mit denen wir uns verbunden fühlen, und die Engel der neun Hierarchien werden genährt davon, dass wir ihr Wirken für uns wahrnehmen und ihnen dafür danken. Sie benötigen diese Nahrung für ihre Weiterentwicklung, die auch uns selbst dann wieder zu Gute kommt. So ist es eben in unserem Kosmos: alles hängt mit allem zusammen und alles, was wir zur Unterstützung anderer tun, tun wir gleichzeitig für uns selbst.

2 Kommentare zu “Freitags-Gedanken am 11. Januar: Wenn einer eine Reise tut…

  1. Liebe Ursula,
    ich danke dir von Herzen, dass du uns so tief in deine neusten Erfahrungen blicken lässt! Ja, jeder Tag hält eine Gabe Gottes für uns bereit. Es liegt an uns sie zu erkennen und anzunehmen, wenn wir dem ganzen gegenüber aufgeschlossen und freien Herzens sind. Ich empfange jeden morgen, den neuen Tag mit offenen Armen. Mit allem Erschwinglichem und auch nicht Erschwinglichem. Was ich für mich als „nicht Erschwinglich“ bezeichne, ist mir eben so willkommen, da ich weiß, dass sich hierin eine Lernaufgabe verbirgt und auch ich ziehe am Abend oder in der Nacht, mein Resümee aus dem Erlebten! Es ist sehr bereichernd solch wahnsinnig tolle Erfahrungen zu machen, wo sich ein Baustein in den anderen fügt, wenn man es sich fügen lässt, ohne Kampfhaltung gegen das Leben, unsere Mitmenschen und gegen uns selbst. Mit offenen Augen, offenen Ohren und offenen Herzens das Erlebte zu erfahren, zu transformieren und auch weiterzureichen ist eine Handlung der Güte und Nächstenliebe. Zu empfangen und zu geben. So wie wir, jede Nacht neugeboren werden, so wird auch der Tag auf´s „Neue“ geboren und bietet uns immer wieder eine verpasste Gelegenheit, neu zu ergreifen oder unsere Richtung zu ändern. Die Herausforderungen bestehen jeden Tag auf ein „Neues“. Bleiben wir jeden Tag empfänglich für die Botschaft die der Tag uns bringt, treten wir eine verheißungsvolle Reise an.
    Nun, der Brand im Goetheanum damals war wirklich sehr schrecklich und eine leidvolle Erfahrung, jedoch hat es seinen Sinn und Zweck letztendlich dadurch nicht verloren. Eher das Gegenteil. Wenn auch fast alles in diesem Feuer vernichtet wurde, so wurde aber nicht der Wille gebrochen, derjenigen, die zugewandt sind. Die Materie konnte verbrennen aber das wichtigste, „Steiners geistiges Lebenswerk“ wird durch uns und viele andere Menschenweiter und wieder Beachtung finden

    Ich wünsche alles Liebe und einen schönen Abend,
    Maria

    Maria

    1. Danke, liebe Maria für deine bereichernden Worte. Wenn man, wie wir beide, so auf dem spirituellen Weg ist, lebt man ja eigentlich immer gleichzeitig in der materiellen und in der geistigen Welt. Es ist dann gar nicht mehr so außergewöhnlich wie es vielleicht für den einen oder die andere klingen mag, wenn wir solche wie die geschilderten Erfahrungen machen. Dennoch ist es natürlich ein Geschenk, für das wir unseren geistigen Helfern sehr dankbar sein dürfen. Es macht große Freude, den Tag so zu beschließen oder auch zu beginnen, wie du es beschrieben hast. Gerade die Schwelle zwischen Wachen und Schlafen spielt eine bedeutsame Rolle im Kontakt mit den Wesen der geistigen Welt.
      Ich wünsche ein wunderschönes Wochenende
      Ursula

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